Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Hurra ! Lady (45) saugt wieder by artifischl
21 Mai , 2008, 8:55 pm
Filed under: Männer & Technik | Schlagwörter: , , , , , , ,

Mal sehen, ob ich mit dem Titel ein paar zusätzliche Leser auf meine Seite locke, ist immer wieder spannend, mit welchenSuchwortkombinationen man in den Blogsearches gefunden wird. Wer hier schweinisches denkt wird bitter enttäuscht.

Ich besitze eine Spülmaschine mit dem grandiosen Namen Sie.mens Lady 45, die ich vor 2 Jahren von meinen Nachbarn geschenkt bekam. Besonders klasse ist der Umstand, das es eine kleine Maschine ist, für mein Geschirraufkommen also genau richtig, und durch ihre 45 cm Breite nimmt sie auch noch wenig Platz weg.

Siemens Lady 45Ich also immer total glücklich, einem geschenkten Gaul…und so weiter, da verzeit man sogar kleine Aussetzer, die sweete Lady ist zwar noch keine 45, aber irgendwas über 10, was für Haushaltsgeräte schon respektabel ist, ausserdem können Teenager ja so trotzig sein ! Meine Lady begann immer öfter den Dienst zu verweigern. Das erste mal war es nach einer größeren Party. Nach einschalten begann erstmal wie immer der Abpumpvorgang, doch sobald das Programm auf den Punkt umsprang, wo frisches Wasser angesaugt werden sollte, machte die Lady NIX ! Da half kein zureden, kein rütteln, kein Stecker ziehen.
Aber es half 3 Tage zu warten. Die betagte Lady brauchte einfach mal ne Ruhepause und genoss es warscheinlich sehr, uns beim Abspühlen des Partygeschirrs (Dinnerparty für 16 Personen und 3 Gängen) zuzusehen.
Auf jeden Fall probierte ich es nach 3 Tagen wieder und die Maschine schnurrte wieder wie mein Kater Alwin. Wer kennt den Film „Brazil“ von Terry Gilliam ? Hände hoch ! Dort gibt es die geniale Szene, wo Sam Lowry den Heizungsinsallateuren verzweifelt versucht zu erklären, das sich die Anlage selbst repariert hätte. Natürlich nur, um Robert deNiro alias Archibald Tuttle zu decken. Zum Glück hatte ich keinen Installateur gerufen, denn ansonsten hätte ich ähnlich hilflos dargestanden, denn meine Lady hatte sich ja wirklich selbst repariert (die können das !).

Mit der Lady und mir ging es eine ganze Weile gut. Wenn sie zwischendurch mal keinen Bock hatte zu saugen, machte ich das schnell per Hand und gönnte ihr die Verschnaufpause.

Vor 4 Wochen war es dann mal wieder soweit. Aber diesmal war etwas anders. Die Lady funktionierte nicht nach 3, nicht nach 6, auch nicht nach 10 Tagen. Dabei hatte ich kurz vor der Arbeitsverweigerung neue Tabs, Klarspüler un Salz gekauft. Mist. Mein Mitbewohner Heiko und ich sind beide nicht die technisch begabtesten, aber wir wollten es aufnehmen mit der Spülmaschine, immerhin war es uns auch mit vereinten Kräften gelungen in weniger als 30 Minuten die Abdeckung des Kühlschranklichtes zu entfernen, um die Birne zu wechseln. Beflügelt von dem Erfolg namen wir die halbe Lady auseinander, stocherten in irgendwelchen Seitenkanistern und überprüften Dichtungen. Wir hatten wirklich keine Ahnung was wir taten, aber davon ne Menge. Aber die Lady wollte nicht. Wir haben sie dann erstmal wieder zugeschraubt und es blieb auch keine Schraube übrig.
2 Wochen später, ich kam gerade von einem Polentrip zurück, saß ich in der Küche und überlegte ein wenig wehmütig, wie ich die defekte Maschine loswerde. Reparieren lohnt sich nicht und für ne neue ist auch kein Geld da. Wärend mir das so durch den Kopf ging drückte ich lustlos auf den Einschalter. Es rumpelte, Wasser schoss ein und die Lady, gefüllt mit einer Tasse und 2 Löffeln spülte so wild drauf los, das kein Springbrunnen der Welt einen schöneres Geräusch hätte bieten können.

