Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Erkenntnis – Kindheits-Restauranterinnerung by artifischl
6 März , 2010, 7:37 pm
Filed under: Restaurantgeschichten, Uncategorized | Schlagwörter: ,

Ich könnte mich jeden Tag ein bisschen mehr darüber aufregen, das ich nicht mein ganzes Leben beruflich mit Lebensmitteln und Essen zu tun hatte. Natürlich habe ich täglich  mit diesem Gastrobusiness zu kämpfen, aber es ist genau das was ich will. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann war es IMMER meine Leidenschaft, aber ich habe das erst viel zu spät erkannt.

Als ich ein Kind war, besuchte ich it meinen Eltern und meinen Geschwistern oft das Restaurant „Tonini“ in Dreieich bei Frankfurt und „La Pergola“  in der Frankfruter Nordweststadt vom besten italienischen Restaurant aller Zeiten in Deutschland, geführt von Franco (Leider ist das Restaurant nicht mehr existent).

Da im Tonini oft viel los war, mussten wir auf das Essen (gefühlt)  lange warten. Für uns Kids fürchterlich langweilig. Mein Bruder und ich gingen also meistens in den Keller des Restaurants, da gab es eine Kegelbahn (nix Bowling) und sahen hessischen Rentnern beim Kugelwerfen zu. Bis mich ein Kellner (der wohl sehr weise war und meine zukünftige Passion riechen konnte) eines Tages vom Tisch weg entführte und in die Küche brachte. Dort durfte ich einem riesigen Team von Köchen – alles echte italienische „Gastarbeiter“ – bei ihren Künsten zusehen. Ich saß also, wenn man in die Küche kam links an der Wand auf einem Plastik bezogenen Hocker, neben mir der Gang, durch den mit lautem Gezeter die Kellner huschten und auf der anderen Seite des Gangs erstreckte sich ein 20 Meter langer Edelstahltresen, der die – für mich als Kind – gigantische Küche vom Gang trennte.

Ich hatte vollen Blick auf das Treiben der Köche, vom Tresen gingen 3 Gänge ab, in meiner Erinnerung waren diese voll mit Herden, allerdings keine Platten,  – hier wurde mit Feuer gekocht. Nicht mit Gas. Wenn einer der Köche eine Pfanne anhob, stiegen Holzfeuerflammen von unten hoch und obwohl dieses Spektakel für einen 7-Jährigen bereits beeindruckend genug war, setzten die Köche noch einen drauf und flambierten mit explodierenden Flammen, was immer zu flambieren geeignet war.  Alle paar Minuten lockte mich einer der Köche ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können an den Tresen, um mich mit irgendeiner Leckerei zu füttern. Ich würde nun gerne schreiben, das ich deswegen heute so ein Foodverückter bin, genau deswegen ein Restaurant eröffnet habe und meine Freizeit in der Küche verbringe. Aber das wäre nicht die Wahrheit. Denn damal war ich zu schüchtern, oder anders erzogen, oder was auch immer. Ich lehnte das meiste angebotene ab, liess mir doch nach langem Zögern dann doch die leckersten Pasta Cabonara und ein wenig frisch geschlagene Zabajone (als 7-Jähriger !) in den Mund schieben. Ich erinnere mich, als wäre es gestern, das alles sensationell lecker war.
Nach diesem Erlebnis antwortete ich für ein paar Jahre, das ich Koch werden möchte, wenn ich nach meinem Berufswunsch gefragt wurde. Leider habe ich dieses Ziel in meiner Teenagerzeit völlig aus den Augen verloren. Entweder, weil sich mein Interesse an allem was mit Computern zu tun hatte verstärkte, ODER weil mir der Beruf des Kochs (und das finde ich heute ganz schrecklich bedauerlich, sowas mal gedacht zu haben) zu banal und uncool erschien !!! Hätte ich damals die Bedeutung von „Liebe geht durch den Magen“ besser verstanden (kochende Männer waren für Frauen schon immer sehr attraktiv – da kann Mann auch ruhig ein bisschen Scheisse aussehen), hätte ich meine Karriere wohl frühzeitig in ganz andere Bahnen gelenkt.

Und heute ist es dann wirklich so wie vor 33 Jahren angedacht: Ich koche nicht nur für Gäste, ich mache das sogar in meinem eigenen Restaurant ! Und meiner Idee, wie ich Gäste gerne glücklich mache,kann ich auch immer mehr durchsetzen. Auf geschlossenen Dinnerparties mit eigeschränkter Gästeanzahl koche ich ein Menü wie zu Hause. Das nächste mal am Montag. Es gibt honiglackierte Wachteln !

Nachtrag: Nachdem ich diesen Artikel fertig gestellt hatte, suchte ich im Internet, ob es das Tonini noch gibt. Unter dem Namen zwar nicht mehr, aber in der Örtlichkeit ist immernoch ein Restaurant. Und auf der Website gab es sogar ein Foto der Küche😀 Ich muss sagen, meine Erinnerung an die Küche war doch sehr gut in mein Gehirn gebrannt:


4 Kommentare so far
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Immer wieder fällt mir auf, dass leidenschaftliche Esser oft in Kindheitserinnerungen schwelgen. Geht mir auch so, und könnte ich stundenlang von erzählen… Ich bin jeden tag wieder froh, dass ich als Kind so gut gefüttert wurde :o)

Kommentar von nata

Mein Lieber,

das war Futter und Anregung für mindestens 2
neue Artikel demnächst in diesem Theater.

Wenn ich an „La Pergola“, Franco und Toni denke, bekomme ich feuchte Augen. Wir haben das Restaurant über Jahre hinweg nur noch durch die Küche betreten, kurz mit Toni geschwätzt, was es heute besonders empfehlenswertes gibt und nahmen dann an dem Tisch der eigentlich die ganze Woche über für uns freigehalten wurde Platz. Nachdem Franco dann 1994 wieder nach Sardinien gegangen ist habe ich NIE WIEDER so einen Italiener gefunden. Ach, ich könnte heulen.

Alex

Kommentar von The Everlasting Club

wow, das klingt toll. vor allem toll, daß du deine wahre profession gefunden hast! ich warte noch, habe aber schon so ein leichtes kribbeln😉.

Kommentar von rebhuhn

Ja der Tonini, und Franco

das Rumpsteak ala Tonini an denke ich heute noch und an sein Steinpilz Rissotto und ja das stimmt so einen Super Italiener habe ich bis heute nicht gefunden

Kommentar von pane




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