Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


The Mafia Cook Book by artifischl
5 Mai , 2010, 7:26 pm
Filed under: Dinnerparty, Kochbücher | Schlagwörter: , ,

Eines der aufregensten und am liebevollsten gemachten Kochbücher, die mir in der letzen Zeit unter die Finger kam, ist das sensationelle „Mafia Cook Book“ von Josef „Joe Dogs“ Iannuzzi.

Es handelt sich hier nicht um eine erfundene Geschichte, denn der Autor schwang wirklich über 10 Jahre den Kochlöffel für die Gambino Familie, bevor er von selbiger mit einem Baseballschläger fast zu tode geprügelt wurde.  Also wechselte er rachelüstern die Fronten, wurde vom Mitglied des Mobs zum FBI-Informant, packte in fünf Prozessen als Kronzeuge aus und verschwand im Anschluss augenblicklich  im Zeugenschutzprogramm.

Das kleinformatige Büchlein selbst enthält gerade mal 39 Rezepte, viele sehr original italienisch (from the old country), wohlweisslich das der Autor viel von seiner Gesundheit  aufs Spiel gesetzt hätte, wenn es nicht so wie bei Mama geschmeckt hätte.

Jedes Rezept ist mit einer kleinen Geschichte verknüpft, die erzählt, welche Gangster bei dem jeweiligen Dinner anwesend waren und was sie erzählten, sowie kleine Sticheleien zwischen Joe Dogs und seinen Gästen. Kostprobe gefällig ? (hier aus dem sensationellen Rezept für Veal Marsala):

„Joey, you get back in that kitchen before I eat your f___ing eyes for dinner.“
„Okey Tom, the blue-plate eyeball special for you – everyone else gets the veal.“

„Oh, that’s Frankie’s finger,“ Tommy Agro said at last. „He used to tend bar for me . Whenever I opend up a new joint I put the jar behind the bar, where all the people who work for me can see it. Then I put a small sign that says, This is Frankies Finger. It is here because he stole from his boss. That way any _____ who workes for me will think twice before stealing. If I catch him a second time, they lose their hand. So far I got only one of those. It is in my freezer in New York. Want me to bring it down next time I come, Joey ?“
„Marrone, no!“ I shook my head and edged back into T.A.’s kitchen, on the lookout for more body parts.

In dem Buch gibt es keine Fotos, aber wundervolle Illustrationen von Mafiosis beim Essen und auch vom Essen selbst. Das Buch inspirierte mich, unsere „Bring-Your-Own-Bottle“-Dinnerparty vergangenen Montag unter das Motto „The Mafia Cookbook Dinner“ zu stellen. Uns so gab es folgendes Menü:

Spinach and Eggplant Lasagna with Sundried Tomatoe Sauce

Shrimp Scampi Gambino Style

Veal Osso Buco

Zabaglione

Alles nicht zwingend Gerichte fürs Auge, daher auch keine Fotos, aber der Geschmack war einfach großartig. Die Gäste waren wenigstens teilweise Stilecht mafiös angezogen und ganz „La Familia“-like tischte ich die Gänge in großen Schalen auf und die gefüllten Teller wurden einfach weitergereicht.

Und so bescherte Don Chrisa seiner Familia ein weiteres leckeres Abendmahl.


10 Kommentare so far
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Wären die Gambinos gezwungen in den hiesigen Lokalen zu speisen, die einem unter Tradition & Gemütlichkeit suggerierenden Namen wie „Bella Italia“ die die von zu Dumpinglöhnen ausgebeuteten Pakistanis hingerotzten Convenience-Gerichte zu Apothekenpreisen anbiedern, würden sie sich von den Baseballschlägern noch ein paar mehr wünschen.

Das Buch und Deine Gerichte finde ich Weltklasse.

A.

