Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Entspanntes warten by artifischl
29 März , 2010, 6:16 pm
Filed under: Dinnerparty, Freunde | Schlagwörter:

Mittlerweile gibt es hier im Restaurant eine regelmäßige Verantaltung, das „Bring-Your-Own-Bottle-Dinner“. Alle 2 Wochen Montags, das Restaurant ist geschlossen. Die geladenen Gäste (maximal 18) sitzen alle an einem Tisch, es ist so ein bisschen, als würde man zu Hause eine Dinnerparty veranstalten. Nur das die Gäste nicht immer Freunde (oder „noch-nicht-Freunde“) sind, und daß für das Menü bezahlt wird. Allerdings ein sehr reduzierter Preis. Meistens gibt es dann etwas zu essen, was ich schon immer in einer Profiküche zubereiten wollte, was aber für ein A-La-Carte-Menü ungeeignet ist. Letztes mal z.B. honiglackierte Wachteln. Heute gibt es als verfrühtes Osterspecial natürlich mein liebstes – Lamm:

Und zwar ganz klassisch. Mit dem kleinen Unterschied, das ich für die Personenanzahl 4 Lammkeulen gekauft habe und nicht (wie sonst üblich) eine. Normale Weise versuche ich ja, regionale Produkte zu verwenden, aber besonders beim Fleisch mache ich da in Polen eine Ausnahme:
Beim Rinderstreak gibt es bei mir nur Argentinisches. Und das Lamm-Pendant zu Argentinischem Rind ist die Neuseeländische Keule. Scheiss auf Slowfood und lange Transportwege die Qualität ist einfach sensationell. Von 4 Keulen mit einem Gesamtgewicht von 7,4 kg habe ich das Fett abgeschnitten und gewogen. Insgesammt gerade mal 365 Gramm. Also etwa 1/20 des Gewichts. Beim Türkenmetzger in Berlin geht das Lamm mit einem drittel Fettanteil über die Theke.
Zubereitung: Lammkeulen in bestem Olivenöl anbraten und zur Seite stellen. Karotten und Sellerieknollen in grobe Würfel schneiden und im Öl mit etwas Tomatenmark anbraten. Wer mag, kann Oliven, getrocknete eingelegte Tomaten und ein paar Knoblauchzehen dazu geben. Mit Rotwein ablöschen. Die Keule mit Küchengarn und ca. 10 Rosmarienzweigen umwickeln, auf das Gemüse legen und bei 170 Grad etwa 3 Stunden in den Ofen schieben. Zwischendurch 1 mal wenden und gelegentlich Flüssigkeit (Wein oder Lammfond) nachgießen.

Das ist schon alles. Ich reiche dazu ein Pesto, das ich aus Bärlauch und Walnüssen hergestellt habe, und natürlich das Gemüse aus dem Ofen, vielleicht noch ein wenig gedünsteter Mangold.

Als Vorspeise reiche ich heute Frische feigen mit Honig karamellsiert auf Ruccolasalat (der wilde salzige leicht scharfe, nicht der Billigshit der nach nichts schmecht), darüber mit dem Kartoffelschäler grob geriebener Parmesan.

Als Dessert gibt es einen Karottenkuchen mit etwas Mangosorbet.

Wenn ich nicht SCHON WIEDER das Fotografieren vergesse, poste ich die nachträglich !

Ach so, da war ja noch der Titel dieses Blogs: Entspanntes warten. Obwohl ich beim Backen überhaupt keine Geduld habe (also Kuchen oder sowas), gelingt mir das bei Fleisch ohne irgendwelche Panikatacken. Wenn alles im Ofen (und selbiger programmiert) ist, lehne ich mich sehr entspannt zurück, schreibe z.B. solch einen Eintrag und genieße dazu den Rest des mitgebrachten Äpplers der Wortteuffels. Engegen deren Ansage ist der auch noch knapp 2 Wochen nach dem öffnen durchaus genießbar ! Dazu läuft Mukke von Adele (ja, genau die, die immer auf der Suche nach Bürgersteigen ist). Der Abend wird bestimmt großartig. Und jetzt summt der Ofen. Das Lamm will gewendet werden !

Advertisements


Anruf by artifischl
27 März , 2010, 12:38 am
Filed under: schwierige Restaurantgäste | Schlagwörter:

Kunde: „Guten Tag, Mein Name ist ***** von der Kanzlei  ****** , ich habe eine Frage, liefern Sie Ihr Lunch-Menü für 17 zl auch frei Haus ?“

Koch: „Nein, wir liefern nicht, aber Sie können das abholen, als take-away sozusagen“

Kunde:“Aha, gut. Sie schreiben hier in Ihrem Menü, es gibt heute ein Ragout mit Rotwein. Wie wird denn dann der Rotwein geliefert? Und wie viel bekomme ich?“

Koch:“ Ich glaube, das haben sie missverstanden, der Wein ist IN dem Ragout! In der Sauce !“

Kunde:“Wie ? Ach so. Und den kann ich nicht separat bekommen?“

Koch: “ was ?“

Kunde:“wie, WAS ? Ist doch ganz einfach: Können Sie den Rotwein nicht einfach in meiner Portion weglassen und mir den separat geben?“



Mitbringsel für Foodies by artifischl
24 März , 2010, 9:06 pm
Filed under: Märkte | Schlagwörter:

Meine liebste, ihres Zeichens Theaterschauspielerin vereist 2-3 mal im Jahr mit dem Ensemble zu Gastspielen ins europäische Ausland. Letzte Woche ging es nach Südostitalien, genauer gesagt nach Barletta in Apulien.

Habe ich schon mal erwähnt, das meine Süsse eine großartige Lebensmittel-Mitbringerin ist ? Auf jeden fall ist für mich seit Montag Abend sowas wie Schlaraffenland zu Hause:

Da hätten wir: jede Menge Primitivo, Salami, Käse, Tomaten-Pepperoni-Creme, Grappa, Kekse, Lavazza (ja, gibt es auch in Polen, kostet da aber das doppelte)  und Lila und grüne Oliven. Letzte sind von einer so sattgrünen Farbe und großartigem Geschmack – ZUM NIEDERKNIEN, das man eigentlich nicht am Kühlschrank vorbei kommt, ohne mindestens 2-3 davon zu naschen. Und wenn man dann schon mal die Tür offen hat, packt man die Salami aus (nur ein Scheibchen…ok, noch eins, diesmal eeeetwas dicker), und plötzlich steht alles auf dem Tisch, man bestreicht lecker Brot und genießt das Leben ! Irgendwas machen die Italiener verdammt richtig !



Aus aktuellem Anlass… by artifischl
24 März , 2010, 8:51 pm
Filed under: Off-Topic | Schlagwörter: ,

…ein Clip, als der olle Raab noch sensationell war. WÖÖÖÖRD !



Das besondere Restaurant , Folge 2 : Das Japanische Restaurant ‚Mikuni‘ in Frankfurt by artifischl
20 März , 2010, 6:26 pm
Filed under: Essen gehen, Restaurantgeschichten | Schlagwörter: , , ,

und weil es so schön war, hier gleich noch ein Artikel von TheEverlastingClub

Es sind diese Tage an denen es draussen regnet als hätten Sie im Himmel alle Schleusen geöffnet, an denen mich die Sehnsucht nach asiatischem Essen besonders heftig überkommt. Wenn mich der Regen an den Monsun vergangener Tage in Fernost erinnert und ich die deutsche Mahlzeit auf dem Teller vor mir weniger aus  Genuß als des puren Hungers wegen esse. Dann ist es mal wieder Zeit das Fernweh mit dem Besuch eines asiatischen Restaurants zu bekämpfen.

Tief im Herzen Frankfurts gibt es diese alte Sushi-Bar, eine, die diesen ganz besonderen Charme hat, als wäre sie da schon vor 100 Jahren gewesen. Wäre man in Japan, man würde es fast glauben das es so ist. Die Einrichtung ist schlicht, sehr schlicht. Der Tresen alt, voller Kratzer und Furchen. Die Hocker an der Bar sind jedoch doppelt so breit wie in anderen Sushibars, dem Besitzer ist es nicht wichtig so viele Gäste wie möglich über den begrenzten Raum zu verteilen. Man soll sich wohl fühlen, es gemütlich haben. Mein dicker Hintern dankt es ihm. Sofort kommt mir diese erste, einsame, Schlüsselszene aus Ridley Scott’s „Blade Runner“ in den Sinn : „Gib mir zwei. Zwei! Und Nudeln!“ läßt der Regisseur Harrison Ford im strömenden Regen zu dem Japaner sagen. Wenn um einen herum die Welt versinkt können kleine asiatische Happen zu einer Insel der Glückseligkeit werden. Ich bestelle auch Nudeln. Und zwar Soba. Das sind kalte Buchweizennudeln, die in einem kleinen Lackkörbchen serviert werden. Dazu gibt es ein Schälchen mit Sauce, eines mit kleingehackten Schalotten und etwas Wasabi. Man rührt alles in der kalten Sauce zusammen und zieht dann die Nudeln durch. Schlürfen ist erlaubt, es schmeckt himmlisch. Zwar fehlt das rohe Wachtelei das früher immer traditionell und mittlerweile nur noch manchmal in den ganz teuren japanischen Restaurants dazu serviert wird, aber darauf kann man auch verzichten.

Was trinken wir dazu ? Natürlich Sake. Draussen ist es zwar winterlich  kalt, trotzdem möchte ich gerne den kalten Sake in der Holzbox. Dazu ein kleines, hübsches Keramik-Schälchen mit Salz, daß man wie beim Tequila dazu nehmen kann. Man streut es einfach auf den dicken Rand des Holzkistchens aus dem man den Sake schlürft. Den Filmfreunden unter den Lesern sei an dieser Stelle gesagt, daß es eine wunderbare Szene in dem zu großen Teilen in Japan spielenden James Bond –  Film „You Only Live Twice“ gibt, in der Bond einmal nicht den obligatorischen Martini drinkt, sondern Sake. Und natürlich perfekt temperiert auf 98,4 Grad Fahrenheit. Die Szene hat mich zwar ebenso nachhaltig geprägt wie die eingangs erwähnte Sequenz aus Blade Runner, trotzdem sind warme Getränke mein Ding noch nie gewesen.

Ein freundlicher Japaner läßt sich neben mir an der Theke nieder. Ob er denn auch einen kalten Sake haben wolle, fragt der Chef. Der Japaner winkt dankend ab und bestellt sich einen warmen Sake, guckt mich ungläubig an, kommt mit mir trotzderm in’s Gespräch. Mehr japanische Gäste fluten das Lokal. Alle werden vom Chef und den Girls aus dem Service lautstark begrüßt, wie das in Japan üblich ist. Die flotte Bedienung bringt kleine Krüge mit frischem Sake. Ich erkläre das der kalte Sake an einem Wintertag genau so zu wärmen vermag, wie der heisse – wenn man nur genug davon trinkt!  „Das ist Ihr Motto!“  ruft mir die  Bedienung zu. Alle lachen. Die  Bedienung gießt mir vom grünen Tee nach. Und vom Sake.

Inzwischen stehen etwa 12 verschiedene Schälchen auf der Theke vor mir. Warme Miso Suppe, mixed Pickles die dazu serviert werden, Soja Sauce, Wasabi, Schalotten, etwas Tempura (frittierter Fisch und frittiertes Gemüse), Soba Nudeln, Sauce, grüner Tee, Sake. So macht japanisches Essen Spaß und der graue Wintertag bleibt draussen.

Das Restaurant füllt sich. Man sitzt an der Theke und zelebriert die Rohfischauswahl des Tages. Nie weiß man, wer sich dazu setzen wird. Das muß man natürlich mögen. Es macht Spaß sich mit anderen Genießern quer über den Tresen zu unterhalten und dem Meister auf der anderen Seite die Bestellungen zuzurufen. An Sushitheken habe ich interessante Menschen aus der ganzen Welt getroffen. Es fallen die in Restaurants sonst üblichen Hemmschwellen. Das gilt vor allem auch für den Verzehr der Speisen. Noch nie (ich betone : NIE) hat sich in einer japanischen Sushi-Bar nämlich Jemand darüber beschwert, daß sein Nachbar Schlürf- oder Schmatzgeräusche von sich gibt.

An dieser Stelle sei für die Filmfreunde unter den Lesern der kongeniale Streifen „Tampopo“ erwähnt, der sich unter unzähligen anderen Varianten der japanischen Küche vordergründig mit der Problematik beschäftigt, in Flüssigkeit gebettete Nudeln auf die richtige Art und Weise zuzubereiten und weiterhin unter Zuhilfenahme zweier, etwa 3 Millimeter breiter Holzstäbchen, zum Mund zu führen und zu verzehren. Für Nicht-Asiaten ein ohnehin schon fast unmögliches Unterfangen, gelingt dies den meisten Japanern ohne die Erzeugung heftiger Schlürfgeräusche nämlich ebenfalls kaum.

Das Gesicht vom Chef hinter der Bar ist genau so tief zerfurcht wie das Holz des Tresens vor mir. Der Mann arbeitet ruhig und konzentriert, findet aber immer Zeit für einen netten Kommentar, läßt seinen Laden nie völlig aus den Augen. Ein schneller Blickkontakt. „Sushi! Toro, Maguro, Ebi und Uni“ ruf ich ihm zu. „Hai!“ kommt es zurück. Dann laut und kräftig ein Schrei : „Aaaah, Uni heute leider nicht mehr!“. Ich bin immer wieder amüsiert von diesem befehlsmäßigen Ton, der aber durchaus freundlich gemeint ist. Uni, daß ist Seeigel. Als kleines Kind habe ich Franzosen zugesehen wie sie die Dinger aus dem Wasser gefischt, aufgehackt und ausgelöffelt haben. Viele Jahre später konnte man mich davon überzeugen das das Zeug tatsächlich toll schmeckt. Schade das es aus ist. Maguro ist quasi der Standard beim Sushi, nämlich Tunfisch. An dem könnte ich mich, Verzeihung, totfressen. Mein Favorit, und nicht zu teuer. Auch wenn weltweit die Tunfischbestände rasant schwinden weil die Japaner die Meere leerfischen.


In Deutschland liebt man ja den Lachs, der in Japan „Sake“ heisst, wie der Wein. Aus dem fetten Lachs mach ich mir eher weniger, wie auch die meisten Japaner nicht. Der reicht mir einmal im Jahr zu Weihnachten geräuchert auf Toast mit Meerrettich und Lemone. Toro ist dann der Bauch vom Tunfisch und eine Delikatesse die langsam auf der Zunge schmilzt. Puristen bestellen sich den Toro ganz ohne Reis als „Sashimi“, dazu ein paar „Nori“ Blätter. Ebi sind gekochte Garnelen. Die Ebi zusammen mit Fischrogen und Avocadoscheiben, eingerollt in Seetangblätter (das nennt man dann „Maki“ Rollen) ergeben die von mir hoch geschätzte „California Roll“.

Die Sushi schmecken fabelhaft, eine großzügige Portion Fisch liegt wie gemalt auf einem kleinen Bällchen gesäuertem Reis. Der scharfe Wasabi, den man am besten in  wenig Sojasauce auflöst in die man dann die Sushi dippt,  macht die Nase frei. Sushi-Novizen machen häufig den Fehler, die Häppchen in Sojasauce zu ertränken. Eine westliche Unart die garnix bringt, ausser das am Ende alles nur noch nach salziger Sojasauce schmeckt.

Das Essen macht auch deshalb so viel Spaß weil es in diesem Restaurant die dicken, polierten, original japanischen Stäbchen gibt, die am Ende Spitz zulaufen. Alleine die Haptik dieser Stäbchen liefert eine zusätzliche Genusskomponente. Ich meine, nix gegen die hölzernen Wegwerfstäbchen die man mit einem leisen „Knack“ auseinanderbricht und dann solange gegeneinander reibt, bis potentielle Holzspäne abgefeilt sind, daß sorgt natürlich auch für einen gewissen Kick und ist beim Discount-Asiaten nicht zu vermeidendes Standardprogramm. Ich finde aber das man hochqualitative Sushi-Happen lieber mit den „echten“ Stäben aufnehmen sollte. Und der Chef findet das auch.

Zum Abschluss dann noch etwas Anago. Das ist Aal. Der wird mit einer reduzierten, dicken Sauce auf Basis von Sojasauce, Mirin und Sake bestrichen. Sieht aus wie Schokolade und schmeckt süßlich-herb. Das ist toll zum Aal und immer wieder ein passender Schlussakt eines ohenehin Zen-gleichen Menus.

Eine Art Glücksgefühl macht sich breit. Die Hälfte der Gäste sind Japaner. Bestellungen werden nun häufiger ausgerufen. Mehr Sake fließt. Ambiente, Geschmack, Sprache & Geruch, alles hängt schwer in der Luft wie aus einer fernen Welt. Dies ist ein Ort den man nur sehr ungern wieder verläßt.

Ein paar Worte zum Preisgefüge. Vielleicht entsteht nach den blumigen Schilderungen der Eindruck das dies alles sehr teuer sein muss, aber dieses Lokal ist nicht teuer! Im Gegenteil. Neuerdings suggerieren uns Billig-Sushi-Läden immer häufiger einen Preisvorteil. Geht man dann aber dort essen muss man leider feststellen, daß diese Orte absolut nichts von dem zu bieten haben, was eine klassische Sushi-Bar ausmacht, daß die Sushi dillettantisch zubereitet sind (viel zu dicke Reisbollen mit einem Hauch von Fisch) und auch sonst wenig Freude aufkommt. Im schlimmsten Fall ziehen die vorgefertigten Happen schon eine ganze Weile ihre Kreise auf dem Fließband vor einem. Nein, solche Orte meide ich lieber. Sicher, es gibt, wie überall, auch die japanischen „Nobel“ Restaurants in denen man bequem hundert Euro und mehr pro Person am Abend lassen kann. Im Mikuni läßt es sich aber fantastisch Speisen, ohne das auch nur die Hälfte dieses Betrags erreicht wird.

Und für die Liebhaber guter Filme – Japanisches Essen im Film :

1. „Blade Runner“, (Erklärter Lieblingsfilm des Autors) , Eröffnungs-Szene mit Harrison-Ford der im prasselnden Regen Sushi & Nudeln ordert. Eine cineastische Freundin nannte „Blade Runner“ kürzlich den „wichtigsten Film der letzten 30 Jahre“.

2. „James Bond – Man lebt nur zweimal“, Szene mit Sean Connery und dem Chef des Geheimdienstes „Tanaka“ beim Sake-Trinken im Zug.

3. „Die Wiege der Sonne“ , Sean Connery, einfach klasse im schwarzen Armani Anzug, erklärt an der Sushi Bar die japanischen Gepflogenheiten.

4. „Tampopo“, DER ultimative Japan-Food-Klassiker!



Sich einmal durch den Planeten futtern. Die ITB in Berlin. by artifischl
19 März , 2010, 8:47 pm
Filed under: Märkte | Schlagwörter: , ,
Der EverlastingClub hat mal wieder nen Artikel geschrieben, den MUSS ich natürlich hier veröffentlichen. Ich wünsche gute Unterhaltung…

Ich stehe vor dem Informationsschalter der Halle „1“ auf dem Berliner Messegelände. Das Problem ist, daß ich zu Halle „26“ muss und die Beschilderung um mich herum in etwa so hilfreich ist, als hätten sie Tafeln mit „dahin“, „dorthin“ und „weiterhin“ aufgestellt. Bevor es also so richtig los geht und wir hier, wie üblich, über all die guten Dinge sprechen, dürft ihr erst mal zusammen mit mir leiden :

TEC : „Hallo. Wie komme ich bitte zu Halle 26 ?“

Tussi am Infostand : Steht da und GLOTZT

TEC : (Checkt kurz sein Gesicht im Schminkspiegel der Begleitung. Nein, es klebt keine Scheisse an der Backe). „Ähm. Halle 26 ?“

Tussi am Infostand : Steht da. Dumm, stumm und GLOTZT. Ausdruck des Entsetzens auf Ihren Gesichtszügen.

TEC : „Gibt es da ein größeres Problem ?“

Tussi : „Sie wollen zu Halle 26?“

TEC : „Ja.“

Tussi : „Also.. also det is EIGENTLICH SEHR WEIT.“

TEC : „Es gibt 26 Hallen. Ich bin hier in Halle 1. Hab ich mir ja schon gedacht das es WEIT ist…“

Tussi : „Ja. Eben.“. Steht da. GLOTZT.

TEC : „Ich würd da aber EIGENTLICH schon gerne hin… Also ? Hmm ? Naa??“

Tussi : „Ja aber..“

TEC (echt sauer) : „Und zwar JETZT GLEICH!!!“ (Die Begleitung wendet sich peinsam betreten ab)

Tussi : Seeeeuuufzt. Stöhnt. „Nagut. Denn kieken mer mal.. aaalso…“

Ich erspar Euch den Rest. Das wirklich Schöne an diesem Erlebnis war, daß es danach nur besser werden konnte und auch wurde. Vielleicht wollten Sie wegen Überfüllung ne Art Vorselektion („Alder. Du kommst hier net rein!“) machen, oder Wowereit praktiziert Hessen-bashing aus Hass auf Roland Koch, vielleicht lags auch an meinem T-Shirt („Ganz Berlin mit dem Brechreiz ringt, wenn der Kuhdamm erst nach Handkäs stinkt!“). Ich weiss es nicht. Könnte ich zeichnen und wäre mein Name ‚Edeka‘ (begnadeter franz. Künstler) würd‘ ich nen Comic draus machen (in diesem Zusammenhang sei der Comic  „Einen Franzosen auf Urlaub fangen“ vom  nämlichen Künstler sehr empfohlen). Aber egal.

Messen. Können ganz toll sein, müssen sie aber nicht. Ich reiss mich nicht so wirklich um Messen, aber diesmal war es dann doch „ganz toll“.

Das wir geschäftlich in den Asien-Pavillion mussten öffnete uns ein Tor in ein kulinarisches Wunderland, denn die Aussteller der ITB waren durchaus darum bemüht den Besuchern auch die kulinarischen Spezialitäten ihrer Länder zu präsentieren. Zwar nicht immer unentgeldlich und manchmal nicht unbedingt in bemerkenswerter Qualität, aber insgesamt dermassen abwechslungsreich und untermalt mit quietschbunten, grandiosen Messe-Bauten, Shows und Musik (ich fand den asiatischen Pavillion den mit Abstand am schönsten), daß wir uns teilweise vorkamen wie Alice im Wunderland.

Eine Offenbarung war dann auch das direkt neben unserem Stand „Indonesian Coffee“ platziert war, und wir uns während der ganzen Zeit kostenlos mit frischem Kaffee versorgen konnten, von dem es jeden Tag eine andere Sorte (!) gab. Aus Bali, aus Papua Neuguinea, Aus Sumatra… Die Sensation : Den teuersten Kaffee der Welt, nämlich „Kopi Luwak“, gab es auch! Der wird in den Metropolen für durchschnittlich € 15,– die Tasse verkauft. Warum der so viel kostet ? Ganz einfach : Gewonnen wird der Kaffee aus Bohnen, die zuvor von einem niedlichen kleinen Tierchen, dessen Namen ich jetzt leider vergessen habe (ist aber auf der Packung abgebildet) AUFGEFRESSEN werden. Die Böhnchen durchwandern dann den Verdauungstrakt des posierlichen Nagers, wobei ihnen bestimmte Enzyme zugesetzt werden die sich extrem positiv auf die geschmackliche Veränderung der Bohnen auswirken. Tja, und wie bereits Helmut Kohl sagte : „Wichtig ist dann nur was hinten raus kommt!“. Hier gibt dann wirklich jedes Böhnchen ein Tönchen, und wer davon noch nicht abgeschreckt wird macht sicherlich auch vor dem Schnäppchenpreis keinen Halt.

Mir hat der Kaffee jedenfalls geschmeckt, für manch anderen war er für den Arsch.

Weiter ging es dann zu Garuda Airlines. Ja, die fliegen wieder! (O-Ton der begeisterten Mitarbeiterin : „We have a new plane!“). Aha.  Ich erinnere mich das mir bei Garuda mal der Sitz kaputt ging, mir Wasser auf den Kopf tröpfelte und die Verkleidung abfiel, und zwar alles auf dem selben Flug. Das indonesische Essen schmeckte allerdings immer sehr gut. Deshalb haben sie auch das fabelhafte Nationalgericht „Rendang“ angeboten, wenn auch in sehr kleinen Portiönchen.

Aber ich bekam Nachschlag. Es war köstlich. Rendang ist eine Art Fleisch-Curry-Eintopf der mindestens 5 Stunden langsam einköcheln muss. Dabei entsteht eine wunderbar zart-sämige Kokos-Rindfleisch-Masse. Stellt Euch eine Kreuzung zwischen einem ungarischen Pörkölt und einem indischen Curry vor, dann habt ihr es ungefähr.

Etwas weniger lecker war gegenüber bei Korean Air das hoch angepriesene BIBIMBAP. Hier war der Name Programm. Das Zeug wurde mit Mikrofon, Beamer-Leinwand und eingeflogener Chefköchin promotet – so wirklich überzeugen konnte es mich dann aber nicht. Eine Art asiatischer Risotto welcher, naja, geBAPT hat. Im Flugzeug würde man das Zeug wahrscheinlich begeistert runterschlingen, auf dem Boden zählen dann doch wieder andere Maßstäbe.

Die Phillipinen waren dann etwas knausriger. Ausser kleinen Schälchen mit leckeren Bananenchips konnte man am Stand nichts futterbares entdecken. Machte aber nix, denn auf dem Weg zu den Toiletten musste ich da mehrmals am Tag vorbei und die Bananenchips waren ein schöner Snack um den ca. 3 Kilometer weiten Marsch zu überbrücken. Lustig war der knallbunte Messestand. „Mabuhay“ heist soviel wie „Hallo“ auf phillippinisch. Wir lernten dann den Inhaber des einzigen Phillippinischen Restaurants Berlins kennen das auch „Mabuhay“ heisst und machten natürlich sofort einen Tisch für den Abend klar, aber dazu später mehr.

An einem anderen Tag besuchten wir den Stand von Malaysien. Dort erzählte uns ein stolzer Koch das er „Nasi Lemak“ nach dem Originalrezept zubereiten würde. Das mussten wir natürlich schon noch probieren. „Nasi Lemak“ ist im Prinzip Reis mit allerlei Kleinigkeiten dabei, eher so ne Art „Arme Leute Essen“, aber sehr lecker. Auf dem Foto im Uhrzeigersinn : Frische Gurken, Tofu mit Chillie, selbstgemachtes Sambal, Tintenfische mit süßer Soße, winzige knusprige Fischchen und ein Ei. Lecker.

Die Thais hatten im Pavillion irgendwie die Vorherrschaft. Nicht nur das die einzelnen Stände ausgesprochen schön waren und Uhrlaubssehnsüchte weckten, es gab auch 2 Profiküchen mit einer großen Auswahl an wunderbaren Gerichten, die man allerdings auch in jedem besseren Thairestaurant bekommt. Bemerkenswert war die Auswahl an original Thailändischen  Süßspeisen, die man nun wieder in fast keinem der mir bekannten Thairestaurant angeboten bekommt, was sehr schade ist. Die grünen Kokosnuss-Schichtkuchen waren jedenfalls sen-sa-tio-nell.

