Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Food-TV-Sonntag der Grausamkeiten – Promi-Dinner, Anthony Bourdain und Andrew Zimmern by artifischl

Es hat sich ja an den letzten Sonntagen eingebürgert, das Susi und ich gemeinsam einen Food-TV Abend bestreiten und davor oder dabei was leckeres auf den Tisch zaubern. Ich kam gerade aus Polen und brachte Sauerkraut gefüllte Piroggi aus dem Restaurant mit, die Fix zubereitet und wirklich lecker gewesen sind – was dann aber auf dem Bildschirm folgte, reichte von langweilig und unkomisch über fremdschämen bis wiederlich.

Im Promi-Dinner kochte Rosa von Praunheim Brenesselsuppe, Kuheuter, und eine Schokomousse, die er in Wurstform in Fressnäpfe drückte. Diese Szene wurde bereits eine ganze Woche auf V.OX getrailert, aber wer hoffte, etwas skandalöses oder komisches zu erleben, der wurde heftig enttäuscht. Die ganze Folge war so aufregend und Skandalös wie Fasching im Altersheim. Und einmal mehr hatte ich das Gefühl, das hier b- und c-Promies versuchen, Ihren Bekannheitsgrad aufzupolieren. Selbst Rosa, den ich eigentlich für seine charmanten Öffentlichkeitsauftritte schätze, wirkte hier so gewollt komisch, das er mir kaum ein lächeln über die Lippen zaubern konnte. Da halfen auf seine dauernden Offenbarungen nicht, das er die ganze Zeit Pupsen muss. Das überraschendste war eingentlich, das Rosa wegen seiner Gastgeberqualitäten dann doch noch den 2ten von 4 Plätzen belegte.

Umschalten auf D-Max. Unser Lieblingschef Anthony Bourdain war in Namibia im Busch und aß ein Straussenrührei, das 30 Minuten im Dreck mit heißer Glut bedeckt gebacken wurde. Bisschen die Erde abklopfen, die vorher scön ins Ei reingerührt wurde, und viel Spass mit knirschenden Zähnen. Als Hauptgang folgte der Anus und die grün belegte Zunge eines Warzenschweins und zum Nachtisch gab es Käfer. Mir ist schon klar, das man als Gast in fremden Ländern die Gastfreundschaft annehmen sollte und auch bereit sein muss, mal was neues zu probieren. Aber muss man wirklich jeden Mist probieren ? Ich weiss auch ohne Probieren, das ich zum Beispiel vergorenen Fisch nicht mag. Aber für die Kamera machen viele Leute vieles. Und was sagt das über die Zuschauer aus ? Warum sehen wir uns das an, wenn jemand etwas isst, das eigentlich ungenießbar ist wärend er dabei den fürchterlichen Gestank des „Lebensmittels“ beschreibt ? Ich hätte zu gerne mal einen Zusammenschnitt der Takeouts um zu sehen wie „Mutig“ Bourdain wirklich ist und wieviel von dem was er da in sich reinstopft, nochmal durch den Kopf gehen lässt.
Getoppt in seiner Wiederwärtigkeit des Effekterhaschens wird so etwas eigentlich nur noch in Reportagen über XXL-Restaurants. Da ist doch der einzige Aufhänger der Lacher über die Großen Augen des Gastes, wenn er sein Riesenschnitzel, sein 5-Literglas Cola oder sein 2 Kilo-Hamburger serviert bekommt und schon weiss, das er das noch nicht mal im Ansatz schaffen wird. Haha. Lustig. FÜr diesen unglaublich witzigen Spass werden Tonnen von Lebensmitteln weggeschmissen oder bestenfalls zum Mitnehmen eingepackt. Das reicht dann für die nächsten 5 Tage. Habt Ihr schon mal 5 Tage alten Hamburger aufgewärmt ? Schmeckt voll super. Ohne allzusehr den Moralischen raushängen zu lassen: Es gibt auch in Deutschland einen nicht unerheblichen Anteil an Menschen die nicht genug zu essen haben, die gezwungen sind, sich von Lebensmittel-Spenden zu ernähren. Unter dem Hintergrund finde ich jede Form von sinnlosen Megaportionen und Fressrekorden eher pervers. Ich Ess mich ja auch mal gerne durch eine Speisekarte, und esse mehr als es notwendig ist, aber das Zeug wird wenigstens nicht weg geworfen sondern landed auf meinen Hüften.

Nach Bourdain gab uns eine Folge von dem Allesesser Andrew Zimmern den Rest. Noch so ein Sendungskonzept das darauf ziehlt, das wir uns ekeln. Weil es uns ungewöhnlich erscheint. Andrew ist auf den Philippinen und verspeist 17 Tage halbausgebrütete Enteneier, sowie gegrillte Kücken, dessen Schnäbel angeblich eine Delikatesse sind. Eine Esskultur, die darauf baut, alles zuzubereiten was nicht giftig oder einfach nicht essbar ist (Steine ?), ist grundlegend zwar lobenswert, weil nichts verschwendet wird. Macht es mich zum Kulturbanausen, wenn ich nicht alles probiere was irgend jemand irgendwann mal zubereitet hat ? Oder hat gutes Essen einfach keinen Sendewert ?


4 Kommentare so far
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Ich finde, du kannst ruhig den Moralischen raushängen lassen. Weil du völlig recht hast. Auch wenn du damit zum Spaßverderber wirst.
Manche Dinge sind einfach völlig unnötig. Aber solange es genug Zuschauer gibt – egal ob kritisch oder zur Berieselung – wird es derartige Konzepte auch weitergeben.

Kommentar von Annika

Das Alternativprogramm am Sonntag wäre Tomb Raider gewesen, aber nachdem ich mir am Samstag ein Double Feature im Kino mit „Wanted“ und „Babylon A.D.“ angetan hatte, schien mir das Promi-Dinenr das kleinere Übel zu sein. Ich hasse auch diese Geiz ist geil XXXXXL Schnitzel Mentalität, aber ich geh heute Haxe essen und da bin ich mir auch noch nicht sicher, ob ich das schaff. Vive la morale! (sagt man das so?)

Kommentar von Susi Q

Wer mich kennt, kennt meine Meinung zum deutschen
Fernsehen, zum Thema „Kommerz“ und dem Schwachsinn, den die Programmredakteure unter dem Banner des „kleinsten Gemeinsamen Nenners“ auf den teutonischen Schirm werfen. Es erübrigt sich eigentlich jedweder Kommentar zum gesamten Themenkomplex, da 99% aller gesendeten oder gedruckten Medien radikaler Dünnschiss sind.

Zum Sonntag Abend sei gesagt, daß die Alternative zu Tomb Raider der lange Fantasy Abend mit „Aeon Flux“, „Mission To Mars“ und „Underworld Evolution“ gewesen wäre. Richtig toll war das aber auch nicht.

Ich persönlich würde mich am Sonntag Abend auf das ESSEN und die geladene FREUNDIN (hust hust) konzentrieren. Und ne Flasche sehr guten Bordeaux aufmachen. Und mit dem Fernseher den ewig kläffenden Köter meines Nachbarn totwerfen.

Alex

Kommentar von Alex

sach ma für jemanden der grad eine bude eröffnet hat hast du ja erstaunlich viel zeit zum bloggen ….
wie bittschön machs du das ?

Kommentar von vatel




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