Kommentar von Alex

ich bin häufig hier zu gast und verfolge deine enterprise mit grossem interesse, nicht zuletzt wegen so formulierungen wie: polnisches staatsoberhaupt schreddert heimischen baumbestand mit ungeeignetem gerät, oder so ähnlich; und bevor ich mich vollend verplaudere: dein blog gefällt mir sehr gut!
jetzt zum post: ich hab inzwischen so meine schwierigkeiten mit, nennen wir’s mal mafiafolklore. damit will ich nicht in abrede stellen, dass das buch sehr amüsant ist, trotzdem kann ich nicht umhin, in erster linie an staatsanwälte zu denken, die im kampf gegen die mafia das soziale leben eines nachtschattengwächses zu führen gezwungen sind. oder an gastronome, die schutzgeldzahlungen verweigern und wissen, dass diese entscheidung sie unter umständen einen erheblichen teil ihrer gesundheit kosten kann.
deswegen hab ich auch gar keinen so grossen spass mehr an meiner cd mit den klageliedern der mafia, die ich im übrigen immer gerne beim kochen gehört hab.
nix für ungut…

Kommentar von susanne

Nana, wir wollen doch nicht den wichtigsten Wirtschaftszweig Italiens diffamieren. Wenn deren
gut geschmierter Motor auch noch ins Stottern
kommen sollte, können wir uns vom Euro verabschieden. Nicht das ich da was dagegen hätte..

;o)

Alex

Kommentar von Alex

tja, so gesehen muss ich dir recht geben; denkbar ungünstiger zeitpunkt für kritik an einem multinational florierendem familienunternehmen!

Kommentar von susanne

@ susanne,freut mich, das du hier gerne liest. Lass doch mal ein paar verblödete Erwachsene ein bisschen Gangster spielen. Wir haben auch sicher nichts glorifiziert. Und das Mafia Cook Book tut das sicher auch nicht. Eher wird die volle Brutalität der Mafia und deren Skrupellosigkeit beschrieben. Eher sit das Buch eine glorifizierung originaler Italienischer Küche. Und daran gibt es dann eigentlich nix auszusetzen.

Kommentar von artifischl

Duu, willst Du Dir nicht überlegen, lieber ein Restaurant in Wien aufzumachen?? Deine Süße könnte hier sicher irgendwo spielen, soo toll sprechen die hier auch nicht, und ich wüßte endlich, wo ich jederzeit was gutes zu essen bekomme…uuuhhh, wenn das ein Österreicher liest, werd ich sicher des Landes verwiesen..naja, no risk, no fun..

Kommentar von Tina

@ Tina, nee lass mal, noch einen Umzug ist mir erstmal zu viel😉 . Aber ewnetuell werde ich expandieren. Hab da was in Aussicht, was an gute alte Spiegelzelt-Nachtsalon-Zeiten erinnert….😉

Kommentar von artifischl

Restaurant in Wien aufmachen wäre wie Eulen nach Athen tragen (Obwohl, vielleicht müssen die ihre Eulen ja notschlachten)Wien ist neben parisja irgendwo die kulinarische Hochburg schlechthin.

Expandieren Chris ? Hab ich Dich da mit der Philosophie der parallelen Firmenstruktur angesteckt ?

Alex

Kommentar von Alex

@ Chris: Also gut, jetzt werd ich neugierig..das mußt Du mal am Telefon erzählen..

@Alex: Ok, Wien und Paris in einem Satz…jetzt erzähl mir doch mal wo ich hier für vernünftiges Geld bei nettem Service gutes Essen bekomme?? Ich sag ja nicht dass es hier garnix gibt, aber auf ein paar Restauranttips wär ich doch gespannt!

Lg Tina

Kommentar von Tina

Definier mir mal „vernünftiges“ Geld. contradiction in terms! Und was den „netten Service“ angeht, daß sollte man sich dann halt überlegen bevor man zu den Schluchtenscheissern zieht..

Aber im Ernst : Wien ist doch gestoppte voll mit erstklassigen Restaurants!?!? Alleine die unzähligen „Heurigen“ wo man tolles Gulasch und perfekt zubereitetes Wiener Schnitzel (vom Kälbernen!) bekommt. Und die vielen ungarischen Spezialitäten (in Wien fängt der Balkan ja an). Und die genialen Süßspeisen. Und der Naschmarkt!!! Und und und!!!

Alex

Kommentar von Alex




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