Gespeichert unter: Essen gehen, Kochfreund Alex, Restaurantgeschichten | Schlagworte: Hai Au, Vietnamesische Restaurants Frankfurt
E N D L I C H hat der EverlastingClub mal wieder einen Artikel verfasst (obwohl- verfasst hatte er ihn schon vor langer Zeit, aber nun hat er mir diesen auch mit Fotos geschickt) und den gibt es jetzt hier in Originallänge. Viel Spass vor allem an die Leser aus der Frankfurt Umgebung, die sollten dann mal da hingehen !!!
Vielen ist bekannt das ich einige Zeit in Asien gelebt und gearbeitet habe und ein ganz großer Fan von authentischer asiatischer Küche bin. Diese Authentizität sucht man in Deutschland leider in den meisten asiatischen Restaurants vergebens. Es gibt sie aber noch, die kleinen versteckten Plätze, wo Idealisten und Überzeugungstäter so kochen, wie sie das bei ihrer Mama in Asien gelernt haben. Ein solcher, sehr versteckter Ort asiatischer Koch-Glückseligkeit ist das vietnamesische „Hai Au“.

Die Location ist selbst für Frankfurt mehr als ungewöhnlich und könnte als Kulisse für einen Gangsterfilm herhalten : Relativ weit unten an der Münchener Straße, unweit des Hauptbahnhofs, also quasi mitten im Rotlichtviertel der Stadt, leuchtet uns ein kleines unscheinbares Schild den Weg. Aber seltsam, es scheint da gar kein Restaurant zu geben ? Stattdessen führt uns ein offenes Tor in einen schwach beleuchteten Hinterhof. Wer hier nicht schon ein mulmiges Gefühl bekommt und kehrt machen sollte, wird am Ende des kargen Hofes dann eine enge Tür finden. Dahinter wiederum führt eine schmale Treppe steil abwärts ins Dunkle. Am Ende der Treppe befindet sich dann eine schummrige Bar und man fragt sich, ob man nicht doch ins falsche Etablissement abgestiegen ist. Aber keine Angst! Den Blick nach Rechts gewandt findet sich eine Passage an einem obligatorischen Aquarium vorbei in einen fensterlosen kleinen Raum, in dem mit viel gutem Willen vielleicht 25 Personen Platz finden. Der kleine Raum ist mit sehr viel Bambus und asiatischer Kunst hübsch verziert. Man sitzt halt im „Keller“.
So etwa alle 20 Minuten dann ein leichtes Rumpeln und Vibrieren : Wenige Meter entfernt über uns fährt die lokale Strassenbahn vorbei! Filme wie „Chinatown“ oder „GoodFellas“ hätten hier ihre ideale Kulisse gehabt. Okay, vielleicht nicht der ideale Platz für ein erstes Rendezvous mit der neuen Freundin.. Noch verruchter wird es dann im hinteren Teil des schummrigen Lokals, der zu einer kleinen Smokers-Lounge ausgebaut ist. Die Decke wölbt sich und zusammen mit der Eisentür und dem lauten Abzugsventilator hat man das Gefühl in einem ehemaligen U-Bahn Tunnel zu sitzen, der zu einer Räuberhöhle umfunktioniert wurde… Aber zurück zum Wesentlichen : Am Nebentisch sitzen einige Asiaten mit ihren britischen Freunden und schlemmen. Viele Platten werden angeschleppt und aufgetischt. Es ist ein sehr gutes Zeichen, wenn Asiaten in Deutschland in einem asiatischen Restaurant sind, denn die wissen, wo es wirklich gut schmeckt! Die Karte des Hai Au bietet neben den „notwendigen“ Einheitsbrei-Gerichten mit Reis, Ente und irgendwas süßsauer, die man wirklich bei jedem x-beliebigen Chinesen auch findet und hier bitte nicht bestellen sollte (die aber wegen dem Geschwader der Unwissenden wohl nicht von der Karte genommen werden können), echt original vietnamesische Schmankerl die man nicht aller Tage bekommt.
Es gibt die leichten Saigon-Röllchen (nicht zu verwechseln mit den altbackenen und vor Fett triefenden Tiefkühl-Frühlingsrollen beim 0815 – Chinesen!), frisches rohes Gemüse das mit Fisch oder Fleisch und viel frischer Minze (!) in hauchdünnes Reispapier gewickelt und kalt gegessen wird.

Dazu leckere Soßen, und zwar nicht die langweilige Industrie-Sambal-Olek Sauce die mit ihrer Salzigkeit jeden Geschmack platthaut, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Dips mit Austern-, Pflaumen-, Chillie- , und Fisch-Soßen und natürlich Erdnüsse und eingelegte oder frische Chillies. Wie in Vietnam üblich, werden zu zahlreichen Gerichten viele Frische Kräuter gereicht, vor allem Minze und asiatisches, hocharomatisches Basilikum. Man zupft sich die Minzblätter von den Stengeln und nimmt soviel man mag oder wickelt sie mit Reispapier in die Speisen ein. Zu einigen Gerichten bekommt man eine Schüssel mit heissem Wasser und Reispapier, das man kurz in das warme Wasser eintaucht und dann mit zahlreichen Zutaten und Salatblättern zusammenwickelt und nach Gusto würzt. Das macht nicht nur viel Spaß sondern schmeckt auch traumhaft! Es gibt die traditionellen vietnamesischen Suppen mit Rindfleisch und vielen Kräutern und Gewürzen, ausserdem knusprige „Pfannkuchen“ (eine Art riesengroßer WanTan, nur viel lockerer und schmackhafter) mit diversen Füllungen. Man kann ein ganzes Fondue bestellen, mit einem großen Suppentopf in der Mitte, zahlreichen Soßen als Dips und einer Vielzahl von rohem Fisch und Fleisch (sogar Nierchen befinden sich im Angebot) zum selber garen in geselliger Runde.

