Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Lernen zu warten – Zustände im Herzzentrum Leipzig by artifischl
5 Februar , 2009, 1:45 pm
Filed under: Krank | Schlagwörter: , , , ,

<frustablassmodus ein>
Ich bin ein pünktlicher Mensch. Eigentlich sogar überpünktlich. Ich hasse es, bei einer Verabredung über die Länge eines akademischen Viertels hinaus zu warten. Ich mache anscheinend den Fehler, das ich diese Pünktlichkeit zumindest in Ansätzen von meinen Mitmenschen erwarte. Das macht mich regelmäßig unglücklich.

Letzten Dienstag hatte ich einen Termin im Herzzentrum Leipzig, dort gibt es eine eigene Rythmologische Abteilung,  geleitet von einem Professor, der einer der ganz wenigen Kardiologen ist, den ich sehr schätze und dem ich vertraue, was meine Herzproblematik (habe hier mal darüber geschrieben) angeht.  Vor 5 Wochen hatten wir nach einem ausführlichen Gespräch im Dezember diesen Termin vereinbart, geplant war ein Belastungs-EKG, eine Untersuchung der Herzkanäle, bei der mir ein Mittel gespritzt wird, wegen dem ich eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben muss, und das Anlegen eines Langzeit-EKGs für eine Woche.

Da ich ja aus Berlin anreisen musste, fragte ich nach einem Termin ab 11:30 vormittags, wurde aber gebeten spätestens um 10:30 da zu sein, sonst würde man das nicht schaffen. Hier nun ein Ablauf der Ereignisse an diesem Tag.

10:10 Ankunft an der Rezeption im Herzzentrum. Ich stellte mich am Tresen hinter einer Person an, wahrte aber einen Abstand, damit ich nicht in den Verdacht gerate irgendwelche Persönlichen Daten meines Vormannes auszuspionieren. Eine völlig entnervte Aufnahmeschwester mozte mich an, ich solle mich erstmal noch hinsetzen, das dauere hier noch. Es gab aber keine freien Sitzplätze, also blieb ich achselzuckend stehen.

Dieser Schottenteppich liegt im ganzen Krankenhaus aus. Begünstigt Teppich nicht eine enorm hohe Keimbelastung ?

Dieser Schottenteppich liegt im ganzen Krankenhaus aus. Begünstigt Teppich nicht eine enorm hohe Keimbelastung ?

Nach bereits 20 Minuten konnte ich dann auch aufgenommen werden und mit der Aussage, das es GLEICH weitergeht, gebeten, mich nochmal KURZ zu setzen.

10:45 Nach weiteren 15 Minuten wurde ich abgeholt und in einen weiteren Warteraum vor der Aufnahmeärztin geführt. Dort wurde ich dann auch GLEICH (also nach weiteren 45 Minuten) zur Schwester reingebeten, um Blut abzunehmen und ein Ruhe-EKG zu erstellen.

11:30 GLEICH sollte ich der zur Aufnahmeärztin reingerufen werden.
12:00 Ich wurde zur Aufnahmeärztin reingerufen ! Diese wusste überhaupt nicht, warum ich da war, weil das nicht in meiner Akte stand. Ich musste Ihr also erklären, welche Behandlung heute für mich geplant war. In einem Telefongespräch mit der Sektretärin des Professors hörte ich, daß im Krankenhaus gar keine Betten frei sind. Welche Untersuchung heute überhaupt genau stattfinden wollte, wollte sie mir nicht verraten und verwies darauf, das ich das ja nachher mit dem Prfessor besprechen würde. Von Dort wurde ich zu einer Reihe mit Behandlungszimmern geschickt, wo ein Belastungs-EKG erstellt werden sollte.

besetzt

Dies bedeutet nicht wirklich, das der Raum besetzt ist, es anscheinend die Flurbeleuchtung.

12:45 Eine Schwester trat aus dem Behandlungszimmer, und teilte mir mit, das JETZT um 13:00 Uhr ALLE Ärzte zur Besprechung mit dem Chef kommen müssten, und dies ca. 1 Stunde dauern würde.  Und bei einem Belastungs-EKG MUSS ein Arzt anwesend sein. Meine Frage, ob ich was Essen gehen kann, wurde verneint, da man nicht wüsste, wie ich später noch behandelt werden würde.  Ich hatte wegen meiner frühen Abfahrtszeit bisher noch nichts gegessen, und mein Magen begann, auffällig zu knurren. Auch wurde mir vorher nicht gesagt, das ich nüchtern sein muss.

