Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Bei Louie by artifischl
16 November , 2010, 10:00 pm
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von TheEverlastingClub

Fremder, wenn es Dich nach Frankfurt treibt und Du eine echt authentische Apfelweinkneipe suchst, dann sollst Du in der „Mainlust“ in Schwanheim einkehren. Denn hier wird einem noch was geboten, wenn man auf hessisches Kulturgut steht.

Ob am Tresen oder draussen im Garten, in der „Mainlust“ trifft sich Frankfurter Urgestein und mit dem Wort „Offebäscher“ sollte man vorsichtig umgehen. Unser Louie hat hier vor einigen Jahren schon einmal gewirkt. Nach einigen Rückschlägen und Irrwegen hat er es aber wieder an die Heimatfront geschafft.

Ich freue mich von ganzem Herzen mit ihm, weiss ich doch wie hart es ist, ausserhalb seiner vorbestimmten Wirkungskreise zu existieren und in der Umlaufbahn irgendeines peripheren Planeten seine Bahnen auf einem entlegenem Felsen ziehen zu müssen, auf dem sich die gewünschte Zielgruppe so selten hin verirrt, wie der Veganer zum Schlachter. Zum Glück sind diese kargen Zeiten nun vorbei und es ist schön, den Louie wieder in seinem schwarzen Joppelchen und Bembel-schwingend Gäste beglücken sehen zu dürfen.

Es ist der harte hessische Kern der Äppelwoi-Trinker und Handkäs-Lutscher, die sich hier zum Stelldichein treffen. Multi-Kulti findet anderswo statt und das exotischste auf der Kart ist denn auch der Kümmel zum Handkäs. In Zeiten von Sushi, Crossover und Kebap meint ja oft noch der letzte Apfelwein-Wirt „Irgendwas mit Balsamico“ oder wenigstens einen Ruccolasalat auf der Kart haben zu müssen. Nicht so der Louie. Der bleibt sich und seinen hessischen Schmankerln treu. Allerdings sind das halt nicht die von mir sonst oft geschmähten lieblos hingerotzten Bistrot-Banalitäten die es in Frankfurt an jeder Ecke und oftmals überteuer gibt, sondern liebevoll inszenierte Gerichte mit Pfiff. Alles ist mit Bedacht ausgesucht, zusammengestellt und zubereitet.

In den Wurstsalat kommt eine ganze Armee superleckerer, teils geräucherter Würste, die schon alleine genossen klasse schmecken würden. Das Entrecote ist eigentlich ein 200 Gramm Rib-Eye (warum des jetzt so iss, soll gefälligst der Louie erklären) und zum Preis von € 9,90 absolut unschlagbar. Das Schnitzel für nur € 5,– ein Schnäppchen. Der Handkäs gehört zu den leckersten die ich je essen durfte und die roten Zwiebeln oben druff sind eine prima Idee. Gut kommen auch die „Deckelcher“, also rundes Apfelweinbrot mit darauf aufgetürmten Lokalspezialitäten wie Solzer, Handkäse, Blutwurst, mit Senf, Gürkchen, Zwiebeln, usw.

Das Kartoffelstampf wahlweise mit Geflügelleber, Rindfleisch mit Ingwersahne, Speck und Zwiebeln oder scharf angebratenem Lammfleisch und Chillie ist uns noch aus Bergen-Enkheimer Zeiten bekannt und schmeckt genau so lecker wie früher.
Unübertrefflich sind die Bratkartoffeln, allerdings, sorry für die Kritik, kommen diese nicht immer in der gleichen Qualität aus der Küche, was an den wechselnden Köchen liegen mag, oder daran, wer gerade wem mal wieder in der Küche die Bratpfanne übergezogen hat. Aber für sowas hat man als Freund ja Verständnis. Wenn die Kartoffeln wirklich knusprig gebraten wurden, sind sie ja schwer zu toppen und werden ihrer Auslobung als „die besten der Stadt“ auf der Speisekarte auch gerecht.

Als genial muss man dann die Kreation „Bratkartoffeln mit angebratener Blutwurst, Pfifferlingen und Thymian“ bezeichnen. Das war wahnsinnig lecker. Auch wenn der Louie die vielleicht kleinste Weinkarte Frankfurts hat („Mir trinke doch eh nur Schoppe“), so wird das durch die sehr guten Apfelweine ausgesuchter Keltereien wieder ausgeglichen. Man sollte hier sowieso bei den lokalen Spezialitäten bleiben, „Ferz“ gibt’s annerswo genug und Bordeaux passt eh net zum Handkäs. Sensationell dann die „Schnapskart“.

Wie schon in Bergen-Enkheim hat der Louie etwa 200 Schnäpse, Brände und Geiste liebevoll zusammengetragen. So eine Karte ist bemerkenswert und findet sich sonst eigentlich nur noch in den hiesigen Spitzenrestaurants. Das diese Schnäpse aber nicht einfach mal so eingekauft und auf der Karte platziert werden, sondern in mühevoller Arbeit probiert, verkostet und selektiert wurden, bevor sie es auf die Karte schafften, durfte ich diesen Sommer einmal selber miterleben.

Gemeinsam verkosteten wir eine ganze Reihe Brände und man nahm sich Zeit dafür („Zum Schnapskenner ist es ein weiter Weg. Aber es ist ein schöner Weg.“).Den Gaumen vom Scheffchen passierten nur 3 der gezeigten Gläser mit „sehr gut“, dem Lieferanten wurde noch am gleichen Nachmittag ob der geringen Auswahl geeigneter Brände heftig Bescheid gestoßen. Hier gilt also durchaus das Credo Quantität und Qualität auf der Karte.

Im Sommer sitzt man draussen ganz herrlich in einem liebevoll arangierten Garten unter einem riesigen, alten Birnenbaum. Überall stehen Blumen, Kräuter, Weinfässer und andere nette Kleinigkeiten die zum gemütlichen Ambiente beitragen.

Das gefällt sogar den meisten Hessen, auch wenn ich ein altes Derrfleischgesicht am Nachbartisch sagen hörte „Früher wars abba bässär. Da hattense Plastik! Des war bässär.“ Glücklicherweise teilen nicht alle Gäste diese Liebe zu Plastiktischen und auf den Holzbänken sitzt man dank angeschraubter Lehnen nicht nur klassisch sondern sogar bequem. Überhaupt die Gäste. Für Aussenstehende ein recht gewöhnungsbedürftiges, aber hoch authentisches Publikum. Schoppepetzer, Staranwälte die incognito unterwegs sind, Suffköppe, lokale Prominenz, Metzgermeister a.D.,  Derrfleischgesichter, Schnakehetzer, und irgendwie sind es ja alles „Gude“ und werden als Solche auch lautstark vom Louie begrüßt. Alle sind sie da und man kommt garnicht so selten ins Gespräch, streichelt Hunde, erzählt Witze, macht Bekanntschaften. Weil hier geht das. „German Gemütlichkeit“ eben. Am Nebentisch kreischt ein Bangert „Gibts hier denn gaaar keiiiine Piiiiiizza??“. Nein, gibt es nicht, auch kein „Schnitzel Donald Duck“ und schon gar keinen „Pinocchiobecher“ und der kleene Suppenkasper soll gefälligst essen, was auf den Tisch kommt. Schließlich sind wir hier bei Louie und nicht bei Luigi. Zuviel Höflichkeit in der Jugend, wo kämen wir denn da hin ? Dann würde diese ruppige Apfelweinkultur am Ende verweichlichen und in 50 Jahren gäbe es dann auch hier nur noch Merlot für Weichspüler und Ruccolasalat mit Balsamicopampe. Die Frage nach der Pizza bringt uns auf die Idee einer neuen Wortschöpfung : Bembel „Quadro Stagioni“, weil der schmeckt immer! Inspiziert man nach dem hübschen Schloßgarten nun das Innere der historischen Gruft, dann kann es schon mal passieren das man beim ersten Betreten der heiligen Hallen vor Schreck den Kopf einzieht. Nicht wegen der sanitären Anlagen. Die würden es zwar vom Design her nicht mehr ins „Four Seasons“ schaffen, sind aber zweckdienlich funktionabel. Es liegt mehr am Charakter des Speisesaals.

Zwar sind die Decken höher als die der Altbauwohnungen im Westend, aber dunkles Holz und sehr viel Patina lassen einen erst mal vor Erfurcht erstarren.  Man fragt sich unweigerlich, welche Schicksale diese historischen  Räume teilen mussten. Wirklich uralte Bretter, Apparaturen und Fotos in den Ecken locken mit ihren Geschichten. In der Mitte dann ein riesiger Ofen. Louie erzählt das dieser so heiß würde, daß auch schon mal Küchenabfälle darin verbrannt wurden. Auch ein Tausend-Mark Schein veirrte sich angeblich mal in diese Glut. Überlieferte kroteske Geschichten aus der „Mainlust“ gibt es derer dann noch sehr viele. Aber die soll Euch der Louie beim Schoppen selber erzählen.

Der Autor lebt noch immer in Hessen. Dort ist er einigermassen zufrieden, solange er keinen Ruccolasalat mit Balsamicopampe essen muss.



PARADE DER KULTUREN by artifischl

von TheEverlastingClub (der einzige der im Moment Zeit findet, den Blog wiederzubeleben)

Nun wird es wieder kalt draussen, da erinnert man sich gerne an den letzten Sommer…

Unter strahlend blauem Himmel und bei allerbestem Wetter fand diesen Sommer wieder die „Parade der Kulturen“ am Mainufer in Frankfurt statt. Diese Veranstaltung ist ein kunterbuntes Fest der Völkerverständigung und ein Mekka für Foodophile Menschen mit grenzüberschreitender Neugier auf Fremdes und Neues. Dieses nicht-kommerzielle Fest wird von privaten Vereinen und Clubs ausgerichtet und die auf vielen anderen Volksfesten unvermeidlichen Standards wie Fischbrötchen, Pommes, Industriegebäck, Ruccola mit Balsamicopampe und kommerziellen Tand&Tinnef sucht man hier glücklicherweise vergebens. Vielmehr möchten die Teilnehmer landestypische und authentische Speisen anbieten, die man sogar in vielen guten Restaurants in dieser Form in Deutschland nicht finden kann. Begleitet wird das alles von viel Musik, Tanz und Folklore.

Wir teilten uns einen Stand mit dem „Malaysia Club Deutschland e.V.“ deren gut gelaunten und bunt bekleideten Mitgliedern wir bereits um 8 Uhr morgens halfen, Zelt und Verkaufsstände aufzubauen.

Nach kurzer Zeit war dann alles für den Ansturm der Massen bereit. Der Club Malaysia hatte jedenfalls ganze Arbeit geleistet : Im Angebot fanden sich neben vielen anderen Leckereien auf Holzkohlefeuer gegrillte, marinierte Satee-Spießchen mit roten Zwiebeln, frischen Gurken und Lontong, einer Art Klebereis, übergossen mit köstlicher, würziger Erdnuss-Sauce, die sich in Aroma und Geschmack ganz erheblich von den zumeist recht süßen Fertigsoßen abhob, die man sonst beim Asiaten um die Ecke bekommt.

Auch die „Curry Puffs“, als Halbmonde ausgebackene Teigtaschen mit einer Gemüse-Curryfüllung konnten sich sehen lassen

, auch wenn solch schwere Mehlspeisen sonst nicht so mein Ding sind.

Da sich Malaysien und Indonesien in vielen Bereichen ähnlich sind, lag es Nahe die Maylaysische Küchenpracht mit ebenfalls selbstgemachtem Indonesischem Essen zu ergänzen. Unsere Freundin Lina machte sich dafür die Mühe in ihrem Garten auf offenem Feuer das berühmte „Rendang Daging“ vorzubereiten, und zwar gleich 12 Kilo davon.

Rendang ist eine Art Curry-Eintopf aus Rindfleisch das mit sehr viel Koskosmilch und Chillies etwa 5 Stunden lang eingekocht wird. Das ist zwar etwas aufwendig, es macht aber auch großen Spaß dem Gericht beim Köcheln zuzusehen, wie es langsam einreduziert und dabei immer besser schmeckt!