Ein absolutes Hightlight sind im Hai Au meiner Meinung aber die Fischgerichte! Serviert werden ganze Taschenkrebse, und zwar die GROßE Sorte, die mit Chillie und Salz oder mit einer kongenialen Currysauce und frischem Sellerie zubereitet werden (Mein Leibgericht!). Dazu bekommt man einen Nussknacker mit dem man die Biester dann aufbrechen kann. Essen kann man sie nur mit den Händen und den ganzen tollen Saft bekommt man nur durch heftiges zuzzeln und saugen aus den Stücken. Definitv wieder nix für’s erste Rendezvous oder wichtige Geschäftsessen. Ist man mit den Viechern fertig hat man die Currysauce nämlich bis zu den Ellbogen! Jedenfalls habe ich noch nie zuvor in Deutschland so tolle Krebse gegessen.
Durch mein lautes Geschmatze und das Knacken der Krebsschalen wurde zwischenzeitlich dann auch der vietnamesische Chef auf mich aufmerksam und fragte tatsächlich ob er sich zu mir setzen darf. Irgendwie hat der wohl gemerkt das da ein Deutscher sitzt der schon mal in Asien war und das ganze Zeug so richtig zu schätzen weiß. Oder er hatte Angst das ich eine riesen Sauerei in seinem Lokal veranstalte. Wie auch immer, wir haben dann noch eine Weile bei asiatischem Schnaps über die Vorzüge der vietnamesischen Küche im allgemeinen und sein irres Restaurant im besonderen philosophiert und ich bekam ganz viele Empfehlungen was ich beim nächsten Mal dann bestellen soll.
Der Schnaps war nebenbei bemerkt aus Duftreis gebrannt und hatte ein irres Aroma mit Noten von besagtem Duftreis und Kokosnuss. Wieder zu Hause und immer noch von den vielen Eindrücken überwältigt hab ich mir dann zum x-ten Male „Der stille Amerikaner“ mit Michael Caine angesehen. Das ist DER Kultfilm für alle Vietnamfans und unbedingt zu empfehlen.
Gespeichert unter: Essen gehen, Food-Dealer, In der Profiküche, Restauranteröffnung | Schlagworte: Posen, Restauranteröffnung, Theaterrestaurant
Wer hätte das gedacht – jetzt gehts langsam ans Eingemachte. In einer 1,5-Stunden Telefonkonferenz mit dem Theater habe ich 27 Vertragspunkte verändert, geklärt oder gelöscht und das Theater spielte mit. YEEEESSSSS ! So werde ich wohl zu 99,9 % am 3. August einen Pachtvertrag für das Restaurant des Theater Nowy in Posen zeichnen. Und die Renovierung ist in der Übernahme auch schon mit drin (geschieht dann aber erst im August). ! Hier ein paar Bilder meiner Begehung letzte Woche, das wird alles noch Gestrichen, aber vermittelt hoffentlich einen guten ersten Eindruck !

Die Bar

Der erste Speiseraum

Der 2. Speiseraum

Separees

Vorraum zu den Toiletten

In den Raum hinter der Bar kommt eine Lounge
Tja, und jetzt in sehr straffem Zeitplan Gas geben ! Wer zur Eroffnung kommen will, kann sich vorraussichtlich am 6. September in Posen einfinden !
Gespeichert unter: Essen gehen, Food-Dealer | Schlagworte: autentisches Essen türkisch, Kelle Paça, Kotbusser Damm Berlin, türkische Lammkopf Suppe

Einer der Vorteile wenn man in Berlin lebt ist der, das man wirklich fast alles zu Essen bekommt, was in den Kulturen der Welt so angeboten wird. Und zwar häufig so, wie es im Ursprungsland zubereitet wird und nicht eine Deutsche Version von irgendwas (Italiener lachen zu Recht über unsere Version von Spagetti Bolognese). Ich gehe gerne dort essen, wo viele Einheimische des jeweiligen landes verkehren, denn dann kannst Du davon ausgehen, das es original und gut ist.
In meinem Bezirk Neukölln gibt es auf dem Kotbusser Damm zwar gefühlte 20 Dönerläden, die alle „Mit Sosssse ? Und Schaaaf?“ anbieten aber es lohnt sich, auch hier mal zu versuchen, die Unterschiede zu entdecken. Einrichtungstechnisch sind die Läden für unser Auge natürlich alle komplett indiskutabel, aber da wollen wir mal drüber weg sehen. Viele dieser Dönerläden haben nämlich einen Restaurantteil und bei denen ist auch die Speisekarte vielseitiger. Auch die Anrichtung ist eher bescheiden, ABER (und jetzt kommts) der Geschmaaaaaaak !!!!! :
Ich hatte heute das erste mal Kelle Paça gegessen. Das ist eine Suppe vom Lammkopf und Lammschenkel. Der Geschmack der Brühe ist wirklich sehr intensiv, ich glaube, das musste über viele Stunden gekocht werden um so einen heftig guten effekt auf der Zunge zu erzielen. Ja, es schmeckt sehr intensiv nach Lamm, aber eben nach Lamm und nicht nach Hammel. Aber ich habe NIRGENDS ein deutsches Rezept gefunden, nur ein türkisches. Kann das mal bitte jemand übersetzen ?
Malzemeler:
KELLE KUZU
Paca
YOĞURT
YUMURTA
A.Ç. YAĞI
SARMISAK
SİRKE
TUZ
K. .BİBER
Yapılışı:
Paçalar önce biraz ateş üzerinde tutulur, ütülenir. Sonra kılları iyice kazınır. İki tırnağı arasındaki kıl kesesi yarılarak çıkartılır. İyice yıkanıp büyükçe bir tencereye konur. ay çiçek yağı, sarımsak, yarım limon, bir soğan konarak pişirilir. Piştikten sonra kemiklerden ayrılır, iliklerin çıkması için iyice silkelenir. Başka bir kapta yumurta sarısı, bir limon suyu, un, yarım bardak soğuk su iyice çarpılır. Çorbaya süzülür. Etlerde konarak un kokusu gidinceye kadar kaynatılır. ![]()
Gespeichert unter: Essen gehen, Food-Dealer | Schlagworte: Chinarestaurant, Diffenbachstrasse, Dim Sum Berlin, Tangs Kantine

In der Berliner Diffenbachstraße hat ein neuer Chinese aufgemacht. Bäääh, Chinese, immer dieser Glutamat-Scheiss und völlig un-authentisch werden jetzt wieder einige rufen, aber es gibt mittlerweile einige Läden in Berlin, die so garnichts mit Pseudo-Chinafood (Ente Süss-Sauer aus der Microwelle) zu tun haben und sich bemühen, echtes Chinesisches Essen auf den Tisch zu bringen. In vorbildlicher Art kann man das in Tangs Kantine genießen.

Neben vielen leckeren Gerichten bietet er auch die (ich nehm das mal vorweg) sensationellsten Dim Sum an, die ich bisher gegessen habe. Das sind kleine gefüllte Häppchen, die gedünstet oder frittiert in kleinen Bambuskörbchen gereicht werden.
Bei Tang gibt es 8 verschiedene Dim Sum, je nach Art enthält ein Körbchen 2, 4 oder 5 dieser Teigtaschen und sind pro Körbchen für gerade mal 3 Euro zu bekommen. Da wir uns nicht entscheiden konnten, bestellten wir einfach einmal alle 8 Körbchen, die angeboten werden, leider war schon eines Ausverkauft. Aber 7 unterschiedliche Körbchen ist genau die richtige Menge für 2 Personen. Na da wollen wir mal reingucken was da so drin ist:

Diese hier waren mit einer sehr würzigen Spinat-artigen Masse gefüllt.

Das hier erinnerte von der Konsistenz stark an Germknödel und war süß gefüllt, mit Pflaumen glaube ich.

Dies hier hat eine Garnelen-Füllung. Info für Alex: Ha-Gao ist der Tailändische Name, der Chinesische ist ganz anders (hab ich vergessen) aber auf jeden Fall ein absolutes Highlight.

Die Fleischfüllung hier war genau richtig gewürzt.

Und dies ist, soweit ich mich erinnere, eine Krebsfleisch Gemüse Füllung.
Neben dem absolut phantastischen Gaumengenüssen überzeugte der Laden auch noch mit sensationellem Service, relativ kurzer Wartezeiten (obwohl die ganze Aussenterasse voll war) und einem Ansprechenden Design, lediglich die großen roten Lampen und ein paar Schriftzeichen erinnerten an Chinakultur, von goldenen Drachen und ähnlichem Tinnef wird man hier verschont.
Unbedingt ausprobieren !
Liebe Susi, danke für den Tip !Ohne den wäre ich da wohl nicht gelandet.
»tangs kantine« Feinste chinesische Küche
Dieffenbachstr. 18 • 10967 Berlin
Telefon: 030. 69 814 658 • kontakt@tangs-kantine.de
Täglich geöffnet von 11.30 bis 23 Uhr
»tangs kantine« Feinste chinesische Küche
Dieffenbachstr. 18 • 10967 Berlin
Telefon: 030. 69 814 658 • kontakt@tangs-kantine.de
Täglich geöffnet von 11.30 bis 23 Uhr
Gespeichert unter: Essen gehen, Food-Dealer, Food-Talk, Geschäfte, Typisch polnisch | Schlagworte: Hala Mirowska, Kulturpalast, Markthalle, polnische Spezialitäten, Rozbrat 20, Warschau kulinarisch, Zapikanka
Vor kurzem begleitete ich meine Liebste mal wieder nach Warschau, eine Stadt, der ich bisher nicht so wahnsinnig viel abgewinnen konnte – ich fand es immer zu laut, zu hässlich, zu voll und zu uninteressant. Diesmal hatte ich jedoch vorher einen Alternativreiseführer Warschau geschenkt bekommen und somit einen sehr aufregenden, spannenden und schönen Tag erlebt. Ich teile diese Fotosafari in 2 Teile, demnächst kommt dann noch „Warschau Touristisch“, aber nun erstmal die Food-Blogger afine Safari „Warschau Kulinarisch“.
Zu aller erst fuhren wir mit der U-Bahn (es gibt in Warschau exakt 1.0 U-Bahnlinien) zum Kulturpalast im Zentrum von Warschau

Zum Fuße dieses Gebäudes gibt es ein paar kleine Buden, die neben Getränken auch ein paar heisse Snacks verkaufen.

Unter anderem gibt es dort das einzige autentisch polnische Fastfood, nämlich Zapikanka !

Ein Baguette-artiges weiches Brot mit Pilzen und Käse überbacken, obendrauf kommt Ketchup. Die Zapikankas in Posen sind nicht zu empfehlen, dieses jedoch war ein SEHR leckerer schneller Snack !
Ein paar Meter weiter verkaufte eine Frau aus einem Lieferwagen heraus diverse polnische Gerichte.

Das scheint in polen völlig normal zu sein. Der Polizist am ende der schlange steht nicht da, um den Laden zu schließen, sondern um sich was leckeres günstig zu essen zu kaufen. Das ist mir in Warschau oft aufgefallen. Leute parken ihre Autos am Bordsteinrand, offnen den Kofferaum und verkaufen irgendwas, häufig selbstangebaute Lebensmittel, aber auch Unterwäsche, Porzellankitsch und Krempel. Und man braucht keine Genehmigung dafür, oder es interessiert einfach keinen. Das gefällt mir.
Im Kulturpalast gab es eine art „Mitmachausstellung“ wo man sich köpfen lassen konnte und einen Ehrenplatz in der Obstschale bekam:

In meinem Reisefüherer hatte ich von der Hala Mirowska gelesen, eine über 100 Jahre alte Markthalle, da wollte ich hin !