13:45 Ich bekam eine Mitteilung, das es GLEICH los geht, der Arzt wäre schon zurück.

verkabelt

ALs ich dieses Foto machte, wurde ich von der Mitarbeiterin entgeistert angesehen. Ich teilte Ihr mit, daß ich mich selbst Dokumentiere. Sie sah von weiteren Fragen ab.

14:15 Es ging weiter, mit einem Highlight des Tages: Das Belastungs-EKG.

Dafür wurden mir mir Ansaug-Elektroden am ganzen Körper angelegt, die gefühlt mit der Kraft eines 1000 Watt Staubsaugers an meiner Haut zerrten. Ist etwas unangenehm, aber eine Zeit lang erträglich. Nach 14 Minuten auf dem Laufband mit sich erhöhender Steigung und Geschwindigkeit im 2-Minutentakt und meiner Erschöpfung stürzte erstmal der Computer ab.

Die Saugkraft eines Oktopus ist ein Dreck dagegen

Die Saugkraft eines Oktopus ist ein Dreck dagegen

Die Elektroden saugten aber fröhlich weiter.  Zum Glück lief der Rechner nach 10 Minuten wieder und die Ergebnisse waren auch noch da und SOFORT konnten die Dioden abgenommen werden. Ich hab heute noch Oktopus-Knutschflecken am Körper. Ausserdem wurde mir das Langzeit-EKG angelegt, was ja ursprünglich erst für den nächsten Tag geplant war, was mich stuzig machte, abe nicht wirklich überraschte.

14:45 Ich sollte vor der Tür auf meinen Befund warten, bevor es GLEICH weiter geht.

16:15 GLEICH nach 1,5 Std. ging es weiter. Wie ? Das sollte ich an der Rezeption erfahren. Diese schickte mich zurück zur Aufnahme-Ärztin. Selbige guckte mich völlig verduzt an und Fragte, ob ich gerade vom Professor komme.  Ich verneinte dies und wies darauf hin, das ich gerade vom Belastungs-EKG komme, wohin sie mich vor 4 Stunden (!) geschickt hatte.

16:30 Ich kam vor dem Sekretäriat des Professors an, eine seiner Mitarbeiterinnen, die heraus trat um Feierabend zu machen, sagte mir, das es nun GLEICH weitergeht. Hatte ich heute schon mal gehört.

17:05 Der Professor trat aus dem Vorzimmer heraus ! Konnte es nun losgehen ? Er schüttelte mir kurz die Hand und sagte sehr freundlich:“ Sie haben ja jetzt das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG ist auch OK, dann schwirren Sie mal ab und über die weitere Behandlung unterhalten wir uns nach der Auswertung des Langzeit-EKGs“ !
Ich war so baff, das ich mich garnicht richtig aufregen konnte. Ich beschwerte mich bei Ihm, ob das sein Ernst sei, warum ich für diesen Mist nach Leipzig fahren muss und warum ich für dieses 30-Sekunden Gespräch 6,5 Stunden warten muss. Ihm tat das alles furchtbar leid, er müsse aber nun in den OP und ich könne gerne noch 3 Stunden warten und dann mit ihm sprechen, aber eine Untersuchung fände heute nicht statt.

Fazit – Ich bin nach wie vor von der Kompetenz des Professors überzeugt, aber organisatorisch ist das Herzzentrum Leipzig eine Katastrophe. Ich habe die volle Breitseite des Personalnotstandes in Krankenhäusern kennengelernt und frage mich:
– Warum mache ich über Wochen vorher einen Termin und dann kann man kein Bett für mich reservieren ?
– Wenn das Krankenhaus zu 110% belegt ist, warum kann man mich nicht anrufen, und den Termin verschieben ?
– Warum muss ich 200 km für ein EKG fahren, das mir auch jeder Kardiologe in Berlin anlegen kann, bzw. sogar ich selbst ?
– Wieso legt ein Ärztegespräch mit dem Chef jeden Mittag um 13.00 Uhr ein ganzes Krankenhaus lahm ?
– Wieso darf ich keine Nahrung zu mir nehmen, wenn anscheinend klar ist, das ich garnicht mehr behandelt werde ?
– Wieso muss ich für ein 30-Sekunden-Info 3 Stunden warten ?