Das Rendang wurde dann als Teil eines Gerichtes Namens „Nasi Campur“ angeboten (dem Malaysischen „Nasi Lemak“ sehr ähnlich, siehe Bericht über die ITB Berlin). Der Nasi Campur bestand aus leckerem, frisch gekochtem Reis, Eiern in Chilliesauce, Weiskohl mit grünem Curry, ausgebackenem Kroepoek (Krabbenbrot) und besagtem Rendang. Nicht unbedingt das, was der Hesse mal so zwischendurch nascht. Also nahmen wir uns sehr viel Zeit dafür, dem interessierten Gast die Gerichte zu erklären, und siehe da : Die Hemmschwellen fielen und alle waren sie begeistert! Und wenn es auch extrem heiß war am Samstag, unsere „Laksa“, nämlich köstliche Malaysische Kokos-Suppe (mit Huhn, Garnelen und knackigen Sojasprossen, aufgepeppt mit knusprigen Zwiebeln, abgerundet mit frischem Basilikum sowie Limette!) fand ebenfalls großen Zuspruch. In der prallen Mittags-Sonne genossen und mit echtem indonesischem Sambal nachgewürzt, führte das bei Manchem allerdings zu Hitzewallungen. Der Bierstand nebenan bedankte sich.

Zwischendurch war immer mal Zeit, sich an anderen Ständen umzusehen. Den meisten Spaß hatten wir mit unseren direkten Nachbarn aus Kamerun. Da kam wirklich Freude auf, wie diese vollkommen entspannten Afrikaner auf Holzkohle diverse Fleischspieße und ganze Fische (!) grillten und dazu ebenfalls gegrillte Banane (sensationeller Geschmack) und anderes Gemüse servierten. Und wenn Völkerverständigung doch immer so einfach wäre wie beim Essen : Unsere Freunde aus Malaysien stürzten sich begeistert auf den afrtikanischen Fisch.. um diesen dann mit ihrer malaysischen Chilliesoße zu würzen! (was toll geschmeckt hat). Bemerkenswert auch dieses T-Shirt für Fischfreunde :

Bitte verzeiht das nicht zu allen Speisen Fotos da sind, aber aufgrund der Food-Ekstase vergaß ich mitunter das man das Zeug ja auch fotografieren kann. Aber wenn man mit seinen absoluten Leibgerichten ( also Fisch, Fleisch & Gemüse vom Grill & Asiatische Aromen) förmlich zubetoniert wird, tritt die Arbeit leicht in den Hintergrund.

An anderen Ständen wurde echter marokkanischer Cous Cous angeboten, weitere Spezialitäten aus Afrika, Griechenland, der Türkei, China und dann hab ich sogar ein ganz tolles POLNISCHES Gericht entdeckt, nämlich das fantastische BIGOS! (Vielleicht schreibt der artifischl ja mal was über Bigos?). Bis zum Anschlag abgefüllt machte dann auch der Blick auf Frankfurts schönstes Ufer, über den Main auf den Eisernen Steg und die Dreikönigskirche, Freude.

und auf die zufriedenen Besucher.

Hot people, hot weather, hot food. Einfach nur klasse.

In diesem Sinne
The Everlasting Club

Der Autor lebt in Frankfurt und findet dies, zumindest im Sommer, auch sehr spaßig. Weniger Spaß bereiten ihm Ruccolasalate mit Balsamicopampe.



Das besondere Restaurant, Folge 1 : Das Vietnamesische Restaurant ‚Hai Au‘ in Frankfurt by artifischl
20 Oktober , 2009, 12:31 am
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E N D L I C H hat der EverlastingClub mal wieder einen Artikel verfasst (obwohl- verfasst hatte er ihn schon vor langer Zeit, aber nun hat er mir diesen auch mit Fotos geschickt) und den gibt es jetzt hier in Originallänge. Viel Spass vor allem an die Leser aus der Frankfurt Umgebung, die sollten dann mal da hingehen !!!

Vielen ist bekannt das ich einige Zeit in Asien gelebt und gearbeitet habe und ein ganz großer Fan von authentischer asiatischer Küche bin. Diese Authentizität sucht man in Deutschland leider in den meisten asiatischen Restaurants vergebens. Es gibt sie aber noch, die kleinen versteckten Plätze, wo Idealisten und Überzeugungstäter so kochen, wie sie das bei ihrer Mama in Asien gelernt haben. Ein solcher, sehr versteckter Ort asiatischer Koch-Glückseligkeit ist das vietnamesische „Hai Au“.

