Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Licht am Ende des Tunnels, oder…. by artifischl
25 April , 2010, 10:11 pm
Filed under: Restaurantgeschichten, Uncategorized

…wie einem so ein Flugzeugabsturz so richtig die Lebensgrundlage versauen kann.

Auf diesem Blog herrschte ein paar Wochen SCHWEIGEN. Aber keine Angst, ich bin noch da. Ich war etwas beschäftigt mit Restaurant retten. Aber es sieht gut aus. Vielleicht mal schön der Reihe nach, was war passiert ? Das Problem war, das NICHTS passierte.

Alles begann mit Ostern. Ein sehr wichtiges Wochenende für die Polen, fast so wie Weihnachten. Die Theater sind geschlossen und alle feiern mit der Familie zu Hause. Auch wir hatten zwangsweise geschlossen, weil sich keiner in der Zeit in unseren Keller verirrt hätte.
In der darauffolgende Woche fuhr das Theater zum Gastspiel für eine Woche nach Italien – ergo: keine Theaterbesucher und nur wenig Gäste von Ausserhalb. Aber in der darauf folgenden Woche sollte es wieder richtig abgehen. Jeden Tag Vorstellung im Großen Saal mit Pause und mehreren Vorabreservierungen. Und dann beschloss der polnische Präsident, mit völlig unpassendem Gerät Bäume zu fällen und alle staatlichen Kultureinrichtungen MUSSTEN geschlossen bleiben. Und das bedeutete für uns, daß die Meinsten möglichen Gäste davon ausgingen, das wir wohl auch geschlossen sind.
Resultat: 3 Wochen kaum Gäste viel zu wenig Umsatz und wenn ich nicht ein paar gute Freunde gehabt hätte, die hier ausufernd gespeist haben, hätte ich wohl dicht machen müssen.
Aber man kann natürlich aus so einer Notlage auche eine Tugend machen und erst recht Gas geben. Es ist interessant, wie viel kreative Energie freigesetzt werden kann und wie viel Verhandlungsgeschick herausspringt, wenn man sich weigert, einfach so aufzugeben.
In meinem Fall habe ich ich erstmal mit dem Theater gesprochen, welches ja mein Vermieter ist. Die scheinen mich mitlerweile sehr zu mögen, denn sie sagten zum Abschluss des Gespräches: „Chris, bei Deinen sensationellen Köchen und wunderschönen neuen Kellnerinnen geht das garnicht, das unsere Cooperation nicht klappen könnte. Wir werden das gemeinsam schaffen“. Herausgekommen ist, das wir die Miete für April und Mai senken können und die Restmiete über Catering von uns bei Premierenparties im austausch bezahlt wird. Das ist für mich natürlich wesentlich günstiger, als die Miete auf den Tisch zu legen. Eventuell muss ich im Sommer garkeine Miete Zahlen.

Und ich darf endlich Kunst veranstalten: Ab ersten Mai gibt es jeden Samstag abend nach der Theatervorstellung eine Jazzsession bei uns im Restaurant. Das Theater wird das bewerben und auch einen Banner ausserhalb des Theaters anbringen. Das wollte ich ja schon von Anfang an machen, um mehr Leute beim Denieren zu unterhalten.

Dann bekamen wir kurzfristig  4 Firmencateringaufträge rein, die alle noch im April stattfinden. Und: Unser Bierlieferant lies durchblicken, das er uns mit Exklusivität nun auch mit Cash belohnen wird. Die Exklusivität des Lieferanten ist für uns kein Problem, da wir sowieso nur Biere dieses Anbieters verkaufen möchten.

Langsam setzt sich unsere Idee von kleiner Karte mit frischen Produkten durch, nur dauert das wesentlich länger als erhofft. Das Business ist ein ununterbrochener Fehler-machen-und-daraus-lernen Prozess, die Erkenntnisse sind nur bedingt auf andere Läden übertragbar, da jeder Laden seine eigenen „Gesetze“ und Geheimnisse hat, die es zu entschlüsseln gilt.
Natürlich muss man sich selbstkritisch Fragen, warum bestimmte Dinge nicht funktionieren. Fast nie hat der Gast daran Schuld (ausser er reserviert für 10 Personen und kommt dann nicht). Vor allem freue ich mich aber, das ich heute immer noch glücklich bin, es gewagt zu haben und ins kalte Wasser gesprungen bin. Es gewinnt mit jedem Tag an Temperatur !

Fazit: Wir sind noch nicht in der strahlenden Sonne, aber nach Wochen im dunkeln tappen und Versagensängsten, sehe ich ein sehr helles Licht am Ende des Tunnels.


5 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

Ach, Chris.

Man könnte sagen: Leben ist so. Man könnte auch sagen: Leben hört nicht auf so zu sein. Man könnte aber auch einfach sagen: Weitermachen, bitte🙂

Ich glaube, Du hast das Grundprinzip verinnerlicht: Probieren, analysieren und verändern, wenn nötig. Und nicht aufgeben. Wer aufgibt, hat schon verloren.

Wir drücken Dir die Daumen, dass es weiter geht. Dass es voran geht. Dass die Bäume Früchte tragen.

Wir glauben an Dich!

Kommentar von wortteufel

Es ist ein bisschen so wie in den alten „Rocky“ Filmen : Einmal öfters aufstehen als man auf die Fresse kriegt. Man muss das so deutlich sagen. Nur der, der nicht arbeitet, macht auch keine Fehler. Ohne Risiko geht garnichts. Ein ewiges „Trial & Eror“. Bis man wirklich alles weiß ist es dann sowieso Zeit, den Deckel von innen zu zumachen.

Fight, fight, fight. And never, never, never, ever give up!

Alex

Kommentar von Alex

Das höre ich sehr gerne.

Kommentar von fressack

toll dass du das alles machst, bin immer wieder beeindruckt (und kenne das aufundab auch ganz gut), keep on rockin‘!

Kommentar von skizzenblog

„Herr Lehrer ich weiss was! Da fehlt jetzt ein
Kommentar!“

aus „Die Einsilbigkeit des Hessenwirts“ erschienen im Gude-Verlag.

Alex

Kommentar von Alex




Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: