Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Von Freunde-Wiederfind-Portalen und Food-O-Grafen by artifischl

Erstmal ein Sorry an Lamiacucina, das ich mir ungefragt die Wortschöpfung Food-O-Grafie borge, bekommst sie nach dem Artikel ohne Gebrauchsspuren zurück, aber wenn man so einen genialen Begriff in die Welt setzt, dann muss man damit leben, wenn der dann aufgegriffen wird.

Alles begann vor 13 Jahren am Bahnhof Zoo in Berlin. Ich stieg in einen recht leeren Zug, um meine Familie in Frankfurt am Main zu besuchen. Auf der anderen Seite des Ganges im Großraumapteil saß eine hübsche junge Frau mit erfrischendem Sexappeal. Ich nahm Platz, drückte auf einen Knopf in der Armlehne und verlagerte die Rückenlehne in eine etwas angenehmere Position.

Die junge Frau beobachtete mich dabei, hielt dies wohl für eine gute Idee und versuchte, Ihren Sitz ebenfalls in diese Position zu versetzen. Der Sitz jedoch bewegte sich keinen Millimeter. Sie stöhnte zwischen genervt und wütend: „Maaaan, heute klappt echt gaaaarnix! „. Ich bot Ihr meine Hilfe an und wir fingen an zu quatschen. Es stellte sich heraus, das Sie gerade von einem Bewerbungsgespräch kam, da Sie als ausgebildete Photographin keine Lust hatte, in einem kleinen Photofachgeschäft bis in alle Ewigkeit Passbilder zu machen, oder quäkende Babie/hässliche Brautpaare oder pickelige Konfirmanden zu Fotografieren. Anscheinend lief es bei der Bewerbung aber auch nicht so toll. Als ich auf Ihr Alter zu sprechen kam, stellte sich zu alledem noch heraus, das sie an dem Tag auch noch ihren 23. Geburtstag „feierte“ und noch nicht mal mit jemand angestoßen hatte. Ich natürlich ganz der Gentleman besorte was zu trinken und es wurde eine kurzweilige und witzige Zugfahrt. Wir sahen uns dann auch nochmal ein paar Monate später, damit Sie Cover-Fotos einer Afrokarribischen Band machen konnte, die ich zu der Zeit managte (Ja, das wissen einige garnicht, ich hab mich mal mehr oder weniger Erfolgreich 4 Jahre im Musikbusiness versucht).

Aber wie das mit solchen Bekanntschaften ist – man verliert sich aus den Augen. Jemand zieht um, hinterlässt keine Telefonnummer und wenn man 600 km entfernt wohnt, ist ja auch klar, das eine eher flüchtige Bekanntschaft nicht unbedingt oberste Priorität genießt, wenn es darum geht neue Kontaktdaten weiterzugeben. Man muss sich darüber im klaren sein, das die wenigsten Menschen damals eine eMailadresse, geschweige denn eine Website hatten, und wenn, dann bestand der Username vor dem „@“ bei compuserve aus einer vIelstelligen Zahlenkombination, die sich nie jemand merken konnte.

Vor ein paar Monaten lud mich meine Schwester ein, mich mal in einem dieser Freunde-oder-Schulkameraden-Wiederfind-Portalen anzumelden, da einige meiner Schulkameraden bei ihr angefragt hatten, wie es mir denn ginge. Wer jemals diese Dienste besucht hat, weiss wie das normaler Weise abgeht. Am Anfang freut man sich über jeden der einen noch kennt, wiedererkennt, oder glaubt einen zu kennen, selbst wenn man sich daran erinnert, das man mit dem Menschen mal Spinnefeind war oder schlimmstenfalls sogar mal was auf von der Person auf die Fresse bekommen hat. Mit den netten tauscht man ein paar Mails, erzählt in einem Absatz die letzten 25 Jahre des eigenen Lebens, kurze Euphorieschübe gibt es auch manchmal („Wahnsinn, Dich hier getroffen zu haben“), aber leider erzählen auch sehr viele, das sie nach einer frühen Heirat und 2 Kindern nach ein paar Jahren sitzen gelassen worden sind (wirklich war, ich hab die fast gleiche Story von 5 (!) Kontakten gehört), und viele dieser Leute hören sich traurig und verbittert an.  Komischer Weise haben genau diese Personen mehrere 100 Freunde in ihrem Profil und ich denke dann immer, das die vielleicht deswegen so oft auf diesen Portalen rumsurfen, da sie dort in der Jugendzeit schwelgen können, als alles noch einfach war und im Leben im Vergleich geradezu lächerliche Probleme hatte. Nicht daß das jemand falsch versteht: Auch ich habe erstmal Spass gehabt, alte Geschichten zu hören – was ist aus DEM geworden, was macht DER jetzt, wo lebt der BLABLABLA, und so weiter. Aber auch bei der noch so netten Korrespondenz mit Schulkameraden habe ich kaum das dringende Gefühl verspürt, eine der Personen tatsächlich in Persona wieder zu sehen. Von allen wiedergefundenen alten „Freunden“ traf ich exakt NULL Personen.

Bis letzten Freitag, und das kam so.

Ich befand mich auf dem Heimweg von Polen nach Berlin und musste darüber nachdenken, wie viele Fotografen ich kenne und unter anderem viel mir auch wieder meine damalige Zug-Bekanntschaft ein. Da sie eine sehr einzigartige Vor-Nachnamen-Kombi hat, konnte man doch mal nachsehen, ob diese Person vielleicht irgendwo im Netz zu finden ist. „Endlich ist das www mal zu was nütze“, dachte ich, als ich Ihr Profil bei dem Dienst entdeckte, der einem sagt, wer wen so alles kennt. Und mir gefiel, das dort nicht stand „Familienstand: Geschieden, 2 Kinder“ sondern „Über mich: Ab wann ist man ein Endorphin-Junkie ?“. Ich schrieb also ein paar Zeilen und erhielt kurz darauf Antwort in der Art: „Wie wunderschön von Dir zu hören. Melde Dich bei mir, unbedingt Termin ausmachen“.  Oder sowas ähnliches. Kein BlaBla, ich konnte entscheiden – entweder bist Du neugierig, oder es interessiert Dich dann doch nicht soooo arg. Ich war Neugierig.

Letzten Freitag besuchte ich Frankfurt und machte einen Termin aus, wir verabredeten uns in Ihrer neuen Wohnung. Es stellte sich heraus, das die fesche Fotografin es zwar nicht beruflich nach Berlin geschafft hatte, aber dafür seit 7 Jahren in einer Agentur beschäftigt ist, die sich fast ausschließlich der Food-O-Grafie widmet. Fotos für Kochbücher, Anzeigen, Megaprints, Broschüren – alles rund ums Essen. Zusätzlich schenkte Sie mir auch noch ein Buch an dem sie mitgearbeitet hatte, welches zwar leider vergriffen ist, das ich aber den ganzen Kochjunkies unter Euch ans Herz legen möchte, wenn Ihr es mal auf einem Flohmarkt oder im Antiquariat entdeckt:

werbung-die-schmeckt

In dem Buch sind 50 Werbeagenturen beauftragt worden, eins ihrer Liblingsrezepte auf einer Doppelseite zu bewerben, danach gibts das Rezept und ein meistens richtig gutes Foto. Manche „Anzeigen“ sind etwas stumpf, andere Einfälle sind sensationell, wie Werbung halt so ist, meistens sehr polarisierend.

Wir verbrachten einen lustigen Abend im Klaus-Apfelweinkeller (Das frühere Blaubart) und sackten am Ende noch in der Roten Bar am Mainufer ab (für Cocktailfans ein echter Frankfurt-Tip).

In der Agentur meiner wiedergefundenen Bekanntschaft gibt es angeblich eine super Showküche, da könnte man sich beim nächsten Besuch dann mal kulinarisch austoben.Vielleicht können wir die Lady ja auch überzeugen, auf der nächsten Fress:publika vorbei zu schauen und uns ein paar Tips zu geben, wie man das mit der Food-O-Grafie so macht ?

Letztendlich kam ich zu der Erkenntnis, daß das ganze „Social Networking“ zwar komplett überbewertet ist, aber wenn man nicht lange rumeiert, sondern sich gleich mit jemand trifft, kann das zu einem ganz tollen Abnd werden und wer weiss, vielleicht auch wieder zu einer Freundschaft. Besonders, wenn man sich die ganzen Jahre (ohne es zu wissen) thematisch auf einander zubewegt hat.

Danke liebe M. , es war mir ein Vergnügen, das wir bald wiederholen müssen !


1 Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar

siehste Chris, war also doch gut mit wkw. wenn man jedenfalls so schoen flexibel ist wie du!
Die Datteln u Pflaumen im Mantel waren am Samstag uebrigens der Hit, manchmal brauchts nur nen kleinen pfiff um kulinarisch aufzufallen!Danke!
Dir kann ich dafuer „Chicken Marryland“ von J.O. empfehlen, war Monz dann danch serviert hat u sehr lecker war!
Dicker kuss,
deine natz

Kommentar von Natz




Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: