Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Polnische Fotosafari Teil V – Warschau touristisch by artifischl

Wie ich neulich schon hier berichtete war ich vor kurzer Zeit in Warschau. Es war bereits mein vierter Besuch dort, die ersten 3 Besuche waren immer aus unterschiedlichen Gründen mehr oder weniger ein Reinfall, man könnte sagen: Warschau und ich, das passt nicht zu einander. Da meine Liebste aber dort hin musste, und ich nicht wirklich was besseres zu tun hatte, dachte ich: „Eine Chance gibst Du Warschau noch“. Eine lohnende Entscheidung.

Wer mich nicht persönlich kennt, weiss vielleicht nicht, wie ich es seit Jahren mit dem Reisen halte – ich versuche so wenig Tourist zu sein wie möglich. Ich übernachte am liebsten bei Freunden oder bei Mitgliedern von Couchsurfing, ich nehme nie an Führungen teil, buche nie ein Hotel, sehe mir kaum die Standard-Touri-Objekte einer Stadt an und im Sommer gehts es auch schon lange nicht mehr in den Süden, sondern meistens besuche ich meine Family in Dänemark oder fahre zur Schwiegermutter in den masurischen Wald.

Vor meinem Warschau-Besuch dachte ich mir jedoch: Scheiss drauf,  Warum eigentlich mal nicht auf Tourist machen ? Ich hatte zwar einen alternativ- aber dennnoch Touristenführer für Warschau zum Geburtstag geschenkt bekommen und meine Süße begleitete mich als Guide. So setzten wir uns in die U-Bahn (Es gibt nur EINE Linie, daher kann man nicht falsch umsteigen sondern höchstens in die falsche Richtung fahren) und fuhren ins Zentrum der Metropole.

vor-dem-Kulturpalast

Dort befindet sich der der gigantische Kulturpalast, ein Geschenk der Russen an das polnische Volk. Die Polen haben das Teil immer gehasst und wollten es eigentlich nach der Solidarnosc-Bewegung abreissen lassen, war aber zu teuer. Mir gefällt das Gebäude irgendwie. Es beherbergt mehrere Theater, ein Kino, Ausstellungsräume und im 30. Stock eine Aussichtsplatform. Da wollte ich rauf ! Und es gab sogar einen Fahrstuhlführer in Uniform ! Hab mich aber nicht getraut, den zu fotografieren. Aber so sieht Warschau von oben aus:

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von hieraus alles sehr friedlich und relativ geordnet. Dazu kam grandioses Kaiserwetter.

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Bei vielen Bauten und Straßen kann man von oben einen gewissen Symetrie-Fetischismus erkennen🙂

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Haushohe Werbeplanen unterstreichen die allgemeine Gigantomanie vieler Warschauer Bauherren.

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Die Aussenterasse des Cafés wird wohl eher selten genutzt, dafür weht ein zu eisiger Wind.

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Die Innestadt ist selten Grün, daher erfreuten mich die Bäume auf dem Dach des Medienkaufhauses.

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Sogar bei der Bepflanzung lässt ein Hang zur Symetrie zu erkennen.

Das Ticket für die Aussichtsplatform beinhaltete den Besuch einer Mitmach-Ausstellung, in der wir einige Zeit vor den Lachspiegeln verbrachten.

spiegel

Vor dem Kulturpalast hat ein Künstler eine „Küss-Bank“ aufgestellt, diese mussten wir natürlich ausprobieren.

küssbank2

Man liegt in unterschidlicher Richtung aber zueinander gewand und kann dann mit einem Dach über dem Kopf knutschen (das Knutschfoto erspar ich Euch jetzt).

schiefes-hausAuch hier gibt es Kunst am Bau. Bei diesem Gebäude sieht es aus den meisten Blickwinkeln so aus, als würde der kleinere Anbau jeden Moment zur Seite wegkrachen.

Wir haben uns dann, nachdem wir uns die Hala Mirowka angesehen haben (siehe Fotosafari IV) durch mehrere Parks auf den Weg zur Altstadt gemacht.

