Einsortiert unter: On the Road, Polen | Schlagwörter: entspannung
Eifon blogging aus den Masuren. Am Dienstag den C1 bis oben voll gepackt und nach der letzten weihnachtsfeier eine 6 Std. Nachtfahrt zum Schwiegermonster. Neben mir meine liebste und UNTER mir ein heulender Kater, der es geschafft hat , sich unter den Vordersitz zu zwängen und nun ein Konzert abliefert als würde er bei lebendigem Laib gebraten. Als ich ihn später hervor hole und in sein Katzenklo setze, ist er friedlich (oder zu heiser zum weiterjammern).
Hier nun Kontrastprogramm!
Draußen absolute stille – wenn es nicht gerade regnet. Der masurische Wald ist schnee bedeckt und ich kann jeden Tag ausschlafen und muss danach nirgendwo hin. Ok, vielleicht die Treppe runter zum essen, aber ich bin mittlerweile so unterfordert, das ich vorhin freiwillig Holz gehackt habe !
Weihnachten hier hat höchstens seine eigene Tradition. Wir sind zu dritt, machen uns nicht schick sondern sehen eher gemütlich homie-nerdig aus und es wird kein Fleisch gegessen sondern piroggi. Aber die sind natürlich homemade und unschlagbar lecker. Außerdem leckeren borschtsch und Nalewka, der einem gut zusetzt. Dann beschenken wir das schwiegermonster und sicher sehen wir später einen lustigen weihnachtsfilm, denn wir haben dem schwiegermonster unseren Fernseher und einen dvdplayer vermacht. Vorher läuft eine musiksendung in der geistig- und körperlich behinderte mit nichtbehinderten in einer Kirche musizieren. Das ganze ist eine Aufzeichnung, die ich bereits letztes und vorletztes Jahr gesehen habe. Da macht tv2 einen auf heilig und gleichzeitig auf Sparflamme. Interssant auch, das die behinderten das ganze restliche Jahr nicht im tv zu sehen sind.
Ich bekomme 1 1/2 Kilo masurischen Honig und selbstgemachten Weißwein geschenkt, darum werden mich meine Köche beneiden !
Der zentrale Ort des Hauses ist ein Kamin, der so viel Wärme im ersten Stock erzeugt, das man eigentlich nur nackt und ohne Decke schlafen kann. Der Kater geniesst es, auf dem warmen Holz Fußboden rumzulungern.
Es ist der erste weihnachtsfeiertag. Bald schicke ich die Gans in den Ofen, die bei niedriger Temperatur nur noch fertig gebacken werden muss.
Alles ist so herrlich entspannt und genau das brauche ich nach 3 Wochen Firmenweihnachtsfeierei im Restaurant. Vielleicht nehm ich nun ein Bad und zünde viele Kerzen an und danach ein Mittagsschläfchen…
Einsortiert unter: On the Road | Schlagwörter: Glücklich, Melancholie, Traurig, Umzug
sorry erstmal für meine Schreibabwesenheit, das ich meinem Blog seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt habe (von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet) hat mir wirklich viele neue Leser beschert und das freut mich. Und dann blogge ich einfach ne Woche nicht !
Aber heute muss ich. Denn ich bin zur gleichen Zeit traurig, glücklich, melancholisch, nachdenklich, flennend, bewegt und zuversichtlich. Denn gestern lebte ich auf den Tag genau 20 Jahre in Berlin und heute hab ich meine restlichen Dinge eingepackt und bin nach Polen. Jaaa, ich bin immernoch der Hauptmieter der Wohnung und ich könnte jeder Zeit wieder zurück, aber irgendwie geht ne Ära zu Ende. Ich habe meinen Schlüssel in Berlin gelassen, war heute beim Kisten packen ganz allein und habe auch alles allein runter getragen. Und irgendwann stand ich dann in meinem gesaugten leeren Zimmer und hab 5 Minuten geflennt. Mich überkamen 20 Jahre Erinnerungen, ich war garnicht wirklich traurig, aber einen so emotionalen Moment habe und hatte ich nicht oft in meinem Leben. Mein Kater Alwin stand im leeren Zimmer und Miaute und sein Miau hallte als Echo durch das Zimmer. Und ich hätt’ schon wieder heulen können.
Auf dem Weg freute ich mich aber – auf die Termine in den nächsten Tagen, auf meine neue Heimat und natürlich auf meine Liebste. Obwohl ich sie nur 4 Tage nicht gesehen hatte, kam es mir auf Grund der vielen Erlebnisse der letzten Tage wie eine Ewigkeit vor. Gestern bin ich zu Freunden nach Zühlen, einem Minnikaff bei Rheinsberg gefahren, um dort ein paar meiner Möbel zu parken. Dort habe ich dann im Freien im Garten unter dem Sternen geschlafen (5 gezählte Sternschnuppen !) und hab jetzt einen leichten Sonnenbrand von der Morgensonne, die mir 2 Stunden das Gesicht gebraten hat, bevor ich aufwachte.
So und jetzt geh ich in die Wanne und wasch mir den Schweiss von ca. 30 mal 3 Stockwerke Kram runtertragen ab und versuch ein wenig abzuschalten…
tba
Hab das gerade empfohlen bekommen:
Ich fahr zwar kaum noch U-Bahn, aber ich denke das würde funktionieren. Muss ich mal ausprobieren. Würde mnich vor allem interesieren, was passiert, wenn ein Kontrolleur reinkommt…
Einsortiert unter: Convenience, Kochfreund Alex, On the Road | Schlagwörter: Abzocke, Autobahn, Pandämonium, Sandwich, tankstelle, TEC, Vorhölle

von unserem Frakfurter Korrespondent TheEverlastingClub
(„Pandämonium“ = Die Vorhölle. Hier als Sinnbild unsagbarer gastronomischer Entgleisungen und Warnungen an gastrophile Menschen).
Haben Sie es auch schon entdeckt ? Anfangs nur Monopol unserer Autobahn-Tankstellen, später auch an der Stamm-Tanke gesichtet, flutet es plötzlich die Theken und verbreitet sich wie ein schlimmer Virus : Das Kulissen-Sandwich. Weit gespreizt und tropfend soll es uns dazu verführen zuzugreifen, bunt leuchten Salatblatt und Tomatenscheibchen, dazwischen eine vermeintlich satte Füllung von Wurst, Braten oder Käse. Der hungrige, eilige Autofahrer denkt an nichts Böses und greift trotz des zumeist maßlos überteuerten Backwerks schnell zu. Doch Oh-Weh! Erst einmal in die Hand genommen entpuppt sich das Blendwerk als ein altes, trockenes und viel zu stark gekühltes Stück Industriebaguette, welches nur zur Hälfte aufgeschnitten und gefüllt, uns noch durch das Thekenglas anzumachen vermochte, da die Füllung dem Glas und somit uns zugewandt war. Der aufgefächerte sehr dünne Belag steckt aber nur exakt bis zur Mitte (!) in einem viel zu dicken Brot und verabschiedet sich spätestens beim zweiten Bissen bedingt durch den harten Teig sowie die eingefüllte, aber nicht bestelle Mayonaisse, welche als Gleitmittel und Ausstoßbeschleuniger hervorragende Arbeit leistet, auf den frisch gereinigten Anzug. Um es auf den Punkt zu bringen : Die Dinger schmecken nicht nur schlecht und sind schwierig zu handhaben, sondern sind eine Mogelpackung übelster Sorte. Die Kulisse hervorquellender Salate usw. soll dem Kunden ein üppig belegtes Sandwich vorgaukeln, daß sich als ein nur halb belegtes trockenes Brötchen entpuppt. Im Vergleich zu einem zu Hause ordentlich gemachten belegten Brot, oder dem lecker belegten Baguette eines beliebigen Metzgers irgendwo in Deutschland, zahlt man gut das Dreifache und würde angesichts der Qualität des Gebotenen am liebstens Mitten auf der Autobahn umdrehen um dem Verkäufer den Schund anal zu applizieren. Da der Durchreisende sowas wegen € 4,50 aber niemals tun dürfte, mag sich das Abzocker-Konzept wohl noch eine ganze Weile halten. Unbedingt vermeiden!
Einsortiert unter: Babylonia Polska, Geschäfte, On the Road, Polen, Typisch polnisch | Schlagwörter: Auto Wrack, Drogerie, Kiosk, Manga, Tauben, Typisch polnisch
Ich mach ja immer mal wieder Bilder von Dingen in Polen, die mich den Kopf schütteln lassen, die ich amüsant finde, ich als typisch polnisch erachte, oder so scheusslich, das sie schon wieder schön sind. Diese Bilder reichen in der Regel nicht für einen Artikel aus, aber sehenswert sind sie auf diesem Blog allemal. Hier meine Favourites im Januar 2009:

Diese Ampel ist derzeit Rot, was man aber nicht sehen kann, weil Superfette Tauben davor sitzen und sich an der Funzel den Hintern wärmen !

In der edelsten Mall von Poznan steht eine monstergroße Manga-Figur. Ich glaub, als Kind würde ich ALbträume bekommen.

Überall in Polen gibt es winzige Kioske mit noch winzigeren Luken, durch die die Wahre geschoben wird, aber auch mit dem Betreiber kommuniziert wird. Die Luke befindet sich etwa auch Bauchhöhe. Wenn man was kaufen will, muss man also einen Diener machen oder in die Hocke gehen, um mit seinem Gegenüber zu sprechen.

OK, die Anhängerkupplung ist vielleicht etwas verbogen und der Auspuff schleift ein wenig auf dem Boden, aber ansonsten durchaus fahrtüchtig !

Ich mag eingepolnischte Wörter wie “Bukmacherskie” bei einem Sportwettenladen.

Und zum ABschluss einer der typischen polnischen Einzelhandel-Mini-Läden. Bei dieser Produktpräsentation würden jedem Makrketingfuzzi von H.enk.el die Tränen in die Augen schiessen vor Freude. Und dieser Laden steht nicht irgendwo, sondern direkt an der Rundung eines gigantischen Kreisverkehrs im Norden Poznans. Von der Größe zu vergleichen mit dem Kreisel um die Berliner Siegessäule. Selbstverständlich gibts in der Drogerie auch Cola !
Einsortiert unter: On the Road, Polen | Schlagwörter: Einweg Unterhose, Massage, SPA, SPAlarnia, Wasserfall, Wellness
Meine liebste und ich finden immer einen guten Grund, es uns besonders nach stressigen Phasen mal richtig gut gehen zu lassen. Am Montag war der Grund, das wir 1 1/2 Jahre zusammen sind. Auf den Tip einer guten Freundin besuchten wir ein SPA, das zwar ausserhalb von Poznan, aber nur 20 Minuten mit dem Auto entfernt war.

Da Edyta immer Montags frei hat, ist der Montag bei uns sowas wie bei anderen Leuten der Sonntag. Dies hat den enormen Vorteil, das Freizeiteinrichtungen an Montagen nahezu menschenleer sind. Man hat keine Reservierungsprobleme, im Restaurant nicht, im Kino nicht und im SPA erst recht nicht.
Wir hatten ein Programm für Paare gebucht, sozusagen das Rundumsorglos-Paket. Nachdem wir mit Bademänteln, Badetüchern, Garderobenschlüssel und einer Massage-Unterhose (mehr dazu später) ausgestattet wurden und uns umgezogen hatten, ging es erstmal in den Pool. Diesen mussten wir mit EINER weiteren Person teilen. Der Pool war mit einem Massagewasserfall und einer Wasserstrahldüse ausgestattet, der einem die Badeklamotten vom Leib riss, wenn man nicht aufpasste. Auf jeden Fall ein großer Spass.

Dann entdeckten wir einen Raum mit Wirlpool und Dampfsauna. Wir hatten bis zur Massage noch etwa 30 Minuten Zeit und nutzen diesen Raum intensiv. Hier waren wir nun komplett allein und wechselten zwischen Sauna und Wirlpool. Herrlich. Ich weiss nicht wie das im Allgemeinen in Polen ist, aber ich glaube, man ist noch ein bisschen Prüde. Den in der Galerie auf der Website des SPA sitzt ein Herr in Badehose in der Sauna.