Ich bin privatversichert, was nicht unbedingt zu Privillegien führen sollte, aber mein Beitragssatz wir jedes Jahr heftig erhöht und ich frage mich wirklich, wofür. Das Gesundheitssystem in Deutschland macht leute nicht Gesund sondern erst recht krank. Die Schere zwischen Privat- und Kassenpatienten wird weiter aufklappen, da Menschen wie ich nach so einem Tag überlegen, meine Behand,ung in einer Privatklinik fortzuführen.

<frustablassmodus aus>

NACHTRAG:

Ich habe doch tatsächlich eine eMail vom Professor bekommen, in der er sich kurz aber höflich entschuldigt hat:

Lieber Herr …

ich möchte noch einmal kurz die Gelegenheit ergreifen und Sie wissen lassen, dass mir der Ablauf Ihres letzten Aufenthalts in Leipzig tatsächlich sehr leid tut. Beim nächsten mal werde ich mir die angemessene Zeit nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Sowas versöhnt mich dann doch sehr !


14 Kommentare so far
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Scheiße.
Und es bleibt der Frust und die Ungewissheit.
Unglaublich.

Kommentar von wortteufel

Kassenpatienten wäre es wohl noch fieser ergangen😦
Hoffentlich klappt es beim nächsten Mal besser!

Kommentar von sammelhamster

@wortteuffel: mit der ungewissheit lebe ich seit 3 Jahren, aber man gewöhnt sich ja an jeden mist.
@sammelhamster: normaler Weise würde ich das auch sagen, ich weiss nur, das Leute, die nach mir in der Anmeldung und Kassenpatienten waren, lange vor mir Ihre Ergebnisse bekamen und im Gegensatz zu mir ohne weitere Stunden Wartezeit die Info bekamen, das sie nun nach Hause gehen können. Ich glaube einfach, das meine Akte über einige STunden einfach vergessen wurde.

Kommentar von artifischl

Und was ist jetzt nun?

Das hört sich ja nach einem aufregenden Tag an – gab es denn jetzt irgendwelche aufschlussreichen Ergebnisse?
Und – willst du da wirklich nochmal hinfahren???

Da kann man ja nur echt total froh sein, dass man gesund ist.

Ich wünsche dir trotzdem viel Glück beim nächsten Mal oder so!

Kommentar von Sarah

ich kann deinen frust mehr als verstehen. immerhin entschuldigt sich der professor……ich hoffe, dass beim nächsten mal alles besser abläuft!!

Kommentar von amidelanuit

@sarah,
ick hab dem Professor gesagt, das wir nach dem Langzeit EKG erstmal telefonisch klären, was er sich vorstellt und dann überlege ich, ob ich da wieder hin fahre. Aber ohne ein aufklärendes Gespräch – no way.
@ami,
wenigstens kann es kaum noch unbefriedigender ablaufen. ich bin das schon geewohnt.
Wie gehts dir denn ? Hab gerade gelesen, das Du dieses Katja-Dingens hast. Wenn ich was gelernt habe, dann ist es, keine Krankheit mehr zu verschleppen. Bei mir endete das fast tödlich. Und damit ist ja auch niemand geholfen.

Kommentar von artifischl

mir gehts bescheiden. und ich sehe ein – wir brauchen hilfe. also bin ich gerade am organisieren und dann liege ich nur noch im bett🙂 hoffe ich.

Kommentar von amidelanuit

leider hat sich bis heute nichts an diesen zuständen geändert. ich hatte anfang november einen termin für 10 uhr und bin mit der eigendlichen behandlung um 18.30 uhr dran gekommen…………….

Kommentar von locke

Hallo,
Ich habe den Eindruck den ich schon Jahrzehnte
von dummen Berlinern habe.
Sie denken,dass sie der Nabel der Welt sind.
Eben wie zu Ostzeiten, gefördert und hochgehalten.
Wegen der „besonderen Lage“, als „Aushängeschild der ehem.DDR. Leute! werdet Realisten -Ihr seit nichts besseres oder schlechteres wie jeder normale Bürger.Wenn ihr das denkt, dass ihr das seit- wandert aus nach Polen oder zu den Russen.
Ich freue mich auf ein Kommentar !

Ich wette er ist Hochnäsig und Arrogant -wie Ihr,
allerdings nicht Alle !
Mit freundliche Grüßen
M.Werner (auch Patient des Herzzentrums Leipzig –
aber zufrieden)

Kommentar von M.Werner

haha das kenn ich,der artikel ist sehr gut beschrieben.das sagt mir wieder das ich mit mir sowas nich machen lassen werde nur noch zum dr.gehn wenns gar nicht mehr geht aber das ist nicht nur in dieser klinik so…..unser krankensystem macht mich einfach traurig😦

Kommentar von Heike

geht alle erst dann zum arzt wenn es nicht mehr geht… dann landet ihr gleich auf der ITS!!!

Das ist eine Fachklinik und da muss man eben damit rechnen, dass es nicht in 2h geschafft ist!!

Kommentar von Daisy

wer hier kommentiert, sollte sich auch die Mühe machen, den Artikel aufmerksam zu lesen. @ M. Werner: Ich bin mittlerweile in der Tat nach Polen ausgewandert und war auch hier schon in Krankenhäusern und trotz erschreckend winzigen Finanzmitteln habe ich hier engagierte Ärzte erlebt und die Bürokratie hier ist aufwendig, aber es funktioniert ! Und die Ärzte nehmen sich Zeit und trotzdem ist die Wartezeit ertäglich.
@ Daisy: Ich kritisiere garnicht die Kompetenz der Ärzte sondern die Organisation des Krankenhauses. Wenn etwas so lange dauert, weil man einfach vergessen wurde, und dann nicht mal die untesuchung erfährt, für die man 2 Stunden Fahrt pro Richtung in Kauf nimmt, dann ist das einfach indiskutabel. Den Termin hatte ich Wochen vorher, wenn es dann nicht klappt, kann man ja mal vorher anrufen. Aber bei meiner Anmeldung vor Ort waren die Schwestern völlig überrascht und hatten keine Infos im Computer. Im Endeffekt bekam ich ein Belastungs EKG, und ein Langzeit EKG angelegt, was beides von jedem X-beliebigen Arzt in Berlin hätte gemacht werden können. Und dann wurde ich ohne die angedachte Behandlung, wegen der ich auch über Nacht bleiben sollte, wieder nach Hause geschickt. Soetwas mag vielleicht für jemand akzeptabel sein, der den Ganzen Tag nichts zu tun hat, aber meine Zeit ist mir wo so eine Antiorganisation einfach zu kostbar.

Kommentar von artifischl

gähn…“t, geplant war ein Belastungs-EKG, eine Untersuchung der Herzkanäle, bei der mir ein Mittel gespritzt wird, wegen dem ich eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben muss, und das Anlegen eines Langzeit-EKGs für eine Woche.“
das ist eine HKU, wo man dir einen Herzkatheter gelegt hätte und über den das Mittel(kontrastmittel) ins Herz sprizt.Dazu muss man nüchtern sein und über Nacht bleiben.
„- Warum muss ich 200 km für ein EKG fahren, das mir auch jeder Kardiologe in Berlin anlegen kann, bzw. sogar ich selbst ?“
ohje..na wenn du EKG`s selber machen kannst..nurzu.

Dein Gesülze strotzt vor Arroganz und Überheblichkeit.Du denkst wirklich, du bist der Nabel der Welt. Alle in der Klinik müssen sich um dich drehen und nur um dich.Oberpeinlich ist schon mit dem Handy sich beim EKG zu fotografieren.
Wer zu so etwas und solchen Veröffentlichungen Zeit hat, muss nicht jammern und sich wie eine fleischgewordene Beileidskarte darstellen, dass er mal warten musste.

ich jedenfalls war mit meiner Behandlung dort hochzufrieden. Auch als Kassenpatient.

Kommentar von sagichmalso

ich liege schnon 2 wochen im herzzentrum leipzig station 4Bwenn ich in dieser zeit 2 stunden geschlaffen habe ist das viel mann wirt nur mit berugigungs mittel und schlafmittel vollgetrönt .Der körper kommt nicht zu ruhe zucker ,blutruck zu hoch ,pflerer haben mehr ahnung wie arztinnen,blos raus und nicht wieder rein

Kommentar von helfender




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