Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Daniel and the Blacey Bunch by artifischl
13 Oktober , 2009, 11:48 pm
Filed under: Freunde | Schlagwörter: , ,

Ich war gerade knapp 17, also vor über 23 Jahren,  als ich Daniel Evans und die Blacey Bunch kennen lernte. Eine irgendwie zusammengewürfelte amerikanische Familie, die zur Zeit der vielen amerikanischen Militärstützpunkte nach Deutschland kamen und direkt gegenüber der PX (das war das Einkaufsparadies für Amis, weil es da alle durchgeknallten Ami-Lebensmittel gab) eine Wohnung in Frankfurt bezogen hatten.

Daniel hielt mich wohl für völlig normal, da er selbst der irrste Typ war, den ich bis dahin kennengelernt hatte. Da half es auch nicht, daß ich meine Haare an den Seiten abrasierte und den Rest mit Haarspray in Richtung Himmel aufstellte und seltsame Indiemukke hörte. Ich war zwar freakig, aber in seinen Augen sicher nichts außergewöhnliches. Seine Talent, wirklich immer in Schwierigkeiten zu geraten wo es gerade möglich war, hatte er wohl seiner enorm großen Klappe zu verdanken. Gleichzeitig schaffte er es aber auch, sich aus den meisten Problemen heraus zu quasseln, sein Deutsch war fehlerhaft, aber er sprach es so schnell, das es meist nur verwirrte Gesichter hinterließ. Und er war komisch, charmant offensiv und hilfsbereit. Gleichzeitig musste in seinem Kopf völliges Chaos geherrscht haben. Selten blieb er in einem Job länger als ein paar Wochen, bekam aber sofort den nächsten, indem er einen Redeschwall über seinen zukünftigen Arbeitgeber ergoss.

Daniel lernte ich über meinen damals besten Kumpel Stefan kennen, der wiederum extrem an Daniels Schwester Gloria interessiert war und auch immer bekam, was er wollte. Ein hartnäckiger Bursche. Daniels Schwester war eine attraktive, in meinen Augen typisch amerikanische junge Frau, wie ich sie vorher nur klischeehaft aus Teenie-Komödien kannte.

Außerdem war da noch Richard der Vater, der mir als sehr wortkarg und seltsam vorkam, aus heutiger Sicht aber ein richtig cooler Typ war. Einmal, als er Besuch von einem Freund hatte der Polizeichefinspektor oder sowas war, verteidigte er mich und mein Aussehen und machte seinem Kumpel klar, das nicht alle „Punks“ hirnlose Siffer sind, den, das war anscheinend die Meinung des Polizisten. Der lies mir später ausrichten, das er unser Gespräch sehr geschätzt hatte, was ich wiederum Richard sehr hoch anrechnete.

Eigentlich schreibe ich diesen Artikel aber wegen der wichtigsten Person in dieser Familie, die alles zusammen haltende Familienmutter Ada Blacey. Ich besuchte sie öfter wenn ich in Frankfurt war und konnte mich köstlich über ihr Dinglish und ihre sensationellen Fart-Jokes, ihre Lästereien und Familiengeschichten  amüsieren. Selbst zu der Zeit, als ich Daniel kaum noch sah weil er mittlerweile ausgezogen war, saß ich des Öfteren nachmittags in Adas Wohnzimmer und wir plauschten wie alte Kaffee-Tanten.  Aber wie das so ist oder war in der Post-Internet-Community-Zeit: Ich zog 1989 nach Berlin und man verlor sich aus den Augen. Bei einem meiner damaligen ersten Frankfurt-Besuche erwischte ich sie noch, bei einem erneuten Versuch ein paar Monate (oder Jahre?) später war aber kein Name mehr an der Klingel und die Wohnung verwaist.

Und dann die Überraschung: Letztes Jahr im Dezember erhielt ich über eine Freundschaftscommunity eine Anfrage von Ada, ob das wirklich ich bin und was ich so treibe. Und auch wenn der Mailkontakt nur sporadisch stattfand, freute ich mich über jede Mail mit „Weirdo Shit“ from the Internet und lustigen Bemerkungen zu meiner Bloggerei. Ada war begeistert von meinen Vorhaben und kommentierte gelegentlich meinen Blog. Sie schickte mir Fotos per Mail, pflichtete mir bei und vor allem brachte sie mich regelmäßig dazu, lautschallend lachend vor meinem Computer zu sitzen.

Und 2 Tage nach der Eröffnung meines Restaurant schaffte sie es dann auch noch, to make me voll krass feeling gerührt. Denn because I received this card in my polish Snail-Mailbox a Brief aus USA:

ada-karte

Eine liebevolle Karte mit aufgeklebtem Teller und Miniaturbesteck und der Aufschrift „It was Divine“. Darin bedankte sich Ada für die vielen Artikel, die sie fühlen lies, als wäre sie bereits bei mir essen gewesen.  Sie hatte sich extra die Mühe gemacht, das alles extra per Post zur Eröffnung aus Amerika nach Polen zu schicken.

Dear Ada, I was overwhelmed when I received this letter, it touched me and almost made me cry. I am so sorry that I have not answered earlier but I wanted to give it enough time and length so you will understand how much this meant to me. I wish, that I one day will get the chance to cook for you for real and not only virtually.
Please keep on writing comments in my Blog and make it more visible to the rest of the world. What a funny and lovely person you are. It will be divine for me hosting you and the whole bunch !


4 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

Das Leben geht manchmal verschlungene Wege. Aber die Karte ist wirklich toll und ich kann Ihre Rührung verstehen.
Ich hoffe, dass Sie wirklich mal für diese tolle Frau kochen können.

Kommentar von Sigrid

Dearest Chris,
I just discovered what you have written about the „Blacey Bunch“…It is beautiful and I’m overwhelmed with feelings of appreciation…..oh yes…I’m even crying (happy tears of course)
Chris, you have the most wonderful and pure heart. Will write to you soon, but in the mean time, I can only say: THANK YOU“!!!
PS:Also „thanks“ to all the nice people who comment on that story🙂

Kommentar von Ada Blacey

Eine wirklich schöne Geschichte!

Kommentar von Poulette

Sabine, ueber Chrises Blog about the Blacey’s

Hallo Adelinchen,

Habe den „Blacey Bunch“ gelesen, fand es total süss geschrieben und musste lachen :O) Auf jeden Fall hat er das alles gut getroffen (vor allem was Daniel betrifft)………..

Kommentar von Ada Blacey




Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: