Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Beerdigung…und wie ich das gerne mal hätte. by artifischl
26 Juni , 2009, 7:04 pm
Filed under: Off-Topic | Schlagwörter: , , , , ,

Und noch ein Offtopic-Artikel, seltsamer Weise ist auch hier jemnad gestorben.

Gestern war ich auf einer Beerdigung. Meine ehemalige Apothekerin, gleichzeitig die Chefin meiner Ex-Freundin hat mit gerade mal 59 Jahren das Zeitliche gesegnet. Wie ich heute erfuhr, war sie zwar krank, aber das waren eher körperliche Probleme wie kaputte Knie, derbe Schmerzen im Rücken und sowas, aber nicht gerade lebensbedrohliche geschichten wie Krebs oder so.
Meine Ex rief mich vor einer Woche an und erzählte mir von dem Tod, fragte mich, ob ich vielleicht mit ihr zur Beerdigung gehen möchte. Ich stimmte zu und überlegte gleichzeitig warum. Ich war noch nicht auf vielen Beerdigungen, vielleicht muss ich mich langsam mal mit der Materie vertraut machen, denn mir viel sofort auf: Das sind nicht mehr die Großeltern von irgend jemand, sondern das sind Eltern oder zumindest Menschen im Alter von Eltern meiner Generation (ich bin jetzt 40), die da einfach so sterben.
Während dieser Überlegung kamen weitere Gedanken, bei denen ich mich fragte, ob ich mich dafür jetzt schämen muss, oder ob das ganz normal ist, darüber nachzudemken. Ich dachte (nicht zum ersten mal) über den zukünftigen Tod meiner Eltern nach. Beide sind noch richtig gut in Schuss, treiben Sport, sind geistig Superfit und jung geblieben. Aber sie sind auch beide ALT in dem Sinne, das man sich, wenn man das Alter hört, einen gebückten Greis vorstellt. Meine Eltern leben nicht mehr zusammen, beide weit weg von mir, meine Mutter beschäftigt sich wohl eher mit dem Thema, denn ich habe das Gefühl, mein Vater verdrängt es total. Ich habe vor 2 Jahren oder so mal versucht, mit ihm darüber zu sprechen, da hat er komplett abgeblockt. Und ich verschieb das von Jahr zu Jahr, ihn wenigstens soweit zu bekommen, das er sich mal 30 Minuten mit dem Thema beschäftigt, um mir und meinen Geschwistern mal zu erzählen, was er sich wünscht, was dann pasieren soll. Danach kann er das Thema ja wieder vergessen, aber wir wissen dann wenigstens mal bescheid.

Aber zurück zur Beerdigung. Die war irgendwie abstrakt. Natürlich hat eine Apothekerin, die den Laden in dritter Generation führt, einen großen Kreis an Freunden, Kunden, Geschäftspartnern, Kollegen und Mitarbeitern, die gerne Abschied nehmen möchten. Somit war die Kapelle in der der Trauergottesdienst stattfand viel zu klein für die Anzahl der Trauergäste. Mir war auf einmal bewusst, das ich schon seit vielen Jahren keinen Gottesdienst mehr besucht hatte – die letzten Beerdigungen waren alle nicht kirchlich und ich bin schon vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Aber damit war ich nicht allein. Beim Gebet faltete kaum jemand seine Hände und später am Grab sprachen nur sehr wenige das „Vater Unser“ mit. Ich hatte das Gefühl, das der Pfarrer nicht besonders gut vorbereitet war, jedes mal, wenn er den Namen der Toten nannte, stockte er kurz, um blos nicht den Falschen Namen zu sagen (es waren noch 3 weitere Beerdigungen an dem Tag angesetzt).
Nach der Rede bewegte sich der Trauerzug in die hinterste Ecke des Friedhofs. Ich hab ja Galgenhumor. Vor uns lief eine ältere Dame, die einen Regenschirm mit einem „Bei Grippe – Aspirin Plus C“-Werbeaufdruck aufgespannt hatte. So ein Regenschirm kann natürlich in der Apotheken-Szene schon mal vorkommen, provozierte mich aber trotzdem zu dem Gedanken: „Diese Beerdigung wurde Ihnen Präsentiert von Aspirin Plus C“ oder so ähnlich.
So richtig geil Pietätlos waren dann die Leute, die einfach über andere Gräber drüberstiefelten, um am Grab besser gucken zu können. Das sind warscheinlich die gleichen Leute die bei einem Autounfall auf der Autobahn extra zum gaffen anhalten und einen Stau verursachen, aber nie auf die Idee kommen würden, erste Hilfe zu leisten. Den Leichenschmaus haben wir uns dann nicht mehr gegeben, wir hatten genug vom herumstehen mit gegenseitigem „bedrückt um die Wette schweigen“.
Wenn ich mal das Zeitliche segnen sollte, muss sich wirklich keiner gezwungen fühlen, auf die Beerdigung zu kommen. Kauft keine Blumenkränze und geht statt dessen abends in der Bar 11, um Euch anständig von dem gesparten Geld zu besaufen. Wenn Ihr dann blau genug seid und etwas fröhlicher, weil Ihr Euch lustige Geschichten über mich erzählt habt, dann könnt Ihr noch ein wenig zu meinen Lieblingssongs abtanzen. Ich hinterlege rechtzeitig eine Playlist ! Und trefft Euch dann ein Jahr später zum Essen, um an mich bei diesem Menü zu gedenken: Als kleinen Starter gibt es natürlich Pflaumen im Speckmantel, danach Risotto Milanese mit masurischen Pfifferlingen, als Haptgericht eine 7-Stunden Lammkeule a la Antony Bourdain und zum Dessert eine Hausgemachte Torrone-Eiscreme. Ach ja, lasst bitte einen Platz für mich frei, gerne könnt Ihr Ein Foto von mir auf den Stuhl kleben. Ich hab mich noch nicht zwischen Sarg oder Einäscherung entschieden, was am billigsten ist, is mir recht denke ich. Aber vielleicht gibt es dann schon „Körper in den Weltraum beamen“, das fände ich lustig.
Und wenn ich dann weggebeamt werde, respektive in die Erde runtergelassen, oder die Asche sonstwo landet, dann spielt doch bitte „Snow (Hey Yo)“ von den Red Hot Chili Peppers (wird eventuell noch geändert🙂 ) So. Jetzt kann keiner meiner Freunde sagen er/sie hätte das nicht gewusst.


5 Kommentare so far
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Ok. Gespeichert.
Bar 11. Tanzen, saufen, feiern, lustige Geschichten über Dich erzählen.

Wird erledigt.

(Hoffe, ich bin dann verdammt alt…)

Kommentar von wortteufel

also, im Prinzip sollen wir das machen, was wir immer machen, wenn wir Dich in Berlin besuchen😉

Kommentar von wortteufelmann

ok, die wortteufels sind also schonmal dabei ! @ wtm: wie immer ist gut. „wie das eine mal“ währe ehrlicher gewesen. Ihr müsst unbedingt öfter kommen. Dann lass ich den Kommentar auch gelten🙂

Kommentar von artifischl

versprochen!
Wie wäre es mit dem Wochenende am 17. Juli?😉

Kommentar von wortteufelmann

Na gut, ich weiß dann Bescheid..Aber noch befinden wir uns ja hoffentlich eine ganze Weile noch auf der langen Graden vor dem Ziel, und wer da am schnellst ankommt bekommt dann von den anderen ordentlich einen gefeiert..und ein Essen ein Jahr danach, super idee…ich werd dann bei Gelegenheit auch mal meine Bestellung abgeben. Hauptsache wir haben noch viel Spaß bis dahin und sehen uns bald mal wieder.. Bussi und ein langes buntes Leben, Tina

Kommentar von Tina




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