Davor befanden sich einige Blumenstände in direkter nachbarschaft mit alten huzeligen Omas, die gehäkelte Deckchen oder geschirr zur Aufbesserung der Rente vertickten.

In der ersten Halle dann erstmal große Enttäuschung – der eigentlich schöne Bau ist zu einer art Billigsupermarkt verkommen, der ziemlich Kundenleer gewesen ist.

Aber aussenrum gab es ein paar Einzelstände, z.B. mit Spirituosen, man hat definitiv eine interessantere Wodka-Auswahl als in Berlin…

…sowie ein Stand mit einem sehr skurilen „Kunst“-Schaukasten.

Man beachte den coolen Frosch. Aber das kann ja nicht alles gewesen sein. War es zum Glück auch nicht. Denn hinter dieser schönen Backsteinbauhalle gab es noch eine 2te Halle ein 70er-Jahre Kommunismus-Neubau mit anschließender Freifläche, und der hatte ganau das zu bieten was ich erwartet hatte.

Viele kleine Stände mit polnischen Spezialitäten wie Piroggi oder gefüllten Pfannkuchen.

Natürlich gab es viele Obst- und Gemüsestände, im Vergleich zu Berlin allerdings häufig mit regionalen und/oder saisonalen Produkten.

Aber auch hier sind die Radieschen um diese Jahreszeit noch nicht wirklich scharf. Allerdings kostet hier der Bund 1,50 Zloty, das sind ca. 34 Cent !

Auch in Polen isst man gerne Spargel.

Und man bekommt fast überall lecker geräucherten Fisch…

…oder man sucht sich ‘nen lebenden aus.

Ausserdem gibt es in groben Brotstücken pannierte Schnitzel und eine Unmenge an pannier-frittiertem Zeugs, das ich leider nicht alles probieren konnte, da wir noch weitere Kulinaria zu entdecken hatten.

Aber wir gönnten uns ein halbes Kilo Erdbeeren, die wohl leckersten nach Erdbeere schmeckenden polnischen Erdbeeren, die ich seit Jahren gegessen habe.Das ging so schnell, das ich vergaß, ein Foto zu machen.
Statt dessen machte ich dann ein Foto von dem „Essen“ oder wie man das nennen soll, das es in einer vegetarischen (sic!) Kantine gab, die meine Liebste früher ab und zu besuchte, als sie in Warschau studierte. Wohl eher aus nostalgischen Gründen gingen wir da rein. Ich kann schon spüren, wie es den Fressack schüttelt und das zu recht. Das Zeug schmeckte nicht nur fade sondern es wurde warscheinlich auch schon seit Stunden warm gehalten, war aber nur lauwarm. Der Saft allerdings auch !

Um den Scheissgeschmack aus dem Mund zu bekommen, gingen wir in eine alte Cafe-Bar mit dem Namen „Bajka“ was übersetzt „Märchen“ heisst. Ich weiss nicht, ob das polnicher Humor ist, denn der Laden hatte nicht wirklich was märchenhaftes sondern eher sowas wie – hmmm – kommunistischer charme ? In dem Laden waren die Wände mit so was ähnlichem wie Grünen Kacheln an den Wänden ausgekleidet, man fühlte sich wie in einer Bedürfnisanstalt, überall saßen heftig rauchend schweigende Männer aber der Kaffee mit Schlagsahne war sensationell und billig.

Lediglich die Preise sind hier in den letzten 30 Jahren ein wenig angestiegen. Vor 8 Jahren gab es zum Beispiel einen Kaffee noch für 2 Zloty. Besonder interessant ist, das Piwo (das polnische Wort für Bier) nicht unter „Alkohol“ steht, sondern unter „Erfrischungsgetränke“ (Napoje Zimne) !!! Aber für die Insassen des Ladens zählt Bier anscheinend nicht richtig zu Alkohol.

Nach dieser etwas merkwürdigen Erfahrung machten wir uns auf den Weg durch wunderschöne alte Parkanlagen zu einer echten kulinarischen höchstleistung Warschaus, dem „Rozbrat 20″. Der Laden ist eines meiner schönsten Restaurant-Erlebnisse in diesem Jahr gewesen.

Ein uglaublich schones Restaurant, auf den ersten Eindruck ganz Simpel in vornehmlich Schwarz-Weiss gehalten, mit einem hellen Holzfussboden und vielen kleinen und großen liebenswerten Details.

Schöne Blumenarrangements, tolle Fotos, eine Angenehme Beleuchtung, Fenster bis zum Boden überall stehen Holzweinkisten in denen der angebotene Wein präsentiert wird. Leichte Jazzmusik und eine kleine aber feine Karte runden zu einem – für mich – perfektem Gesammtbild ab.
Geschaffen hat das alles Monika, die rechte Lady auf dem nächsten Foto. Sie hat zusammen mit meiner Liebsten Schauspiel studiert, danach noch ein Regie-Studium drangehängt und vor einem halben Jahr diesen Laden eröffnet. Und weil das wohl noch nicht reicht ist sie auch noch Mutter geworden. Aber trotz ihrer vielen Aktivitäten saß sie völlig relaxed mit uns am Tisch und wirkte sehr ausgeglichen.

Der Italienische Kellner, der kaum polnisch oder englisch sprach, überspielte diese Unzulänglichkeit durch Charme versprühen und alle weiblichen Gäste lagen ihm zu Füssen ! Ach ja, was kleines habe ich dann auch noch gegessen, Zanderfilet auf einer Creme Brulée aus Ziegenkäse und Spargel. Das war ein Gaumenschmaus, der seinesgleichen sucht.

Die Karte selbst war klein, handgeschrieben und beinhaltete gerade mal 16 Gerichte. Genau so wie ich das machen würde ! Es versteht sich von selbst, das fast alles was ich auf den anderen Tischen erspähte sensationell lecker ausgesehen hat.

Obwohl wir von dem Tag, der vielen Lauferei, und den zahlreichen Eindrücken etwas erledigt waren, konnten wir nun nicht nach Hause gehen. Wir entschieden uns für einen Absacker an einer Bar, die auch gut hätte in Kreuzberg sein können:

Alles in allem ein sensationeller Tag, Wiederholung durchaus angedacht und Nachahmung schwerstens empfohlen !
Gespeichert unter: Essen gehen, Kochfreund Alex | Schlagworte: frisches Blut, Hasenpfeffer, Klebereis, Laab, Mekong Whiskey, Thailand
von TheEverlastingClub
Im Jahre 1993 erkundeten meine damalige Lebensgefährtin und ich den Norden Thailands, fernab der ausgetrampelten Pfade des Pauschaltourismus. Es ist Januar, kurz nach Neujahr, und wir lassen uns eine kurvenreiche Straße entlang, nördlich von Chiangmai in das Gebirge fahren, nicht allzuweit der Grenzen zu Laos und Burma. Den staubigen Pfad säumen zahlreiche kleine Schreine, als Mahnung und Erinnerung für die hier zu Tode gekommenen Auto- und Mopedfahrer. Die Schreine folgen reichlich dicht aufeinander. Den Fahrer, der den Anblick offensichtlich gewohnt ist, ermutigt dies jedoch nicht, den Fuß vom tief durchgetretenen Gaspedal zu nehmen.
Diese abentuerliche Reise brachte uns zu einem entlegenen Bauernhof in den Bergen, nahe einem kleinen Dorf, in dem nur ein einziger Bewohner über ein Telefon verfügte, dessen Benutzung mir von seinen Besitzern seinerzeit auch nur einmalig und unter strengem Blick gestatttet wurde! Sagen wir es ruhig : Wir waren am Arsch der Welt!
In diesem unaufgeregten Winkel unseres Planeten kam ich in den Genuss einer wirklich einmalig seltenen Speise. Aufgrund eines festlichen Anlasses wurde auf dem kleinen Bauernhof in dem wir verweilten, ein Schwein geschlachtet. Das noch warme Blut des frisch getöteten Tieres wurde in einem Bottich mit reichlich Kräutern und Gewürzen vermengt und dann, noch frisch und WARM, als DIP (!) mit Klebreis serviert. Wir sassen alle draussen auf einem staubigen, kahlen Platz, und tunkten abwechselnd unsere zu kleinen Bällchen geformten Portionen klebrigen Reis in die tiefrote Tunke. Es wurde reichlich Aufhebens um die ganze Sache gemacht da die Menschen offensichtlich sehr arm waren und nur selten in den Genuss dieses Essens kamen. Ich erinnere mich noch, daß es mir schmeckte und sehr viel billiger Mekong-Whiskey dazu serviert wurde, dem ich reichlich zusprach. Sicherlich war auch nur der Mekong schuld daran, daß ich mich die ganze Nacht lang übergeben musste.
Und dann steht man irgendwann wieder in Frankfurt auf dem Markt an der Konstabler und gibt die Geschichte ein paar Guden aus Oberhessen zum besten, die gerade beherzt in ihre Roggenschnitte, belegt mit Odenwälder Blutwurst, Senf und Gürkchen beissen, und schon fallen sie über Dich her, als gehörtest Du in die Geschlossene eingewiesen, nur weil das Schweineblut das Du in Thailand genossen hast nicht wie jenes auf ihrem Backwerk bereits aus dem flüssigen in den gestockten Zustand übergegangen ist. Verrückte Welt.
Lange Zeit nach meinem Erlebnis in Thailand lernte ich dann, daß in Deutschland über Hunderte von Jahren Gerichte wie z.B. „Hasenpfeffer“ auf Basis frischen Blutes zubereitet wurden und noch heute in bestimmten Regionen, wie z.B. dem Fränkischen, nach wie vor serviert werden. In Zeiten von BoFrost und McDonalds dürften diese Gerichte wohl in wenigen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten sein.
Frisch gezapftes Schweineblut suchen wir bei den Thais in Frankfurt vergeblich, und auch Späße wie zu Ader gelassene Schlangen wie im Buch/Film „The Beach“ werden nicht geboten. Den Klebreis aber gibt es. Meistens wird er ganz traditionell in einem kleinen Körbchen zu den bereits erwähnten Ost-Thailändischen Salaten (Laab) serviert. Man greift mit den Fingern in das Körbchen, formt eine kleine Kugel, stipst damit dann einen Happen Laab auf und führt das Ganze zum Munde. Essen mit den Fingern macht Spaß!
Und natürlich hat es dann auch wieder „Gudgesmeek!“
„Man sollte alles einmal im Leben probiert haben.“
H. Lecter , „Hannibal“ , Thomas Harris, 1999
Gespeichert unter: Essen gehen, Kochfreund Alex | Schlagworte: grillen, minderwertige Lebensmittel, Salat mit Putenbrust, Soilent Green, teuer, typisch deutsch

von TheEverlastingClub
In Zeiten weltweiter Rezession, Hungersnot und Kriegen grenzt es ja schon fast an Frevelei, ÜBERHAUPT über das Thema Genuss zu diskutieren. Oder ? Oder ? Schon seltsam : Wenn meine Freunde oder Kollegen anfangen die Vorzüge des neuen Audi R6 im Vergleich zu anderen Nobelkarossen zu diskutieren käme absolut Niemandem in den Sinn, daß solche Frahrzeuge einen überflüssigen, ja dekadenten, Luxus darstellen, der einer infinitisimal kleinen Oberschicht vorbehalten ist. Wie selbstverständlich wird dann aber das gute 98er Super-Bleifrei auf der A5 im Porsche verblasen und werden Werkzeuge zum Werterhalt des Boliden angehäuft, deren Anschaffungspreis fünfstellig beziffert werden muss. Am Motoröl kann und darf dann letztlich auch nicht mehr gespart werden.
Kommt dann aber ein kleiner Feinschmecker wie ich, der sich wagt mal so zwischendurch in die Runde einzustreuen, was für einen leckeren Bordeaux wir da am Wochenende hatten und das ein „besseres“ Olivenöl einen geschmacklichen Quantensprung beim Genuss eines grünen Blattsalates auszulösen vermag, dann glotzen einen die selben Menschen mit einem mitleidig bis verachtenden Gesichtsausdruck an und (mehr…)
Gespeichert unter: Essen gehen, Kochfreund Alex | Schlagworte: Lamm, Osterlamm, Parthenon

TheEverlastingClub
Hier sehr nachträglich ein Artikel von TheEverlastingClub zum Thema Osterlamm. Die Bilder waren etwas schwer zu besorgen…aber sind dann doch irgendwann angekommen.
Zu Ostern schieben Traditionalisten gerne einen Lammbraten in die Röhre und auch ich bin großer Freund von Lamm und Zicklein aus dem Backofen, schön lange weich geschmort mit viel Gemüse, sämiger Soße und krosser Haut. Eine besonders tiefe Tradition hat dieser Lammbraten bei unseren griechischen Freunden.

Das Lämmchen und Innereien
Bei Stelios im großartigen „Parthenon“ in Frankfurt gab es in diesem Jahr dann eine besonders schöne Überraschung : Auf einem großen Holzkohlegrill wurde ein GANZES (!) Lamm über viele Stunden zur Perfektion gegrillt.

Chefchen
Meine Freunde und ich durften an diesem Event teilhaben. Neben dem besagten Lamm vom Grill gab es auch dessen über der Glut gegarte Innereien, also Herz, Leber, Nieren, und viel undefinierbares.
Wir schlemmten über Stunden und genossen dazu knackige Salate und vielerlei griechischie Schmankerl. Begleitet wurde das Fest von einem griechischen Musiker der auf einem Dudelsack-ähnlichen Instrument (gefertig aus Lamm-Haut) traditionelle Hymnen anstimmte.

Griechischer Dudelsack
Dazu brannte von einem strahlend blauen Himmel die Sonne mit satten 25 Grad auf uns herunter – es war wie Urlaub vom Feinsten!
In Griechenland schieben sie dem Ehrengast ein Auge vom Lamm in den Mund. Unsere Freundin Lina, solchen Experimenten selten abgeneigt, erkundigte sich zwar nach dem Verbleib des Tierkopfes, aber offensichtlich hatten unsere griechischen Freunde das „beste“ Stück für sich reserviert…

Der griechische Chef verteilt das Lamm
Wie auch immer, das Fleisch des Tieres war wunderbar zart, dazu gab es Berge knuspriger Haut, was will man denn noch mehr ?

Soooo Knusprisch !
Und wann hat man schon mal Gelegenheit, so etwas Tolles zu Hause zu erleben, geschweige denn zuzubereiten ? Vielleicht eine Anregung, statt langweiliger „Lammfilets“ mal was anderes im Sommer auf den Grill zu legen.
Gespeichert unter: Essen gehen | Schlagworte: Laab, Laotische Küche Vietnamesische Küche, Nam Pla, Panaeng, Thai, Thailänder

von unserem Frakfurter Korrespondent TheEverlastingClub
Besuche in thailändischen Restaurants sind nicht nur wegen des Essens wunderbar. Aus irgend einem Grund herrscht fast immer eine Form von gelöster, geradezu heiterer Stimmung, wie man sie in „gehobenen“ Restaurants aus allgemeiner und zumeist ja auch gewünschter Rücksichtsnahme kaum und auch in vielen anderen Restaurants eher selten anzutreffen vermag. Deswegen würde ich für einen romantischen Abend zu Zweit auch nach wie vor eher beim Franzosen reservieren, gehe aber wenn ich „alleine“ bin voll Vorfreude und Erwartung bester Unterhaltung lieber zu „meinem“ Thailänder.
Es mag an der kollektiven Verwirrtheit liegen, die bei den meisten Gästen offensichtlich eine Art morphogenetische Gemeinschaft auslöst, angesichts der für den nur 2 x pro Jahr einkehrenden Durchschnittsabenteurer oftmals mehr als exotisch anmutenden Speisenauswahl. Dabei ist das, was unsere thailändischen Freunde in Deutschland anbieten meistens (leider) garnicht die „echte“ Thai-Küche, obwohl es sie auch hier gibt.
Nimmt man dann an einem gut besuchten Einkaufs-Samstag in der Frankfurter Innenstadt Platz und bestellt sich ein gekühltes Glas Wein (ein fetter Chardonay hält dem Chillie-Feuerwerk der Speisen stand!), kann die Show beginnen..
Hinter mir sitzen zwei ganz liebe Damen. Die eine betont mindestens 5 mal, wie gut das in dem Lokal riecht. Was stimmt! Es liegt ein Hauch von Duftreis und Gewürzen im Raum, die Atmosphäre ist Zen-mäßig, man möchte frohlocken, als plötzlich… ein kleiner Junge quer durch den Raum rennt, schwer mit seinen Stiefeln stampfend und lauthals verkündend : „Meeensch, Papaaa, auf dem KLO stinkt das ja wie SCHEIIIISSE!!!“.
Ein Pärchen einen Tisch weiter. Sie springt auf wie von der Tarantel gestochen, verrenkt sich den Hals, stiert auf einen Punkt weit hinten im Restaurant, rafft mit irrsinnigem Tempo und ebensolcher Geräuschentwicklung ihre Jacke, Handtasche + den Cocktail zusammen und stürmt wehender Fahnen in die Tiefe des Raums. So ähnlich wie wenn bei den Looney Tunes der Road Runner dem Coyote davonläuft (Falls das noch jemand kennt). Oder so wie wenn der deutsche Urlauber in Thailand morgens um halb sieben „seine“ Bank am Strand hastig mit einem Handtuch vor den bösen bösen Holländern protektiert. (Kennt man ja auch..)
Achja, ihre Begleitung war ja auch noch da. ER sitzt ungelogen regungslos am Fenster und wimmert „Och nöh.. Och.. Marianne! Och nöh.. der Platz war doch gut.. Marianne!“.
Stellen Sie sich diese Szenen bei Johann Lafer auf der Stromburg vor. Geht nicht ? Eben.
Die Thais lachen gerne. Neulich wurde ich mit folgenden Worten begrüßt : „Ja bitte ? Haben Sie was vergääässen?“. Dann brach das Mädel in Gelächter aus und musste sich irgendwo festhalten, sonst wär sie glatt umgekippt (Ich lach über meine eigenen Witze ja auch am liebsten). Thai-Humor. Allerdings sehen wir Langnasen für Asiaten auch alle ziemlich gleich aus. Die Rache dafür, daß die meisten Europäer keinen Chinesen von einem Thailänder unterscheiden können.
Vor etwa 35 Jahren kam ich an einem entlegenen Ort als kleiner Junge zum ersten Mal mit asiatischem Essen in Berührung. Schon immer haben mich die Vielfalt der Gewürze und die ungewöhnlichen Speisen fasziniert. Meine Eltern mussten mich davon abhalten See-Schnecken und rohe Seeigel zu kosten als ich 7 Jahre alt war. Es sollte 15 weitere Jahre dauern bis ich das dann endlich nachholen durfte und herausfand, daß eigentlich nur Japaner so einen Quatsch essen, sieht man von „Gung Schae Nam Pla“ der Thais einmal ab. Das sind rohe Garnelen mit viel rohem Knoblauch und einer extrem scharfen Chillie-Soße auf der Basis von „Nam Pla“, d.h. in Holzfässern bei Mittagshitze fermentiertem, also faulendem, Fisch. Quasi Sashimi für Perverse. Mit einem Blättchen frischer Minze drauf lass ich mir das schon mal gerne schmecken.
Es ist hart für einen Thai, wenn die Gäste im Restaurant immer nur „knusprige Ente“ und „Irgendwas süßsauer“ bestellen. Das isst in Thailand nämlich nur selten Jemand, auch wenn es gut schmecken mag. Oder essen Sie jeden Tag Sauerkraut und laufen in Lederhosen herum ? Bingo.
Geht man nicht zum „Nullachtfünfzehn“-Thai um die Ecke sondern zu den wenigen ausgesuchten Restaurants, die neben der erwähnten „Ente süßsauer“ auch authentische Gerichte anbieten, dann sollte man checken ob sich der Koch auf Speisen aus Ost-Thailand versteht. Dort, Richtung Laos und Vietnam, versteht man sich auf leichte Gerichte die mit vielen frischen Kräutern und rohem Gemüse zubereitet werden. Eines davon nennt sich „Laab“, eine Art Salat aus gehacktem Fleisch (Schwein, Rind, Huhn, Ente) mit Minze, Chillie und einer Würze aus gemahlenem, zuvor trocken geröstetem, Reis! Eine Delikatesse und sehr zu empfehlen, besonders an heissen Tagen im Sommer.
Sollte sich der Koch auf die Küche Süd-Thailands verstehen, dann empfehle ich ein „Panaeng“ Curry. Dieses Curry hat malaysischen Einfluss (Malaysien grenzt im Norden an Süd-Thailand) und wird mit Kokosmilch zubereitet und Gewürzen, die im Süden typisch sind, ist aber durch das lange Einkochen und die Verwendung von u.a. Kaffir Limette und Thai-Basilikum wesentlich aromatischer als die meisten anderen hier bekannten Currys.
Meine Bestellung kommt. Das Lärmen im Raum wird durch die Präsenz großartiger Speisen schlagartig ausgeblendet. Die lustige thailändische Musik rückt etwas in die Ferne (klingt irgendwie immer wie der Sountrack zu einem süßen Zeichentrickfilm, ganz egal ob es nun meditativ oder HeavyMetal ist).
Die Bedienung verteilt die Gerichte auf dem Tisch. Ich esse gerne so wie die Thais, also alle Gerichte gleichzeitig. Das macht natürlich noch viel mehr Spaß, wenn mehrere Personen beteiligt sind und man die große Auswahl hat. Mehr als öde jedoch, wenn dann Typen am Tisch sitzen die Altgermanisch speisen und weder an den anderen Gerichten Interesse zeigen, noch ihren Tischnachbarn erlauben von ihrem Gericht zu kosten. Allerdings geh ich mit solchem Folk auch nicht mehr essen.
Meine Bedienung ist quer über den tiefen Ausschnitt tätowiert. Sieht aus wie bei Yakuzas zu Hause, aber das wäre dann wieder Japan. Ich erwähne das um noch mal die lockere Atmo zu unterstreichen und weil man sowas in Deutschland eigentlich kaum findet. Und um die Zensoren zu ärgern.
Nach Stunden voller Freude kommt dann wie immer die legendäre, obligatorische Frage meiner Bedienung : „Hadgudgesmeek?“.
Wie immer sage ich „Ja!“.
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Immer wieder bin ich auf der Suche nach kleinen Oasen des kulinarischen Glücks und vor 2 Tagen wurde ich nach langer Zeit endlich mal wieder fündig. Da ich keine lust hatte, etwas zu Mittag zu kochen, mein Magen aber lautstark Nahrung einforderte, überlegte ich, wo ich schnell was anständiges zu Essen bekomme.
Ich lief den Kotbusser Damm entlang, dort bekommt man eine gigantische Auswahl an Dönerbuden aber mir war eher nach was preiswert leckerem mit etwas weeniger Fettgehalt. Ich versuche, es mal anders zu definieren: Ein Laden mit Imbisscharakter vom Preisverhältnis, der aber nicht ausschließlich von vorgefertigten Tütensaucen und verkochten vorproduzierten Mikrowellenaufgewärmten Convinience-Food lebt, sondern wo man sehen kann, das da noch jemand seinen Job gerne macht und auch beherrscht.
Dann viel es mir ein – Ich war doch schon öfter an einem kleinen Eck-Imbiss mit Pizza und Pasta Angebot an der Ecke Zickenplatz/Schönleinstr. vorbei gelaufen. Das wollte ich ausprobieren.
Gleich nach dem Eintreten wurde ich wirklich freundlich (und nicht wie so oft wo anders desinteresiert) von dem Koch Micha und dem Miteigentümer Grökahn begrüßt.
Man wies mich auf das Tagesgericht hin, pasta mit einer Kardamon-Sahne-Sauce mit Pilzen, Karotten und Sojasprossen zum durchaus moderaten Preis von 3,90 Euro hin. Die Kombination war für mich neu und ich bestellte das Gericht einerseits aus Neugier, andererseits auf Grund einer übersichtlichen Karte, die auf den ersten Blick keine sensationelle Alternative bot (Aber hierzu später mehr).
Was mir sofort positiv auffiel: Die Pasta-Sauce kam nicht fertig aus einem Topf, sondern wurde Frisch zubereitet.