Es wurde langsam Zeit für die Massage und Kosmetik-Behandlung. Ich bin zwar schon oft Massiert worden, endweder von der Freundin oder beim Physiotherapeuten weil mein Rücken kaputt ist, aber hier geht es um Wohlfühlen und entspannen. Dafür legte ich die irrwitzige Einweg-Unterhose an. Das Material erinnerte mich an die papierartigen Windjacken, die ich als Kind in den 70ern getragen hatte. es war auch schwer auszumachen, was hier Vor- und was Rückseite sein sollte. Wenn man die schmalere Seite vorne trug, hing die Hälfte des Gemächts raus, andersrum hatte man dann vorne eine Riesentüte hängen und der Arsch war fast komplett frei. Ich dachte mir, daß dies die wohl richtige Variante ist und das die eher meinen Hintern als meinen Genitalbereich mitmassieren werden.
Wir betraten einen Raum mit 2 Liegen nebeneinander, sehr gedämmtes Licht und angenehme Chillout-Musik. Die “Behandlung” begann mit dem Peeling. Für meinen Geschmack ein bisschen zu lang und kräftig, denn es fühlte sich ein wenig so an, als würde mann von Kopf bis Fuss mit einem Metalltopfschwamm abgerieben. Oder das muss so weh tun, damit man dann später die sanfte Massage noch mehr geniesst. Nach Auftragen des Peeling wurden wir mit dem Peeling in Plastikfolie eingepackt und in Decken gewickelt. So mumifiziert und völlig wehrlos auf dem Rücken liegend, begann das Auftragen einer Gesichts-Algenmaske. Diese wurde entgegen meiner Erwartung beim Trocknen nicht brüchig sondern elastisch wie eine Gummihaut und nach einer 1/4tel Stunde in einem Stück vom Gesicht abgezogen.
Jetzt konnten wir auch das Peeling abduschen. Natürlich gab es eine weitere Einweg-Unterhose. Bevor wir uns zurück auf die Massageliege begaben, mussten wir unseer Hände in eine Art flüssiges Wachs tauchen. Dann wurden die wachsüberzogenen Hände in Plastiktüten gesteckt, darüber kamen Handschuhe, wie man sie verwendet, um heisse Töpfe anzufassen. Diese Verpackung blieb während der gesamten Massage an den Händen. Wir müssen reichlich dämlich ausgesehen haben – Nackt, aber mit Einwegunterhose und Fäustlingen.
Es folgte eine Ganzkörper-Entspannungsmassage, sanft und trotzdem an Schmerzpunkten so ausgeführt, das sich die Verspannungen lösten. Alles sehr professionell, zwischendurch wurde bei mir sogar der Masseur ausgetauscht, der mit frischer Kraft ans Werk ging.
Fazit: Eine Wohltat, die man sich vielleixcht alle Monate mal leisten sollte. Wir verließen das SPA beschwingt und in leichtem Schwebezustand. Wir fühlten uns einen Kilo leichter – warscheinlich war das die alte Haut, die beim Peeling runter kam
. Unbedingt zu empfehlen.
http://www.spalarnia.com.pl/index.htm (Website nur in Polnisch)
Einsortiert unter: On the Road, Typisch polnisch | Schlagwörter: defekte Scheinwerfer, Messer
Liebe Polen,
2 Dinge sind mir wiederholt bei Euch aufgefallen.
1) Wann immer Ihr es vermeiden könnt, bekomme ich in privaten Haushalten zum Essen kein Messer. Wenn also die Piroggi, der Fisch oder was auch immer mit der Gabel geteilt werden kann, bleibt das Messer in der Schublade. Nicht daß das dramatisch wäre, aber ich habe manchmal ganz gerne ein Messer, z.B. um mir damit Lebensmittel auf die Gabel zu schieben.
2) Jeden Tag sehe ich in Polen Autos mit mindestens einem kaputten Scheinwerfer. Nicht nur irgendwelche Schrottkarren, auch die ganz großen dicken neuen Autos haben oft ein defektes Licht. Und das, obwohl bei Euch sogar tagsüber Lichteinschaltpflicht besteht (was ich sehr vorbildlich finde, vor allem, das ich darauf hingewiesen werde, wenn ich es mal vergessen habe).
Eigentlich zwei sehr unterschiedliche Beobachtungen. Jetzt kam mir aber doch der Verdacht eines Zusammenhangs. Verhält es sich so, das die Messer (in richtiger Form gebogen) dazu dienen, das Warnsignal des Fahrzeugs zu überbrücken, welches die defekte Birne des Scheinwerfers durch nervendes piepen anzeigt ? Und würde hier nicht auch ein stück Draht, oder Kaugummipapier seine Dienste tun ?
