Einsortiert unter: Essen gehen, Food-Talk, Freunde, In der Profiküche, Kochfreund Alex | Schlagwörter: Louie Holzinger, Mainlust, Schwanheim, TEC
von TheEverlastingClub
Fremder, wenn es Dich nach Frankfurt treibt und Du eine echt authentische Apfelweinkneipe suchst, dann sollst Du in der „Mainlust“ in Schwanheim einkehren. Denn hier wird einem noch was geboten, wenn man auf hessisches Kulturgut steht.

Ob am Tresen oder draussen im Garten, in der „Mainlust“ trifft sich Frankfurter Urgestein und mit dem Wort „Offebäscher“ sollte man vorsichtig umgehen. Unser Louie hat hier vor einigen Jahren schon einmal gewirkt. Nach einigen Rückschlägen und Irrwegen hat er es aber wieder an die Heimatfront geschafft.

Ich freue mich von ganzem Herzen mit ihm, weiss ich doch wie hart es ist, ausserhalb seiner vorbestimmten Wirkungskreise zu existieren und in der Umlaufbahn irgendeines peripheren Planeten seine Bahnen auf einem entlegenem Felsen ziehen zu müssen, auf dem sich die gewünschte Zielgruppe so selten hin verirrt, wie der Veganer zum Schlachter. Zum Glück sind diese kargen Zeiten nun vorbei und es ist schön, den Louie wieder in seinem schwarzen Joppelchen und Bembel-schwingend Gäste beglücken sehen zu dürfen.

Es ist der harte hessische Kern der Äppelwoi-Trinker und Handkäs-Lutscher, die sich hier zum Stelldichein treffen. Multi-Kulti findet anderswo statt und das exotischste auf der Kart ist denn auch der Kümmel zum Handkäs. In Zeiten von Sushi, Crossover und Kebap meint ja oft noch der letzte Apfelwein-Wirt „Irgendwas mit Balsamico“ oder wenigstens einen Ruccolasalat auf der Kart haben zu müssen. Nicht so der Louie. Der bleibt sich und seinen hessischen Schmankerln treu. Allerdings sind das halt nicht die von mir sonst oft geschmähten lieblos hingerotzten Bistrot-Banalitäten die es in Frankfurt an jeder Ecke und oftmals überteuer gibt, sondern liebevoll inszenierte Gerichte mit Pfiff. Alles ist mit Bedacht ausgesucht, zusammengestellt und zubereitet.

In den Wurstsalat kommt eine ganze Armee superleckerer, teils geräucherter Würste, die schon alleine genossen klasse schmecken würden. Das Entrecote ist eigentlich ein 200 Gramm Rib-Eye (warum des jetzt so iss, soll gefälligst der Louie erklären) und zum Preis von € 9,90 absolut unschlagbar. Das Schnitzel für nur € 5,– ein Schnäppchen. Der Handkäs gehört zu den leckersten die ich je essen durfte und die roten Zwiebeln oben druff sind eine prima Idee. Gut kommen auch die „Deckelcher“, also rundes Apfelweinbrot mit darauf aufgetürmten Lokalspezialitäten wie Solzer, Handkäse, Blutwurst, mit Senf, Gürkchen, Zwiebeln, usw.

Das Kartoffelstampf wahlweise mit Geflügelleber, Rindfleisch mit Ingwersahne, Speck und Zwiebeln oder scharf angebratenem Lammfleisch und Chillie ist uns noch aus Bergen-Enkheimer Zeiten bekannt und schmeckt genau so lecker wie früher.
Unübertrefflich sind die Bratkartoffeln, allerdings, sorry für die Kritik, kommen diese nicht immer in der gleichen Qualität aus der Küche, was an den wechselnden Köchen liegen mag, oder daran, wer gerade wem mal wieder in der Küche die Bratpfanne übergezogen hat. Aber für sowas hat man als Freund ja Verständnis. Wenn die Kartoffeln wirklich knusprig gebraten wurden, sind sie ja schwer zu toppen und werden ihrer Auslobung als „die besten der Stadt“ auf der Speisekarte auch gerecht.

