Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Taxifahrer, halt Dein Maul ! by artifischl
4 Januar , 2009, 1:10 pm
Filed under: Polen, Typisch polnisch | Schlagwörter: , , , , ,

Viele Städte rühmen sich ja fast, unfreundliche Taxifahrer zu haben, z.B. in Berlin gehört die berliner Schnauze irgedwie zum Taxierlebnis, da geht es gerne mal etwas ruppig zu. Egal wo man ist, besteht meines Wissens nach, für Taxifahrer eine Beförderungspflicht, zumindest wenn der Kunde einen zumutbaren Eindruck vermittelt.

In Polen gibt es ein paar Taxi-Eigenheiten, die man wissen sollte: Es gibt in einer Stadt keinen Einheitstarif. Die einzelnen Taxiunternehmen können ziemlich frei entsheiden, wie viel sie für die Fahrt verlangen. Hier belebt die Konkurenz das Geschäft. Taxifahren kann sehr billig sein. Somit hat jeder seine Lieblingstaxifirma, bei der er immer anruft, bekommt eine Kundennummer, was sehr fortschrittlich ist (in der Regel muss man seine Adresse nicht angeben) und es können unter Umständen sogar spezielle Tarife für jeden einzelnen Kunden ausgehandelt werden. Ausserdem gibt es wohl eine Fahrtnummer oder Auftragsnummer.

Edyta und ich kamen mit dem Zug aus Warschau und meine Liebste rief beim Einrollen des Zuges ihr Taxiunternehmen an, das uns einen Wagen in ca. 5 Minuten am Westausgang bestätigte. Im Bahnhof kauften wir noch schnell etwas in der Apotheke und waren mit vielleicht 3-minütiger Verspätung am Taxi. Da Edyta ihr Taxiunternehmen vor kurzem gewechselt hatte, viel ihr die neue Kundennummer nicht ein, sagte aber bei der Zentrale Ihren Nachnamen, was für die Dame am Telefon kein Problem darzustellen drohte. Ganz anders sah das wohl der Taxifahrer. Als Edyta die Tür öffnete und nachfragte ob dies das Taxi auf ihren Namen sei, gröhlte der Fahrer ohne sich umzudrehen: „CODE ?“ in einem Tonfall, der mich erschaudern liess. Offenbar wollte der Fahrer die Kunden- oder Auftragsnummer  wissen. Als Edyta ihm erklärte, das sie den Code nicht habe, schmetterte er ihr den Code den er von einem Display ablas klugscheisserisch engegen.
Dann öffnete er doch noch den total versifften Deckel seines Kofferaums für unser Gepäck und die Fahrt sollte losgehen. Da in Poznan Taxi fahren teilweise unschlagbar billig ist, sehen die Autos auch entsprechend aus. Automarke, Alter, Zustand – total egal. Hauptsache es fährt noch.  Edyta wagte eine fatale Aussage, denn sie fragte den Taxifahrer, ob er nicht links abbiegen wolle, da er sich bereits auf der rechten Spur eingeordnet hatte. Im Grunde nimmt sich das von der Strecke nicht wirklich was und Edyta revedierte sofort Ihre Aussage. Aber nun rastete der Taxifahrer komplett aus:  Ob er denn nun eine neue Strasse bauen solle ? Oder sie es wirklich besser Wisse, er fahre schließlich sit 30 Jahren Taxi ? Ich habe es natürlich nicht selbst verstanden, sondern später von Edyta übersetzt bekommen. Auf jeden Fall vielen wohl einige extrem frauenfeindliche Anspielungen, der Fahrer hörte nicht auf. 2 freundliche Versuche von Edyta, ihn zu unterbrechen, das sie nicht weiter darüber reden wolle und sie ja einsehe, das sie vielleicht etwas falsch über den Weg gedacht hatte, blieben komplett ignoriert. Der Droschkenkutscher laberte einfach weiter.

Dann war es Edyta zu bunt und sie tat etwas, was Sie sonst nie tut, für das ich sie aber sehr liebe. Sie unterbrach den Taxifahrer mit den Worten, er solle sein Maul halten und seinen Job machen.

Ich beobachtete die entgleisenden Gesichtszüge des Fahrers im Rückspiegel, ein leicht offener, aber ganz plötzlich schweigender Taxifahrer. Und Edyta schob gleich noch hinterher, das er ja vielleicht nen Scheissjob hat, aber seine Probleme bitte nicht bei ihr, dem Kunden abladen solle, oder hätte er den Job erlernt, um seine Klienten anzuschnauzen, weil ihm sonst niemand zuhört ?

Ich war natürlich über diesen Ausbruch meiner Süssen gleichermaßen erstaunt wie fasziniert. Es gibt halt auch in Polen noch einige Menschen, die den Wechsel vor 20 Jahren nicht mitbekommen haben oder wollten. Eine selbständige Frau, die sich nicht unterdrücken lässt und erst recht nicht auf  „kleines Mäusschen“ im Taxi macht, ist wohl immernoch ungewöhnlich. Ich beobachte, das es viele Junge moderne Paare gibt, wo aber auch immernoch eine klassische Rollenverteilung und Traditionen eine wichtige Rolle spielen, wer also z.B. arbeiten geht und wer möglichst schnell für Nachwuchs und im zuge dessen für den Haushalt sorgt. Traditionen finde ich eigentlich gut, aber man sollte das in einem modernen fortschrittlich denkendem Land nicht mit Unterdrückung verwechseln.

Wer sich wehrt, wird mit so wunderbar saublöden Gesichtern wie das des Taxifahrers belohnt. Also: Nicht immer alles gefallen lassen !


1 Kommentar so far
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Asoziales Gesocks. Solche Fahrgäste braucht man unbedingt mehr.

Kommentar von Alfred E. Neumann




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