Für jede Zerstreuung meiner Vermutung dankbar !
Euer Artifischl.
Einsortiert unter: On the Road, Polen, Typisch polnisch | Schlagwörter: Allerheiligen in Polen, Feiertage, Verkehrstote
Letzten Freitag erklärte uns Ami ja bereits hier über den Reformationstag auf, nur einen Tag später hatte ich ein paar interessante Erlebnisse mit dem in Polen warscheinlich wichtigstem Feiertag – Allerheiligen.
An diesem Tag sind ALLE Polen auf dem Friedhof, kein Witz. Ich fuhr gerade mit einem Freund die Landstraße zwischen der Polnischen Grenze und Poznan, ein herrliches Wetter, blauer himmel und zu unserer Linken erstreckte sich ein hügel mit einem Friedhof, der wohl die letzte ruhestädte für alle Dörfer in der umgebung darstellte. Und dieser Friedhof war durch Seine Hügellage sehr gut zu überblicken. Jeder Quadratmeter, der nicht Grab war, stand voll mit Menschenmassen. Alle standen in diesem Moment still, alle mit dem Rücken zu uns in eine Richtung (als hätte Mekka bei den Katholiken eine Bedeutung), für mich hatte das was Irreales, ich kam mir vor als würde ich im Kino sitzen und mein AUtofenster war die Leinwand.
Tumultartige Szenen in Poznan. Um Meinen Freund Kuba zu seinen Schwiegereltern zu bringen, mussten wir am größten Poznaner Friedhof vorbei. Ampeln waren ausgeschaltet und Polizisten regelten mit einem Trillerpfeifenkonzert den Verkehr. Die Strasse zum Friedhof war auf einmal eine Einbahnstrasse mit 2 Spuren. Auf umliegenden Feldern waren mit Rot-Weissem Flatterband Parkplätze eingerichtet. Das ganze erinnerte mich an Open-Air-Konzert Besuche aus meiner Teenagerzeit. Nur das die Musik fehlte. Vor den Friedhöfen wurden gigantische Mengen von Blumensträussen verkauft, Kuba erzählte mir, das diese mittlerweile von der Polizei bewacht werden, da einige Händler in der Vergangenheit einige besonders große Sträusse nachts von den Gräbern holten und am nächsten Tag erneut verkauften. Tja – da ist der Pole ganz Geschäftsmann. Ist das jetzt Piätätlos ? Muss ich das verwerflich finden ? OK, es ist Diebstahl, aber stört es den Toten ? Und gleichzeitig kurbelt es die WIrtschaft an
.
Wirklich lohnenswert ist ein Friedhofsbesuch für einen Ketzer wie mich aber am Abend. Dann leuchtet ein Lichtermeer an Roten Kerzen auf allen Friedhöfen und umgibt das Gelände mit einem Roten Leuchten. Wir haben die Zitadelle in Poznan besucht, ein schöner Park, in dem sowohl den Kriegshelden für und gegen den Kommunismus gedacht wird.

Man erlaube mir die zynische Bemerkung, das der “Tag aller Toten” selbst für anständig “Nachschub” auf den Friedhöfen sorgt. Mit 4200 Verkehrstoten in den letzten 12 Monaten ist Polen an der EU spitze, an Allerheiligen kommen noch etliche hinzu:
“Doch Friedhöfe dienen in Polen immer auch als Orte der Familienzusammenkunft, ja selbst an Begräbnissen werden eifrig Familienfotos geschossen, wobei die Verwandten nicht selten rund um den frisch geschmückten Sarg herum posieren. Getrunken wird allerdings danach im trauten Heim oder im Restaurant – nicht auf dem Friedhof. Dies ist offensichtlich so normal, dass die Polizei die Autofahrer erst gar nicht vor dem Alkoholgenuss, sondern nur der hereinbrechenden Dunkelheit warnt.”
Quelle: Polen Today
Einsortiert unter: Essen gehen, On the Road | Schlagwörter: Buena Vista Frankfurt, Tapas, Wein Wand
Hier ein Nachtrag zu Frankfurt:
Beim durchstöbern meiner Festplatte fand ich von meinem letzten Frankfurt-Trip noch dieses Foto, das ich gerne zeigen möchte. Da unser liebster Taps-Laden leider geschlossen war, wir aber geistig VOLL AUF TAPAS eingegrooved waren, sind wir ins Buena Vista nahe der Hauptwache. Dort hat man diese Wand hinter sich:
Das Restaurant ist nicht weiter erwähnenswert, die Tapas durchschnittlich und die Preise für meinen Geschmack ein wenig zu teuer, aber war in der Frankfurter Innenstadt auch nicht anders zu erwarten. Aber dieses aussergewöhnliche Interior-Design macht einiges wieder gut
Einsortiert unter: On the Road, Typisch polnisch | Schlagwörter: Alibi Club, überholen, Blitzer, Flatschki, Maut Polen, Piroggen, polnische Strassen, polnische Verkehrsschilder, Posen, Poznan, Roadmovie, schengen, Truck-Stop, Trucks, Verkehrstote, Werbung Plakate, Zurek
Wenn ich vor 18 Jahren durch Ostdeutschland über die Landstraßen gebraust bin, hatte ich noch so ein richtiges Roadmovie-Feeling, draußen auf dem Land, Allee-Bäume, Dörfer, Träcker, Kühe am Strassenrand und Hauptstraßen die aus einer Schotterpiste bestanden. Das ist alles lange her, überall gibt es Autobahnanbindung und die Umgebung um den Highway herum ist so langweilig, das meine Mitfahrer nicht selten in komatösen Schlaf verfallen.
Wer mal ein richtiges Roadmovie der etwas skurillen Art erleben möchte, der fährt besser nach Polen. Wer bei Frankfurt/Oder über die Grenze überschreitet, bei der man nicht mehr zeitaufwändig kontrolliert wird (Polen ist seit Januar 2008 ein Schengen-Staat), der wird von einer abwechslungsreichen 120 km langen Landstrasse begrüßt, auf der es wahnsinnig viel zu entdecken gibt ! Zwar wird gerade mal wieder an der Autbahn gebaut, aber aus diversen Gründen wird der Bau immer wieder unterbrochen, sodaß in Polen ca. 3000 km Autobahn fehlen. Die Kosten für den Bau sind durch die Unterbrechungen schon so astronomisch in die Höhe gestiegen, sodaß die zukünftige Maut dafür so teuer sein wird, das alle Trucks wohl weiterhin die Landstrasse benutzen werden. Das erklärt auch den Neubau gigantischer Truckertankstellen an der Landstrasse.
Erste Regel: Überhole alle Lastwagen auf der Gegenspur BEI GEGENVERKEHR ! Auf den ersten 10 km und dann auch immer wieder zwischen den Orten gibt es einen schmalen Standstreifen, auf den die Trucks in der Regel ausweichen. Super für Adrenalin-Junkies, wenn man zwischen 2 LKWs auf der Mitte einer Landstrasse durchhuscht. Das erinnert mich immer an die Szene in Starwars, bei der der Millenium Falcon aus dem sich schließenden Maul eines Monsters entweicht das in dem Inneren eines Asteroiden lebt. Daß das nicht immer so super funktioniert, sieht man an einem interessanten polnischen Verkehrsschild:
Dieses Schild bedeutet, das auf dem folgenden Streckenabschnitt 8 Leute ihr leben gelassen haben und 53 Personen verletzt wurden. Ich frage mich immer, wer das aktualisiert, wenn sich die Zahlen verändern. Kategorien wären auch noch spannend: Frontalzusammenstoss, Gegen den Baum, von der Strasse abgekommen, Prostituierte überfahren…
Zweite Regel: haltet Euch an die Verkehrsregeln ! In jedem Ort steht ein Blitzer, die zwar überhaupt nicht funktionieren, aber es gibt an bestimmten Tagen überraschend viele Mausefallen. Ausserdem sind die Auswüchse und Sehenswürdigkeiten so interessant, das sich das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung lohnt.
Zwischen den Ortschaften werden im Wechsel an Haltebuchten Beeren, Pilze, Honig, Europaletten, Körperflüssigkeits-Absaugdienstleistungen und Holzschnitzfiguren angeboten. Bei keinem der Angebotenen Produkte habe ich jemals einen Kunden halten sehen, aber irgenwie muss sich das Geschäft lohnen.
Die Landstraße führt durch einige Ortschaften, die sich wirtschaftlich komplett dem Reiseverkehr angepasst haben. Irgendwann ist ein Geschäftsmann auf die Idee gekommen, das man die Trucker besonders mit amerikanischen Namen in ihr Etablissment locken kann. So heisst ein gigantischer Truck Stop nach dem US Staat “Nevada”. Die Masche scheint zu fruchten, denn nur einige Kilometer finded man das “Las Vegas” und noch ein bisschen weiter ein Hotel das von der Architektur stark an einen Saloon aus einem x-beliebigen Western aussieht. Ich fühle mich an eine Zeit erinnert, wo alles Cool war, was aus Ami-Land zu uns rüberschwappte. Musik, Mode, Fastfood, Softdrinks, Computerspiele…, wann war das ? Anfang der 80er ? Schon toll, wie sehr einem ein paar Jahre Busch-Regierung die Augen öffnen kann
Mein Lieblings-Verkehrsschild ist dieses hier —>
Es laufen ständig kleine Mädchen über die Straße, leider sind die meistens nicht in Begleitung eines gigantischen roten Balons (oder ist das ein Riesenlutscher mit Ohren ?), deswegen wird häufig darauf hingewiesen
Ansonsten ist am Straßenrand Werbung trumpf. Wer die Szene aus “Brazil” kennt, in der die Autobahn links und rechts ohne Unterbrechung mit Plakatwänden zugepflastert ist, bekommt eine Vorstellung vom zukünftigen Polen. Die durchaus vielseitige und schöne Natur wird von Postern unterbrochen, damit der geneigte Autofahrer auch ganz sicher weiss, weit es noch bis zum nächsten Nightclub ist, respektive wie lange der Samen noch gestaut werden muss. In diesem Zusammenhang finde ich 2 dinge Amüsant. Die Nachtclubs sind immer 24 Std. geöffnet und viele von ihnen tragen den Namen “Alibi-Club”. Ich stelle mir folgende Szene vor:
Frau: “Warum kommst Du so spät nach Hause ?”
Mann: “Ich war noch was trinken im Alibiclub”
Frau: “Ach soooo, na dann, und ich dachte, Du wärst schon wieder bei den Nutten gewesen”
Wirklich durchaus preiswert und recht gut ist das Essen in den Tankstellenrestaurants. Hier bekommt man alles, was der Pole auch von seiner Mutter gekocht bekommt. Zurek, Flatschki und Piroggen, ausprobieren lohnt sich. Ausserdem kommt man, wenn man dem polnischen mächtig ist, oder in polnische Begleitung ab und zu ins Gespräch und erfährt von Truckern viel verlässlichere Verkehrsnachrichten als aus dem Radio. Zu alledem die Anzahl der Verkehrsopfer und wie man die Stelle umfahren könnte. Ausserdem ist Tanken im Schnitt 20 ct. billiger als in Deutschland, was aber hier von einer Tankstelle zur Nächsten auch bis zu 5 ct variiert.
Noch so ein Ding sind Baustellen. Man stelle sich vor: Auf der Hauptverkehrsverbindung zwischen Berlin und Posen wird immer an irgendeiner Stelle gebaut. Brücke ausbessern, Kreisverkehr einrichten, Bäume fällen, Schlaglöcher füllen, Fahrbahnmarkierung erneuern… und für viele dieser Arbeiten wird eine Spur gesperrt. Ärgerlich, da je Richtung nur eine Spur zur Verfügung steht. Deswegen steht dann so ein Fahnenmännchen da und leitet abwechselnd die Spuren an der Baustelle vorbei. Der Rückstau beträgt mehrere Kilometer. Aber das gibt einem wenigstens Zeit, die vielen lustigen Hinweisschilder und Werbetafeln ganz genau zu studieren.
Nach 120 km kann man wählen: 50 km funkelniegelnagelneuer Highway für 11 Zlotti, oder 70 weitere Kilometer Landstraße – wem 20 min. extra nun auch schon sch….egal sind, der fährt Landstrasse, denn ab hier wird diese richtig schön !