Als genial muss man dann die Kreation „Bratkartoffeln mit angebratener Blutwurst, Pfifferlingen und Thymian“ bezeichnen. Das war wahnsinnig lecker. Auch wenn der Louie die vielleicht kleinste Weinkarte Frankfurts hat („Mir trinke doch eh nur Schoppe“), so wird das durch die sehr guten Apfelweine ausgesuchter Keltereien wieder ausgeglichen. Man sollte hier sowieso bei den lokalen Spezialitäten bleiben, „Ferz“ gibt’s annerswo genug und Bordeaux passt eh net zum Handkäs. Sensationell dann die „Schnapskart“.

Wie schon in Bergen-Enkheim hat der Louie etwa 200 Schnäpse, Brände und Geiste liebevoll zusammengetragen. So eine Karte ist bemerkenswert und findet sich sonst eigentlich nur noch in den hiesigen Spitzenrestaurants. Das diese Schnäpse aber nicht einfach mal so eingekauft und auf der Karte platziert werden, sondern in mühevoller Arbeit probiert, verkostet und selektiert wurden, bevor sie es auf die Karte schafften, durfte ich diesen Sommer einmal selber miterleben.

Gemeinsam verkosteten wir eine ganze Reihe Brände und man nahm sich Zeit dafür („Zum Schnapskenner ist es ein weiter Weg. Aber es ist ein schöner Weg.“).Den Gaumen vom Scheffchen passierten nur 3 der gezeigten Gläser mit „sehr gut“, dem Lieferanten wurde noch am gleichen Nachmittag ob der geringen Auswahl geeigneter Brände heftig Bescheid gestoßen. Hier gilt also durchaus das Credo Quantität und Qualität auf der Karte.

Im Sommer sitzt man draussen ganz herrlich in einem liebevoll arangierten Garten unter einem riesigen, alten Birnenbaum. Überall stehen Blumen, Kräuter, Weinfässer und andere nette Kleinigkeiten die zum gemütlichen Ambiente beitragen.

Das gefällt sogar den meisten Hessen, auch wenn ich ein altes Derrfleischgesicht am Nachbartisch sagen hörte „Früher wars abba bässär. Da hattense Plastik! Des war bässär.“ Glücklicherweise teilen nicht alle Gäste diese Liebe zu Plastiktischen und auf den Holzbänken sitzt man dank angeschraubter Lehnen nicht nur klassisch sondern sogar bequem. Überhaupt die Gäste. Für Aussenstehende ein recht gewöhnungsbedürftiges, aber hoch authentisches Publikum. Schoppepetzer, Staranwälte die incognito unterwegs sind, Suffköppe, lokale Prominenz, Metzgermeister a.D., Derrfleischgesichter, Schnakehetzer, und irgendwie sind es ja alles „Gude“ und werden als Solche auch lautstark vom Louie begrüßt. Alle sind sie da und man kommt garnicht so selten ins Gespräch, streichelt Hunde, erzählt Witze, macht Bekanntschaften. Weil hier geht das. „German Gemütlichkeit“ eben. Am Nebentisch kreischt ein Bangert „Gibts hier denn gaaar keiiiine Piiiiiizza??“. Nein, gibt es nicht, auch kein „Schnitzel Donald Duck“ und schon gar keinen „Pinocchiobecher“ und der kleene Suppenkasper soll gefälligst essen, was auf den Tisch kommt. Schließlich sind wir hier bei Louie und nicht bei Luigi. Zuviel Höflichkeit in der Jugend, wo kämen wir denn da hin ? Dann würde diese ruppige Apfelweinkultur am Ende verweichlichen und in 50 Jahren gäbe es dann auch hier nur noch Merlot für Weichspüler und Ruccolasalat mit Balsamicopampe. Die Frage nach der Pizza bringt uns auf die Idee einer neuen Wortschöpfung : Bembel „Quadro Stagioni“, weil der schmeckt immer! Inspiziert man nach dem hübschen Schloßgarten nun das Innere der historischen Gruft, dann kann es schon mal passieren das man beim ersten Betreten der heiligen Hallen vor Schreck den Kopf einzieht. Nicht wegen der sanitären Anlagen. Die würden es zwar vom Design her nicht mehr ins „Four Seasons“ schaffen, sind aber zweckdienlich funktionabel. Es liegt mehr am Charakter des Speisesaals.

