Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Das Festival des guten Geschmacks… by artifischl
26 August , 2011, 3:28 pm
Filed under: Märkte, polnische Küche | Schlagwörter: , , ,

…fand vom 12. bis 15. August zum fünften mal in auf dem alten Marktplatz in Posen statt. Da ich in den vergangenen Monaten mehrfach für Slowfood in Polen aktiv war und Kontakte zum Berliner Konvivium knüpfte, wollten die Veranstalter des Festivals (die zum Teil den Vorstand von Slowfood Poznan stellen), das ich dieses Jahr unbedingt mit einem eigenen Stand vertreten bin.

Zusammen mit unseren Freunden vom Restaurant TOGA mieteten wir also eine 6 qm Bude um für unsere Läden ein wenig die Werbetrommel zu schwingen. Wir einigten uns darauf, jeweils nur ein Gericht und Wein anzubieten, Piotr vom Toga orderte also 1.400 Austern von Bester Qualität und Größe und ich mietete einen Ofen an, um frische Flammkuchen zu backen. Sowohl die Austern wurden von vielen Leuten nicht erkannt, und die Tarte Flambée kannte fast gar keiner.

TheEverlastingClub fragte kürzlich beim beim Betrachten der Festivalfotos, was es mit dem dämlichen Kuhkostüm auf sich hat. Hier mal wieder eine Lektion in polnischer Mentalität und Verhaltensweise. Die Polen sind zwar sehr stolz, besonders auf ihre Produkte und ihre Arbeit, aber sehr zurückhaltend und übertrieben höflich, wenn es darum geht, dies einem möglichen Kunden persönlich anzubieten. Indirekt über unzöhlige Werbeplakate schon, aber in Geschäften sind aufdringliche Verkäufer fehlanzeige. Wenn wir mit unseren für den polnischen Markt eher unbekannten Produkten gewartet hätten, das sich jemand dafür interessiert, hätten wir wohl garnix verkauft. Daher schmiss ich mich in mein grelles Kuhkostum um neben Piots voluminöser Erscheinung wenigstens ein bisschen in Sachen Aufmerksamkeit zu punkten und wir buhlten Marktschreierisch um die Wette: „Austern, frische Austern, die Besten in Polen“ im Kanon mit „Tarte Flambée, Medame et Monsieur“ riefen wir so laut wir konnten. Und es zeigte Wirkung. Erst der Blick auf 2 unterschiedliche seltsame Gestalten die rumbrüllen, dann das näher kommen, weil die Neugier groß ist und dann erklärten wir, was wir anzubieten haben.

Neben dem klassischen Flammkuchen hatten wir für die Speckverächter eine Version mit hauchdünnen Tomatenscheiben und wildem Ruccola im Angebot und eine süße Version mit Äpfeln, Zucker und Zimt.

Die Liebste erklärte mit einer Engelsgeduld jedem Kunden alles über Flammkuchen als würde sie aus dem Elsass stammen und entwickelte sich zum Verkaufsgenie, das den meisten Kunden dann auch noch ein Glas unseres leckeren Chilenischen Chardonnais zum Bundlepreis gleich mitverkaufte.

Es gab aber auch andere lecker Dinge auf dem Markt zu entdecken. Polen zählt im Ausland sicher nicht zu den Ländern an die man denkt, wenn es um guten Käse geht. Dies is jedoch ein grober Fehler. Denn die 84 eingetragenen Biokäsebauern im Verband produzieren einen sensationellen  Käse, der wahrhaftig in einem Fall sogar italienische Food-Journalisten zu der Aussage hinreissen ließ, daß dies der beste Käse sei, den sie jeh gegessen haben ! Der besagte Käse stammte von unserem Freund Marek, über den ich schon auf meinem Käsefestival Artikel berichtete.

Was ich bis dahin auch noch nicht kannte, war eine polnische Version des Lardo, mit einem Mantel aus Chilli und Paprika. Sehr scharf, aber auf einer Scheibe leicht süsslichen Bauernbrotes ein absoluter Foodgasm.

Vor allem Piotrs Austern entwicketen sich zum Verkaufsschlager. Bei der Bestellung pochte er darauf, mindestens die Größe „B Large“ zu bekommen. Und die Lieferung aus Holland erfüllte alle Erwartungen. Die echten Foodfreaks kamen an allen 4 Tagen vorbei, um die Edle Meeresfrucht zu verspeisen und auch ich konnte 2 mal am Tag nicht nein sagen und genoss die Austern mit einem eiskalten Glas sizilianischem Schaumwein.

Das beste Kompliment des Wochenendes erhielt ich jedoch von einem französischen Pärchen, das aus dem Elsass stammte. Sie waren sich so sicher, das ich ebenfalls aus der Region kam und sprachen mich zuerst auf französisch an. Anschließend attestierten sie mir, daß es wohl der beste Flammkuchen war, den sie jeh gegessen hatten und ich ein Geschäft daraus machen soll !

Alles in allem ein wunderbares Festival das ich wärmstens empfehlen kann. Besonders für Berliner und Brandenburger ist es nur noch ein Katzensprung – mit dem Berlin-Warschau-Express kann man morgens anreisen und noch am gleichen Abend zurück fahren. Die Fahrtzeit beträgt nur noch etwa 2,5 Stunden. Wenn ich bedenke, das Foodies auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen um die halbe Welt reisen, wäre es doch viel sinnvoller, mal „vor der eigenen Haustür“ nachzusehen, was es da zu entdecken gibt. Bei über 100 Ausstellern gibt es sicher großartiges zu entdecken !

Weitere Fotos gibt es hier:
https://picasaweb.google.com/116405127690805415396/FestivalOfGoodTasteInPoznan?authuser=0&feat=directlink
und hier:
https://picasaweb.google.com/116405127690805415396/FestivalOfGoodTasteDay2?authuser=0&feat=directlink


1 Kommentar so far
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Ich finde das Kuhkostüm rockt, insbesondere mit diesem herzchen vor der brust, das einen gar alpenländischen Charme versprüht!

Kommentar von Lies von Lott




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