Die Dinger haben eine Seele, ich weiss es ganz genau ! Wenn Küchengeräte streiken, mein Tip: einfach mal ganz heftig über Verschrottung nachdenken. Das hilft meistens.



Dämliche Küchenkleidung & eine berauschende Dinnerparty by artifischl

Wie in meinem vorletzten Eintrag erwähnt, hatte ich mir selbst vorweg Monsterstress gemacht was aber im Endeffekt garnicht nötig gewesen ist. Denn wir waren rechtzeitig vor Ort, hatten alle Zutaten (vor allem auch die, die schwierig zu bekommen sind: versucht mal Polenta in Polen zu kaufen, dann wisst Ihr, wovon ich rede), gute Laune und ich war beruhigt, da Piotr und Michal (der nur 2 Std. geschlafen hatte) im Restaurant VOR der verabredeten Zeit da waren.
In Polen scheint es ein besonderer Spass zu sein, besonders dämliche Kleidung/Kombinationen zu tragen, frei nach dem Mott: funktional aber scheusslich ! Damit ich da nicht so ganz aus dem Rahmen viel, bekam ich nahezu feierlich eine Schürze mit dilletantisch gezeichneten Küchengeräten drauf geschenkt:

Schürze

Nur zur Info, die Zeichnungen auf der Schürze stammen nicht von Piotr, das ist ein sehr beliebtes Muster, wird im „Salt & Pepper“ auch gerne als Hose getragen.

Piotr präsentierte zu seiner weissen Kochjacke eine weisse Hose und orangene Cayman-Plastikschuhe und wurde fortan von uns nur Dr. Bob (ein Quacksalber der vor die Hunde gegangen ist – Muppetshow) genannt.

Aber genug amüsiert, wir hatten ein Menü vorzubereiten Geeiningt hatten wir uns auf folgendes:

Amuse Gueule
Heisse trockene Datteln mit Walnuss und dänischem Blauschimmelkäse gefüllt

Antipasti
gegrillte Jacobsmuscheln im Speckmantel
auf grünem gebackenen Spargel mit Zitronen-Prosecco-Sauce

Primi
Tomaten-Paprika-Cognac-Creme
mit fritierten Ingwer-Chips

Secondi
gebackene Entenbrust
mit Cocosmilch-Polenta & Backofen-Fenchelgemüse
überzogen mit einer Kirsch-Cranberry-Rotwein-Sauce

Dolci
heisser Plaumen Crumble mit Vanilleeis.

Ich war nicht nur besorgt, das wir das alles hinbekommen, sondern vor allem, das 25 Personen die einzelnen Gänge in etwa gleichzeitig erhalten. Zuersteinmal viel mir sehr positiv auf, das alle Gäste pünktlich waren, oder zumindest das akademische Viertel einhielten.
Dank der großartigen hilfe des eingespielten Küchenteams konnte ich wunderbar anrichten und mir wurde alles auf den Punkt genau gereicht, sodaß das Essen zu alledem in der richtigen Temperatur den Gast erreichte.
Beim Hauptgang drohte die Situation einen Moment zu eskalieren: folgende Rollenverteilung: Michal hatte den Hauptgang geplant und vorbereitet, schien aber eine Niete im Anrichten zu sein. Piotr fing mit der Schreierei an, als Michal es wagte, Ruccola auf den Teller zu legen: „Der gehört in den Salat und nicht in die Deco – wenn überhaupt !“ Ich musste zustimmen: der angerichtete Teller sah aus wie ein kleiner Punk – die Polentascheiben als Augen, Fenchel als Ohren, die Entenbrust war der Mund und der Ruccola war der grüne Irokesenschnitt ! Wärend zwischen den beiden verzweifelte Diskussionen über Ruccola und wer denn in dem Restaurant der Chef sei ausgetragen wurden, bastelte ich ein rustikales asymetrisches Arrangement auf den Teller und beide guckten nur und befahlen „zu schicken“.

Der ganze Spass hat erstaunlich gut funktioniert. Leider viel zu spät ist mir dann doch noch ein unverzeihlicher Fehler aufgefallen: Nach den Vorbereitungen hatte ich vollkommen vergessen, die Kamera für die fertigen Gänge zu zücken. Da hilft leider nur daran glauben, das es großartig gewesen ist – kulinarisch & optisch – oder das nächste mal selbst dabei sein !

Michal spurt schon wieder nicht.

Die 3 Trottel vom Dienst !



Mal sehen, was noch da ist… by artifischl

mal so zwischendurch ein Minibericht von einem großartigen „Reste-Essen“.

Wenn ich nix eingekauft habe, oder nicht einkaufen kann, weil wieder ein Kunde nicht bezahlt hat, oder manchmal auch, weil einfach Reste da sind, packe ich diese zusammen mit meinem Messer in eine hässliche Plastiktüte und falle bei meiner lieben Kochfreundin Susi ein. Da koch dann zwar auch meistens ich, aber wenigstens werde ich dabei von Susi mit skurillen Familiendrama-Geschichten unterhalten.
Ihre Reste ergänzen sich immer toll mit meinen, vor allem, weil zu ihren „Resten“ immer auch toller Prosecco (ja das gibt es wirklich) gehört. Ausserdem hatte sie Zucchini und Tomaten und so ne Jus-gelartige Instant Hühnerbrühe. Ich brachte ne drittel Tüte Risottoreis und Lachs mit.
Es gab also Prosecco-Risotto mit gebratenem Lachs und gegrillten Zucchini. War großartig. Warum bekommt man eigentlich diese Reste-Essen-Gerichte NIE ein zweites mal so gut hin wie beim zusammenschmeissen ? Kann das mal bitte jemand herausfinden ?



Polnische Terminplanung by artifischl
15 Mai , 2008, 2:49 pm
Filed under: In der Profiküche, Typisch polnisch | Schlagwörter: , , , ,

Hatte ich schon mal erwähnt, das die Polen die Ruhe weg haben ? Anders ausgedrückt: Es passiert alles immer auf den letzten Drücker, aber es passiert. Der Ausdruck „Just in Time“ bekommt für mich täglich eine wichtigere Bedeutung. Wenn meine Liebste unverschiebbare Termine hat, dann erinnere ich sie fast pausenlos, das sie sich vielleicht mal fertig machen sollte, damit wir pünktlich los kommen. Sie kramt rum, macht irgendwas im Bad, entdeckt ein Formular, das sie un-be-dingt noch ausfüllen muss, telefoniert, findet ihre Schlüssel nicht und wenn wir dann oim Auto sitzen, fällt ihr ein, das sie ihr Kamurka (das Handy) vergessen hat. Ich habe mittlerweile Lesestoff für Wartezeiten im Auto.
Ich frage unseren Freund Bartek, ob meine liebste nicht ständig zu spät kommt, wenn ich ihr nicht da bin um ihr liebevoll in ihren Knackar… zu treten. Bartek: „She is not to late, she is really always „Just in time“ -I guess is the right word“.
Letzten Samstag fand nun endlich die Lang ersehnte Dinnerparty statt (mehr dazu im nächsten Post), ich hielt mich schon die Woche davor in Poznan auf, und hoffte, wenigstens ein oder zwei Treffen mit Piotr und/oder Michal zu haben und vielleicht schon mal das ein oder andere Gericht auszuprobieren, bei denen wir uns nicht sicher waren. Und es sah fast so aus, als wäre das kein Problem:

– Am Montag sahen wir uns ganz kurz und vereinbarten einen Termin für Dienstag.
– Dienstag wurde das Treffen 10 Minuten vorher auf Mittwoch gelegt.
– Am Mittwoch erschien ich zum Treffen. War jedoch leider der einzige !
– Am Donnerstag ein Anruf, was passiert sei, weil ich eine SMS geschrieben hatte, ich würde gerne VOR unserem Essen ein ernstes Wort wechseln. Ich dann so: „Nothing happend, that’s what is worrying me“. Piotr: „Sorry, I was falling asleep and slept about 20 hours“.
– Am Freitag Abend gingen wir einkaufen. Das Desert wurde in einer für mich hitzigen Diskussion kurz vor der Kasse völlig neu Entschieden, was einen Austausch diverser Zutaten erforderte.
– Am Samstag trafen wir uns um 11 in der Küche und alles war entspannt. Wir hatten für alles mehr als genug Zeit und mir ist völlig unklar, worum ich mir solche Sorgen gemacht habe. Natürlich hatten wir das glück, das einer von uns dreien mit den Gerichten schon mal in Berührung gekommen ist, ich bin jedoch gespannt, was passiert, wenn wir das erste mal richtig was versauen.

Polen haben ein tolles Zeitmanagement. Erst wird verschwendet wo es nur geht und dann wird alles wieder glatt gebugelt, auf das man immer genug Zeit hat für z.B. unglaubliche Verabschiedungszeremonien.



Heute war ich mal schlagfertig by artifischl
4 Mai , 2008, 7:27 pm
Filed under: Babylonia Polska, Typisch polnisch, Verständnisprobleme | Schlagwörter: ,

Als meine Liebste und ich uns kennenlernten, sprach sie ein wenig englisch und natürlich polnisch. Nach nunmehr 9 Monaten ist Ihr Englisch ganz passabel, über mein Polnisch reden wir lieber nicht. Daher beschwer ich mich auch NIE, wenn meine Freunde in meiner Anwesenheit untereinander polnich sprechen. Ich sitze also im polnischen Wohnzimmer und durchstöbere Blogs aus Neukölln (der lieben Heimat), während meine Süße Besuch von einer Freundin hat und mit ihr in rasantem Tempo Informationen austausch. Irgendwann gucken beide zu mir, sie dann so ganz mitleidig:

„Sorry Darling, that we are speaking Polish, we just talk about Bla Bla“

Ich dann so:
„Sorry my Sweetheart, I read this GERMAN blogs right now, which are just about bla bla“

Sich gut verstehen kann manchmal so wunderbar einfach sein 🙂



Wenn man vergessen hat, einzukaufen… by artifischl
2 Mai , 2008, 12:37 pm
Filed under: Reste-Essen, Zu Hause gekocht | Schlagwörter: , ,

…und dann Feiertag ist, muss man halt sehen, was der noch Kühlschrank so her gibt und ein bisschen improvisieren. Seit ich meinen Pizzateig mittlerweile fast im Schlaf kann, läuft es bei solchen Impros meistens auf so ein Blech hinaus:

Pizza

Was hatten wir noch da ? Tomaten Ruccola, Mozarella, Blauschimmelkäse, Speck Serrano-Schinken.

Warum gelingt das eigentlich immer am Besten, wenn die Zutaten reste sind ?

Und was macht Ihr so aus Resten ?



Literatur für Koch-Junkies by artifischl
1 Mai , 2008, 7:38 pm
Filed under: In der Profiküche, Literatur | Schlagwörter: , ,

Hier mal ein echter Buchtip-Kracher:

Bill Buford – Hitze

Bericht eines Literatur-Redakteurs des New Yorkers, der seinen Job an den Nagel hängt und von der Pike auf kochen lernt. Seine Abenteuer als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling sind so brilliant und komisch, das ich das Buch jetzt schon empfehlen MUSS, und somit vielleicht einige zum lesen bewege (um dann hier heftig darüber diskutieren zu können).

„Die Vorspeisen (allesamt Variationen vom Schwein) bestanden aus Lonza, dem gepökeltem Rücken eines Schweines aus der Sahne-Walnuss-Apfel-Herde, Coppa (aus der Schulter) , einem gebratenen Schweinsfuß, einem Steinpilz, gebraten mit Batalis eigener Pancetta (dem Bauchspeck), plus (>>um noch eins drauf zu setzen<<  ) einer Pasta mit Gunanciale (den Backen). In diesem Jahr erprobte Mario ein neues Motto: >>Maßloser Exzess ist gerade genug.<< „

Danke, Sarah und Susi für dieses Wahnsinnsbuch. Wird meine neue Biebel. Dabei bin ich erst auf Seite 24 !!!