Zwar sind die Decken höher als die der Altbauwohnungen im Westend, aber dunkles Holz und sehr viel Patina lassen einen erst mal vor Erfurcht erstarren. Man fragt sich unweigerlich, welche Schicksale diese historischen Räume teilen mussten. Wirklich uralte Bretter, Apparaturen und Fotos in den Ecken locken mit ihren Geschichten. In der Mitte dann ein riesiger Ofen. Louie erzählt das dieser so heiß würde, daß auch schon mal Küchenabfälle darin verbrannt wurden. Auch ein Tausend-Mark Schein veirrte sich angeblich mal in diese Glut. Überlieferte kroteske Geschichten aus der „Mainlust“ gibt es derer dann noch sehr viele. Aber die soll Euch der Louie beim Schoppen selber erzählen.
Der Autor lebt noch immer in Hessen. Dort ist er einigermassen zufrieden, solange er keinen Ruccolasalat mit Balsamicopampe essen muss.
Einsortiert unter: Food-Dealer, Food-Talk, Kochfreund Alex | Schlagwörter: Curry Puffs, Malaysia Club Deutschland e.V., Parade der Kulturen Frankfurt, Rendang Daging, TEC
von TheEverlastingClub (der einzige der im Moment Zeit findet, den Blog wiederzubeleben)
Nun wird es wieder kalt draussen, da erinnert man sich gerne an den letzten Sommer…
Unter strahlend blauem Himmel und bei allerbestem Wetter fand diesen Sommer wieder die „Parade der Kulturen“ am Mainufer in Frankfurt statt. Diese Veranstaltung ist ein kunterbuntes Fest der Völkerverständigung und ein Mekka für Foodophile Menschen mit grenzüberschreitender Neugier auf Fremdes und Neues. Dieses nicht-kommerzielle Fest wird von privaten Vereinen und Clubs ausgerichtet und die auf vielen anderen Volksfesten unvermeidlichen Standards wie Fischbrötchen, Pommes, Industriegebäck, Ruccola mit Balsamicopampe und kommerziellen Tand&Tinnef sucht man hier glücklicherweise vergebens. Vielmehr möchten die Teilnehmer landestypische und authentische Speisen anbieten, die man sogar in vielen guten Restaurants in dieser Form in Deutschland nicht finden kann. Begleitet wird das alles von viel Musik, Tanz und Folklore.
Wir teilten uns einen Stand mit dem „Malaysia Club Deutschland e.V.“ deren gut gelaunten und bunt bekleideten Mitgliedern wir bereits um 8 Uhr morgens halfen, Zelt und Verkaufsstände aufzubauen.
Nach kurzer Zeit war dann alles für den Ansturm der Massen bereit. Der Club Malaysia hatte jedenfalls ganze Arbeit geleistet : Im Angebot fanden sich neben vielen anderen Leckereien auf Holzkohlefeuer gegrillte, marinierte Satee-Spießchen mit roten Zwiebeln, frischen Gurken und Lontong, einer Art Klebereis, übergossen mit köstlicher, würziger Erdnuss-Sauce, die sich in Aroma und Geschmack ganz erheblich von den zumeist recht süßen Fertigsoßen abhob, die man sonst beim Asiaten um die Ecke bekommt.
Auch die „Curry Puffs“, als Halbmonde ausgebackene Teigtaschen mit einer Gemüse-Curryfüllung konnten sich sehen lassen
, auch wenn solch schwere Mehlspeisen sonst nicht so mein Ding sind.
Da sich Malaysien und Indonesien in vielen Bereichen ähnlich sind, lag es Nahe die Maylaysische Küchenpracht mit ebenfalls selbstgemachtem Indonesischem Essen zu ergänzen. Unsere Freundin Lina machte sich dafür die Mühe in ihrem Garten auf offenem Feuer das berühmte „Rendang Daging“ vorzubereiten, und zwar gleich 12 Kilo davon.
Rendang ist eine Art Curry-Eintopf aus Rindfleisch das mit sehr viel Koskosmilch und Chillies etwa 5 Stunden lang eingekocht wird. Das ist zwar etwas aufwendig, es macht aber auch großen Spaß dem Gericht beim Köcheln zuzusehen, wie es langsam einreduziert und dabei immer besser schmeckt!
Das Rendang wurde dann als Teil eines Gerichtes Namens „Nasi Campur“ angeboten (dem Malaysischen „Nasi Lemak“ sehr ähnlich, siehe Bericht über die ITB Berlin). Der Nasi Campur bestand aus leckerem, frisch gekochtem Reis, Eiern in Chilliesauce, Weiskohl mit grünem Curry, ausgebackenem Kroepoek (Krabbenbrot) und besagtem Rendang. Nicht unbedingt das, was der Hesse mal so zwischendurch nascht. Also nahmen wir uns sehr viel Zeit dafür, dem interessierten Gast die Gerichte zu erklären, und siehe da : Die Hemmschwellen fielen und alle waren sie begeistert! Und wenn es auch extrem heiß war am Samstag, unsere „Laksa“, nämlich köstliche Malaysische Kokos-Suppe (mit Huhn, Garnelen und knackigen Sojasprossen, aufgepeppt mit knusprigen Zwiebeln, abgerundet mit frischem Basilikum sowie Limette!) fand ebenfalls großen Zuspruch. In der prallen Mittags-Sonne genossen und mit echtem indonesischem Sambal nachgewürzt, führte das bei Manchem allerdings zu Hitzewallungen. Der Bierstand nebenan bedankte sich.
Zwischendurch war immer mal Zeit, sich an anderen Ständen umzusehen. Den meisten Spaß hatten wir mit unseren direkten Nachbarn aus Kamerun. Da kam wirklich Freude auf, wie diese vollkommen entspannten Afrikaner auf Holzkohle diverse Fleischspieße und ganze Fische (!) grillten und dazu ebenfalls gegrillte Banane (sensationeller Geschmack) und anderes Gemüse servierten. Und wenn Völkerverständigung doch immer so einfach wäre wie beim Essen : Unsere Freunde aus Malaysien stürzten sich begeistert auf den afrtikanischen Fisch.. um diesen dann mit ihrer malaysischen Chilliesoße zu würzen! (was toll geschmeckt hat). Bemerkenswert auch dieses T-Shirt für Fischfreunde : 
Bitte verzeiht das nicht zu allen Speisen Fotos da sind, aber aufgrund der Food-Ekstase vergaß ich mitunter das man das Zeug ja auch fotografieren kann. Aber wenn man mit seinen absoluten Leibgerichten ( also Fisch, Fleisch & Gemüse vom Grill & Asiatische Aromen) förmlich zubetoniert wird, tritt die Arbeit leicht in den Hintergrund.
An anderen Ständen wurde echter marokkanischer Cous Cous angeboten, weitere Spezialitäten aus Afrika, Griechenland, der Türkei, China und dann hab ich sogar ein ganz tolles POLNISCHES Gericht entdeckt, nämlich das fantastische BIGOS! (Vielleicht schreibt der artifischl ja mal was über Bigos?). Bis zum Anschlag abgefüllt machte dann auch der Blick auf Frankfurts schönstes Ufer, über den Main auf den Eisernen Steg und die Dreikönigskirche, Freude.
und auf die zufriedenen Besucher.
Hot people, hot weather, hot food. Einfach nur klasse.
In diesem Sinne
The Everlasting Club
Der Autor lebt in Frankfurt und findet dies, zumindest im Sommer, auch sehr spaßig. Weniger Spaß bereiten ihm Ruccolasalate mit Balsamicopampe.
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Immer wenn Fressack aus vollem Herzen aneckt, gibt es hitzige Diskussionen, so zuletzt vor ein paar Wochen hier bei einer neuen Runde über die Porenlüge. Hier wurde auch mal wieder heftig das vorsalzen von Fleisch kritisiert und genau zu dem Thema viel mir etwas wissenschaftliches in die Hände, ein Artikel aus der Zeit, den man hier nachlesen kann.
Ich habe das nun nicht nachgeprüft, aber falls es stimmt was da steht, kann man Fleisch ganz kurz vor dem Braten vorsalzen, da der Osmoseprozess doch ein paar Minuten braucht, bis das Salz Flüssigkeit zieht. Und das mit den 12 Stunden vorher salzen wäre vielleicht ein Versuch wert.
Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, das Herr Sante di Santis durch seine Kommentare beim Fressack nach meiner Meinung zum unsympath des Jahres mutierte.
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Natürlich sind auch wir im Restaurant ob der beginnenden Spargelsaison entzückt und haben gerade fertig besprochen, was es ab 1. Mai auf unserer Karte gibt:
Spargelsuppe mit Flusskrebsen
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Grüner Spargelsalat mit Fenchel und Oragenfilets
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Grüner und weisser Spargel auf Blätterteig mit gegrilltem Brie und Beerensauce
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Gebackener grüner Spagel mit Bacon und Kräutern in Weisswein
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Süsses Zimt-Spargel Sorbet
Warscheinlich kommen wir mal wieder nur am Freitag in letzter Minute zum testkochen, dann gibt es aber auch Fotos.
In Polen schont der Spargel immens den Geldbeutel: für einen Bund (ca. 1/2 kilo) zahlt man je nach Qualität zwischen 5 und 8 Zloty, also maximal 2 Euro. Dabei steht der polnische Spargel dem Deutschen geschmacklich in nichts nach. Mich würde auch nicht wundern, wenn ein Großteil des berühmten Beelitzer Spargels eigentlich in Polen angebaut wird…
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Hier für alle Leser meines Blog, die des polnischen nicht mächtig sind eine Übersetzung des Artikels aus der Gazetta Wyborcza über die Kuchnia Chrisa:
Kuchnia Chrisa – Kulinarische Spektakel im neuen Theater
An der Stelle wo sich noch vor Kurzem das Cafe Zapadnia befand, überzeugt die Posener nun eine neue Verwandlung der Kelleretage des Nowego Teatru – „Kuchnia Chrisa“.
Ein rohes, kaum intimes Inneres mit einer kargen Ausstattung veranlasst wohl keinen zu einem längeren Aufenthalt. Wir werden trotzdem ohne Zweifel dorthin zurückkehren, dank der Küche, die vorzügliche und wunderschön komponierte Speisen kreiert.
Das Menu des Lokals ist auf den ersten Blick sehr übersichtlich. Wenig Auswahl, die jedoch sehr viel versprechend klingt, so dass wohl jeder was für sich findet. Die Karte besteht aus „Stammgerichten“ die zu jeder Jahreszeit und unabhängig von den anderen Speisen immer angeboten werden. Die anderen wiederum sind Saison abhängig und wechseln jeden Monat (obwohl wir Anfang Februar das Lokal besucht haben, fanden wir noch das Januarmenü vor). – (Anmerkung Chris: die Karte wechselte am 4. Februar mit der Ausstellungseröffnung, das wurde mit Flyern auf allen Tischen annonciert)
Ein schneller Blick auf die Speisen, die das Personal an die Tische serviert, lässt schon auf den ersten Blick erahnen, dass der Küchenchef seine kulinarische Kunst in Form der „cuisine novelle“ bevorzugt, also eine leichte und delikate Küche die das Auge erfreuen sollen. Neben der Freude fürs Auge sind diese Gerichte auch eine Freude für den Gaumen. Die Speisen sind nicht nur ästhetisch angerichtet, sie schmecken auch vorzüglich. Ich habe mich persönlich davon überzeugen können.
Überzeugt von angenehmen visuellen Anreizen und Gerüchen habe ich beschlossen, ein Gericht vom Januarmenü auszuprobieren, welches sobald vom Angebot der Küche verschwinden wird. Und das Resultat? Wenn alle Speisen so ein gutes Geschmackserlebnis hervorrufen, wie der geräucherte Lachs angerichtet auf gegrillten Kartoffeln mit einer Teryakisauce oder Lachsfilet mit italienischer Tomatensauce, Polenta und Tapenda, dann hat dieses Lokal sehr gute Chancen eine der besten Position in der heimischen Gastronomie für lange Zeit zu erreichen und zu halten. Die Zutaten der Speisen sind ideal und ausgewogen, harmoniren miteinander und machen Appetit auf mehr. Es gibt wohl sehr wenige, die so mutig sind um Schokolade mit einem Schimmelkäse zu verbinden, oder Bruchetta mit einem Tomatenchutney und Parmesan servieren. Es gibt auch kaum einen, der eine Creme aus Topinamburu anbietet. Diese Speisen führen zu sehr angenehmen Erfahrungen und die zufriedenen Gäste freuen sich jeden Monat auf ein neues kulinarisches Spektakel.
So ein frischer Wind fehlt in den Meisten Speisekarten der Posener Gastronomie, dessen Gerichte aufgrund der Ideenlosigkeit und Mangel an Kreativität leiden. Und so lange sich nichts daran ändert, wird ihnen Kuchnia Chrisa immer mit einer Kopflänge voraus sein, auch mit der rohen und traurigen Innenausstattung.
…betietelte gestern die “Gazetta Wyborcza”, eine der beliebtesten Tageszeitungen Polens einen Artikel über die Kuchnia Chrisa:
Wie man hier sehr schön sehen kann, gehört mir neben der Bieranzeige der komplette Rest der Seite. Eine Übersetzung des Artikels folgt in den nächsten Tagen, nur so viel vorab: Unser Essen wird imVergleich zu allen anderen Poznaner Restaurants als herausragend gelobt, unsere Karte sei neu und aufregend und mutig. Einziger Wehrmutstropfen wäre, daß das Restaurant ein sehr raues Ambiente hätte und daher ungemütlich sei (?!?). Auf jeden Fall macht uns der Artikel alle ein wenig stolz, er kam sehr unerwartet, aber genau zum richtigen Zeitpunkt. Andere Gastronomen fragen an, wieviel wir denn bezahlt hätten
!
gestern kam der Postbote ins Restaurant und brachte mir ein Monsterpaket !
Ich war ehrlich überrascht, denn ich konnte mich an keine Bestellung erinnern.
Aber beim Absender Wien viel mir dann wieder ein, dass Tina was von Grichischen Olivenöl erzählt hatte, was sie noch schicken wird.
Auf jeden Fall war es schonmal SUPER eingepackt !…
….als ich meine das Paket im Paket und folgendes war dann da drin:
Ein Riesenkanister bestes Olivenöl, Honig und selbstgepflückte Wahnsinnskräuter.
Tina, Du bist der Kracher ! VIELEN DANK ! Ich war wirklich gerührt (vor Allem stelle ich mir gerade sehr lustig vor, wie Du das Paket zur Post gewuchtet hast). Arek hat sich gleich die Kräuter unter den Nagel gerissen und ich habe das Öl zu Hause gebunkert. Sensationell schmackofatzig ! Jeder liebt Pakete, aber foodies mit Spezialitäten zu beglücken ist wohl das allerbeste.
