Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Gastro Lotto by TheEverlastingClub
7 Februar , 2009, 9:32 pm
Filed under: Essen gehen, Food-Talk, Kochfreund Alex | Schlagwörter:

von TheEverlastingClub
-Der Autor-

Der Autor lebt in Frankfurt am Main und verbringt dort einen substantiellen Teil seiner knapp bemessenen Freizeit mit der Zubereitung, Erforschung und Beschreibung kullinarischer Genüsse und deren Entgleisungen. Er liebt viel guten Cabernet Sauvignon und amüsante Gespräche. Motto : „Abkürzungen führen selten zu Spaß & Spiel!“ (Zitat ‚Anthony Bourdain‘).

Gastro-Lotto

Ein bekannter Koch regte neulich im Feuilleton meiner Tageszeitung an, man möge einen Restaurantbesuch doch als etwas „Kulturelles“ begreifen. Dem kann ich nur zustimmen. Umso mehr treibt es mich immer wieder in den Wahnsinn, wenn in einem „guten“ Restaurant der Nachbartisch stur nach Nummern ordert, so als würden da Ersatzteile aus dem Schraubenlager des örtlichen Metallgroßhandels disponiert. Der Genuss fängt doch mit der Vorfreude an, und wo bitte bleibt die Sinnlichkeit wenn statt der „gegrillten Calamaris mit Auberginen“ dem Kellner ein freudloses „Isch hätt dann emal gern die sibbeundfuffzisch, gell?“ hingerotzt wird ? Nun mag ob der Myriaden möglicher Kombinationen das Nummernsystem bei der Pizzeria an der Ecke noch Sinn machen und der geschätzte Gastronom sich u.U. eine Erleichterung der administrativen Arbeit seines Personals erhoffen.

Krotesk wird es jedoch, wenn die Küchen-Kabala Ausmasse annimmt wie jene neulich von mir in einem Griechischen Restaurant beobachteten : Ein 10 Personen-Tisch bestellte streng, deutsch und sehr formal nach Zahlen.

Die Bedienung schleppte die Gerichte an und begann mit ihrer Ansage „Wer bekommt das Rumpsteak mit Pommes? Sie?“ – Darauf der angesprochene Gast „NEIN! Ich hatte DIE 36!“. Die Bedienung : „Das IST das Rumpsteak mit Pommes.“. Gast : „Achso.“.

Ein anderer Gast : „Was ist denn das da auf meinem Teller?“. Die Bedienung : „Die 14.. hatten Sie BESTELLT!“. Der Gast : „Und WAS IST DAS?“. Bedienung : „Die warmen Vorspeisen!°“. Gast : „Ich hatte aber doch die Nummer 16.. ??“. Bedienung : „WOLLTEN Sie denn die Nummer 16 ?“ Gast : „Was IST denn die 16?“. Bedienung : „Die KALTEN Vorspeisen!“. Gast : „Achsoooo…“.

Gast zu Gast : „Du Jürgen, hattest Du auch die 23?“. Jürgen zu Gast : „Ja nee Du, ich glaube die 22“.

Um es mit Atze Schröder zu sagen : Ja nee, is klar! Es folgte ein wildes Gestikulieren, Diskutieren und Herumreichen der Teller auf der langen Tafel. Food-Memory für Fortgeschrittene, Einweisung der Kellnerin in die Geschlossene inklusive. Man stelle sich vor : Die Konzentration auf die Nummern rückte zwischenzeitlich die eigentlichen Speisen vollkommen in den Hintergrund, die Gäste bestanden darauf die von ihnen vermeintlich bestellten  Nummern serviert zu bekommen. Jackpot ohne Hauptgewinn.

Zugegeben, die Welt hat größere Probleme, aber wenn ich schon essen gehe, würde ich es doch vorziehen das mir solche Spektakel erspart bleiben. Die Numerik raubt dem Erlebnis Restaurantbesuch irgendwie die Sinnlichkeit und reduziert die zum Teil sehr guten Häuser die den Quatsch mitmachen auf das Niveau einer FastFood – Bude und deren Produkte zu Massenartikeln.

Denkt mal darüber nach, Ihr Gastronomen!


3 Kommentare so far
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Ich durfte mich ja schon über eine Vorablesung beömmeln.😀

Kommentar von wortteufel

Ich muss gestehen, ich esse auch lieber Osso Bucco als Nr. 23, aber für meine Oma ist das Nummernsystem super! Sie hat jahrelang bei unserem Familienlieblingsgriechen (nicht, weil es so besonders griechisch oder gut war, sondern, weil es um die Ecke war und jeder etwas Essbares auf der über 200 Gerichte umfassenden Karte gefunden hat) die Nr. 62 bestellt…Penne mit Hähnchen-Sahnesoße, was auf der Karte irgendeinen griechischen Fantasienamen hatte, den sich keiner von uns merken konnte. Jetzt gibt’s den Laden seit 2 Jahren nicht mehr, aber seither gibt es bei meiner Oma und mir an Silvester Nr. 62, besser denn je und sie freut sich!

Kommentar von Susi Q

Ganz meiner Meinung! Schön ist auch, wenn der Gast wild in der Karte herumzeigt mit den Worten: Zuerst nehme ich das Dritte, dann das Fünfte und als Dessert das Zweite.

Kommentar von Poulette




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