In den Parks gibt es immer wieder interessante Skulpturen zu entdecken:

nicht-lenin

Diese Skulptur ist nicht (wie fälschlicher Weise leicht anzunehmen) ein sozialistisches Lenindenkmal, die dargestellte Person ist der berühmte polnischer Schriftsteller Janusz Korczak, der diverse Familiengeschichten geschrieben hat. Er arbeitete als Arzt und einflussreicher Pädagoge und wird von den Polen verehrt.

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Skuril: Damit die Leute nicht in den Büschen zum Pipimachen verschwinden, gibt es mitten im Park ein ToiToi-Klo.

Dazwischen immer wieder Straßenabschnitte, und auf einmal: Das Sony-Center !

sony-center

Auch in Warschau hat die Stencil-Art Einzug erhalten:

stencil

Ausserdem immer wieder interessante Architektur…

art-deco-neu

…dieses hier hat fast einen Touch Art Deco !

Da es zu Ostzeiten eigentlich keine klassischen Werbetafeln gab, wurde für Firmen und Kultureinrichtungen häufig kunstvolle Neonleuchten geschaffen – hier meine liebsten Entdeckungen:

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Ein Laden für Lacke und Farben

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Ein Theater.

Und hier kommt mein absoluter Liebling:

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Eine Disko !

Irgendwann erreichten wir dann die Altstadt…

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…und ich war baff. denn die ist wirklich schön !

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Das ist kein Blumenladen, sondern ein Restaurant mit Apothekerpreisen (sogar für westliche Geldbeutel)

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In vielen teilen der Altstadt fand sowas wie ein Open-Air-Galerie-Festival statt, genaueres konnte ich leider nicht herausfinden, aber im Zentrum der Altstadt gab es riesige Poster zu dem Thema „Coexistence“.

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Am besten gefiel mir dieses Bild:

open-air-gallery2

Aber es gab auch noch lustiges zu entdecken:

zamenhofa

Dies ist nicht die Bushaltestelle einer Samenbank. Zamenhof musste ich erstmal googlen. Es handelt sich um Ludwig Lazarus Samenhof, ein Russischer Arzt, der die Plansprache Esperanto begründete. Wieder was gelernt.

werbung

Gerne werden in Polen die Russen verunglimpft. Dieses Poster, das für eine Kulturveranstaltung wirbt, zeigt eine Matrjoschka Puppe und hing überall in Warschau. Die Matrjoschka steht in Russland Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit.

schaufenster

Und dann gab es da noch den Schaukasten mit liebevoll präsentierten Schuhen. „Aber trendige Schuhe“.

palme

Diese Palme ist eine Kunstpalme, errichtet von der Künstlerin Joanna Rajkowska. Die Idee dazu hatte sie nach einer Jerusalem-Reise, denn diese Palme steht in der Jerusalem-Allee. Eigentlich sollte die Palme nur befristet dort stehen, aber den Warschauern gefiel das Kunstwerk so gut, das sie es da behielten.

ampelmännchen

Und die Ampelmännchen in Warschau sind alles Bodybuilder ! breite Schultern und keinen Hals !

Ich muss einfach sagen, es hat sich gelohnt, mal ganz Tourist zu sein. Ich habe die Stadt von einer wunderbaren Seite kennengelernt und natürlich hat auch das gute Wetter dazu beigetragen, daß das alles etwas schöner als bei meinen vorherigen Besuchen war. Die Stadt bemüht sich sehr, Kunst- und Kulturmetropole zu sein und ist dabei überraschend innovativ. Im Gegensatz zu meinen vorherigen Besuchen blicke ich mit Freude auf meine Rückkehr.


2 Kommentare so far
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Ich bin bei meinem ersten, manchmal auch noch zweiten, Besuch in einer Stadt gerne Tourist, denn auch die Seite gehört zu einer Stadt dazu.

Danach dann wird der Aktionsradius individualisiert.

Kommentar von wortteufel

Um Warschau richtig kennen zu lernen brauchst du jemanden, der dort wohnt. Ansonsten wirst du vieles übersehen oder fälschlicher Weise als „kommunistisch/langweilig“ abstempeln, obwohl es sich um vorkriegs Art Deco handelt…

Das beste neon in Warschau ist übrigens die „Siatkarka“ (die Volleyball Spielerin). Du kannst sie ja beim nächsten mal suchen😉

Kommentar von guest




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