Einsortiert unter: Food-Talk, In der Profiküche, Restaurantgeschichten | Schlagwörter: Break Even, Dessert
Letzten Dienstag hab ich mir mal selbst auf die Schulter geklopft. Das hatte ich mir im warsten Sinne des Wortes VERDIENT. Denn wir haben es geschafft, im Ersten Monat mit ner positiven Null abzuschließen. Soll heissen: Alle Rechnungen waren bezahlt, die Miete auch und ich habe 10 Gehälter, sowie die Lohnnebenkosten dafür überwiesen. Ich hab zwar noch nix für mich und meine Investoren verdient, aber dieses Ergebnis ist schon jetzt sensationell und wesentlich besser, als ich mir für den ersten Monat erträumt habe. Wer sich in der Gastronomie ein bisschen auskennt, weiss wie schwierig das ist und was das bedeutet. Jetzt heisst es: Am Ball bleiben und Gas geben ! Denn wir stehen am Anfang und ich hoffe, meinen Umsatz in den Nächsten Monaten zu verdreifachen. Ich denke das ist realistisch.
Gestern und heute hatten wir das erste mal an einem “normalen” Tag zeitweise alle Tische besetzt. Ein gutes Gefühl. Vor allem für die Küche. Denn es gibt nix bescheuerteres, als in der Küche zu stehen und zu warten. Und meine Köche waren voller Tatendrang. Nebenbei haben sie dann noch ein Dessert ausser der Reihe (also nicht auf der Karte) gebastelt und den haben wir dann auch gleich noch 6 mal verkauft:

Das ganze ist eine Art Panna Cotta mit einem großen Menge an weisser Schokolade und gefüllt mit frischen Beeren. Nicht nur mein Chefkoch, auch Dominik, der Mann mit der längsten Berufserfahrung in der Küche weiss, wie man Menschen glücklich macht. Das Dessert war zum NIEDERKNIEEN.
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Da ich gerade eine Liste schreibe, was ich morgen meine ersten 17 (!) Bewerber für die Stelle des Chefkochs in meinem Restaurant fragen werde, inspirierte mich das zu meinem ersten Stöckchen. Mal sehen ob das klappt ! Hier die Fragen:
- Wie lange kochst Du ?
- Hast Du eine Koch-Ausbildung oder bist du eher der “Learning by doing”-Typ ?
- Was isst Du am liebsten (nenne maximal 5 Gerichte)
- Welche Küche bevorzugst Du (Land/Region)
- Was oder wer inspiriert Dich beim kochen ?
- welches Essen würdest Du anbieten, wenn Du ein Restaurant hättest ?
- bestes Geschmackserlebnis, das Dir spontan einfällt.
- und was war total ekelig ?
- Bester Nahrungsmittel-Dealer bei Dir in der Nähe ?
Soooo. Ich werfe dieses Stöckchen natürlich in Richtung Wortteufelmann, Fressack (wehe Du kneifst, ach ja, Du könntest auch mal wieder was schreiben
), Sammelhamster , Winnegirl und jeder der mag, darf das gerne auffangen und entweder hier als Kommentar oder im eigenen Blog beantworten.
Einsortiert unter: Food-Talk | Schlagwörter: Cookipedia, Deutsche Rezepte, Rezeptsuche
Kennt jemand von Euch Foodies diese Seite ?
Ich finde wir sollten die mal durch mehr Gerichte in der Section “German Recipes” aufstocken.
http://www.cookipedia.co.uk/wiki/index.php/Category:German_recipes
Ich glaube, die Seite könnte sich zu nem netten Nachschlagwerk entwickeln, mal ne andere Quelle, als Marions Kochbuch oder Chefkoch, die immer auftauchen, wenn man mal ein Rezept sucht.
