Das Beste zum Schluss : die Abteilung Vietnam überraschte mit der traditionellen „Pho Bo“. Das ist eine wunderbare Suppe mit Rindfleisch und ganz vielen frischen Kräutern, wie Basilikum, Minze usw. die zum Teil mitgekocht, zum Teil frisch drübergestreut werden. Eine absolute Geschmacksexplosion, dabei herrlich leicht und wunderbar frisch. Beim nächsten Besuch eines Vietnamesischen Restaurants unbedingt probieren, die meisten Vietnamesen in Deutschland haben das auf der Karte.

Bei meinen spärlich gesähten Exkursionen zu den Aussenbezirken entdeckte ich dann irgendwann, daß man sich wohl auch in den Europäischen Pavillions einen Ranzen hätte anfuttern können, aber bedingt durch einen Haufen Arbeit am Messestand blieb mir dies dann leider verwehrt. Vielleicht beim nächsten Mal.

Achja, in dem phillippinisch-indonesischen Restaurant „Mabuhay“ waren wir am Abend dann auch noch. Das sehr schlichte „Restaurant“ ist ein kleiner, kahler Raum mit maximal 20 Sitzgelegenheiten, die meisten davon an EINEM großen Tisch an dem sich den ganzen Abend lang die fast ausschließlich asiatischen Gäste dazugesellten, mit denen wir dann zu vorgerückter Stunde noch Karaoke gesungen haben. Das Restaurant serviert die in Deutschland so gut wie nicht zu bekommenden phillippinischen und indonesischen Spezialitäten zu unglaublich günstigen Preisen. Für unter € 8,– bekamen wir einen riesigen, knusprig gebackenen Fisch mit einer Soße zum niederknien. Das Hühnchen „Adobo“ Style, eine phillippinische Spezialität,schmeckte dann auch genau so gut wie die zahlreich aufgetragenen anderen Speisen an die ich mich im Einzelnen nicht mehr so gut erinnern kann, weil wir Gebrauch vom ebenso erwähnenswerten Service machten, unseren eigenen Wein mitbringen zu dürfen und dafür eine Pauschale zu entrichten. Wein-Nachschub gab es direkt schräg gegenüber. So wurde aus dem Gelage eine unvergessliche Orgie. Bildmaterial gibt es keines. Die wenigen Bilder die was geworden sind sollte man der Nachwelt besser vorenthalten. Das Restaurant findet ihr i.d. Nähe des Potsdamer Platzes.



Molekularküche in der Kuchnia Chrisa ? by artifischl
15 März , 2010, 6:49 pm
Filed under: In der Profiküche | Schlagwörter: ,

Heute feiert das Irische Konsulat bei uns St. Patricks Day, eine geschlossene Gesellschaft mit lauter „ichbinwichtig“ Leuten, da mus der Schickeria von Posen mal was geboten werden. Kurzerhan hat die Botschaft in Warschau die Veranstaltung in die Hand genommen, und heute eine völlig unfähige Eventorganisatorin geschickt, die nur merkwürdige kommentare macht und uns jede Stunde mit noch einer neuen Sache überrascht, die wir irgendwie organisieren sollen. Nerv.

Der wohl wirkliche Star des Abends aber ist der polnische Vertreter der Moleküche, Wojciech Amaro. Wer mal gucken möchte:

http://www.kprb.com.pl/amaro/

Eigentlich ein ganz netter, aber beim ersten Gegenübertreten, ein wenig arrogant wirkender Chef. Vielleicht hatte er auch zu wenig geschlafen, denn später entpuppte er sich doch als ganz freundlich. Egal – auf jeden Fall reiste er mit 2 Assistenten und einem riesen Gerümpel und Equipment an. Dann kam der Wagen der das Flüssiggas lieferte:

Ich finde den Molekram ja ganz nett, auch wenn das nach meiner Meinung wenig mit Kochen zu tun hat. Eher vielleicht Performancekunst, bei der Lebensmittel eingesetzt werden. Ich hoffe, bald darüber schreiben zu können, was passierte (wenn er das Theater nicht in die Luft jagt 😉 !