Betreiber Grökahn und Koch Micha
Obwohl ich der Kombination geschmacklich eher skeptisch Gegenüberstand, wurde ich mehr als angenehm überrascht. Was ich da nach ca. 8 min. serviert bekam, war schön angerichtet, eine Sattmachportion und ein echtes Geschmackserlebnis. Ich wusste sofort – hier ist nicht irgendein Pfuscher am Werk (also ein in einer Stunde angelernter Speisenerwärmer wie so häufig in Etablissments in dieser Preisklasse), sondern jemand der sein Handwerk versteht, es wohl richtig gelernt hat UND es immernoch mit Liebe zu seinem Produkt betreibt.
Die Nächste Überraschung: Meine Nachfrage, wie er das genau gemacht habe, wurde sofort und ausführlich beantwortet und es wurde gleich ein wenig über das Aroma von Pilzen gefachsimpelt.
Mir gefiel das so gut, das ich heute wieder hin gegangen bin. Wieder wurde ich freundlich empfangen und wieder bestellte ich die Tagespasta, Farfalle mit einer Tomatensauce mit Spinat und Oliven.

Und auch dieses mal klang es nicht spektakulär, aber das macht halt einen guten Koch aus. Das Gericht hatte eine ganz leichte Schärfe, die aber nicht den Geschmach der Tomaten oder des Spinats überschattete. Man merkt einfach den Unterschied, wenn jemand gekonnt mit Gewürzen und Kräutern umgehen kann.
Da der Mittagsansturm schon vorbei war und wir kurze Zeit allein in dem Laden waren, hatte ich die Möglichkeit, mich ein wenig mit den beiden Charmanten Herren zu Unterhalten. Micha erzählte mir, das die Karte absichtlich keine 1000 Gerichte enthält (wie bei jedem anderen Imbiss), denn das kann man in Frischequalität überhaupt nicht bewerkstelligen. Man versucht, jeden Tag ein neues Tagesgericht anzubieten, das aber auch wirklich der Kreativität des Kochs entspringt und somit bisher sehr gut läuft.
Hier interessiert sich der Wirt noch für den Gast. Ich werde nicht nur floskelhaft gefragt, „wie es scmeckt“, ich bekomme das Gefühl, das der Koch sich wirklich für mein Urteil interessiert. Und dabei bleibt es nicht – auch interessiert die beiden, welche Musik ich in so einem Etablissment hören möchte und was ich persönlich am Liebsten koche.
Natürlich kann man für so einen Preis nicht erwarten, das die Pasta hausgemacht ist, oder das Fleisch vom freilaufenden Perlhuhn kommt. Aber das will ich auch garnicht. Ich brauche eine gut schmeckende Alternative zu Döner, Grillhändl oder Burger. Und das bekomme ich hier. Das Essenskonzept haben die Jungs vor 3 Monaten vom Vorbesitzer übernommen und entwickeln es weiter, tauschen es Stück für Stück aus. Mein Tip: wenn die Karte mit Pizza und Pasta etwas langweilig erscheint, dann einfach das Tagesgericht bestellen ODER Micha nach was anderem fragen. Ich glaube er würde so eine Herausforderung gerne annehmen.
Alles in Allem bleibt der positive Eindruck, das hier Leute am Werk sind, die ein wenig Risikobereitschaft inne haben und gleichzeitig ohne schnickschnack oder Designspielereien aus dem Imbiss-Einheitsbrei herausstechen wollen. Am Ende des Tages schafft man dies mit freundlichem Service und natürlich mit gutem Essen – und das bekommt man beides im Olivio.
OLIVIO
Schönleinstr. 29
10967 Berlin
030/61101695