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Die Location ist selbst für Frankfurt mehr als ungewöhnlich und könnte als Kulisse für einen Gangsterfilm herhalten : Relativ weit unten an der Münchener Straße, unweit des Hauptbahnhofs, also quasi mitten im Rotlichtviertel der Stadt, leuchtet uns ein kleines unscheinbares Schild den Weg. Aber seltsam, es scheint da gar kein Restaurant zu geben ? Stattdessen führt uns ein offenes Tor in einen schwach beleuchteten Hinterhof. Wer hier nicht schon ein mulmiges Gefühl bekommt und kehrt machen sollte, wird am Ende des kargen Hofes dann eine enge Tür finden. Dahinter wiederum führt eine schmale Treppe steil abwärts ins Dunkle. Am Ende der Treppe befindet sich dann eine schummrige Bar und man fragt sich, ob man nicht doch ins falsche Etablissement abgestiegen ist. Aber keine Angst! Den Blick nach Rechts gewandt findet sich eine Passage an einem obligatorischen Aquarium vorbei in einen fensterlosen kleinen Raum, in dem mit viel gutem Willen vielleicht 25 Personen Platz finden. Der kleine Raum ist mit sehr viel Bambus und asiatischer Kunst hübsch verziert. Man sitzt halt im „Keller“.

So etwa alle 20 Minuten dann ein leichtes Rumpeln und Vibrieren : Wenige Meter entfernt über uns fährt die lokale Strassenbahn vorbei! Filme wie „Chinatown“ oder „GoodFellas“ hätten hier ihre ideale Kulisse gehabt. Okay, vielleicht nicht der ideale Platz für ein erstes Rendezvous mit der neuen Freundin.. Noch verruchter wird es dann im hinteren Teil des schummrigen Lokals, der zu einer kleinen Smokers-Lounge ausgebaut ist. Die Decke wölbt sich und zusammen mit der Eisentür und dem lauten Abzugsventilator hat man das Gefühl in einem ehemaligen U-Bahn Tunnel zu sitzen, der zu einer Räuberhöhle umfunktioniert wurde… Aber zurück zum Wesentlichen : Am Nebentisch sitzen einige Asiaten mit ihren britischen Freunden und schlemmen. Viele Platten werden angeschleppt und aufgetischt. Es ist ein sehr gutes Zeichen, wenn Asiaten in Deutschland in einem asiatischen Restaurant sind, denn die wissen, wo es wirklich gut schmeckt! Die Karte des Hai Au bietet neben den „notwendigen“ Einheitsbrei-Gerichten mit Reis, Ente und irgendwas süßsauer, die man wirklich bei jedem x-beliebigen Chinesen auch findet und hier bitte nicht bestellen sollte (die aber wegen dem Geschwader der Unwissenden wohl nicht von der Karte genommen werden können), echt original vietnamesische Schmankerl die man nicht aller Tage bekommt.

Es gibt die leichten Saigon-Röllchen (nicht zu verwechseln mit den altbackenen und vor Fett triefenden Tiefkühl-Frühlingsrollen beim 0815 – Chinesen!), frisches rohes Gemüse das mit Fisch oder Fleisch und viel frischer Minze (!) in hauchdünnes Reispapier gewickelt und kalt gegessen wird.

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Dazu leckere Soßen, und zwar nicht die langweilige Industrie-Sambal-Olek Sauce die mit ihrer Salzigkeit jeden Geschmack platthaut, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Dips mit Austern-, Pflaumen-, Chillie- , und Fisch-Soßen und natürlich Erdnüsse und eingelegte oder frische Chillies. Wie in Vietnam üblich, werden zu zahlreichen Gerichten viele Frische Kräuter gereicht, vor allem Minze und asiatisches, hocharomatisches Basilikum. Man zupft sich die Minzblätter von den Stengeln und nimmt soviel man mag oder wickelt sie mit Reispapier in die Speisen ein. Zu einigen Gerichten bekommt man eine Schüssel mit heissem Wasser und Reispapier, das man kurz in das warme Wasser eintaucht und dann mit zahlreichen Zutaten und Salatblättern zusammenwickelt und nach Gusto würzt. Das macht nicht nur viel Spaß sondern schmeckt auch traumhaft! Es gibt die traditionellen vietnamesischen Suppen mit Rindfleisch und vielen Kräutern und Gewürzen, ausserdem knusprige „Pfannkuchen“ (eine Art riesengroßer WanTan, nur viel lockerer und schmackhafter) mit diversen Füllungen. Man kann ein ganzes Fondue bestellen, mit einem großen Suppentopf in der Mitte, zahlreichen Soßen als Dips und einer Vielzahl von rohem Fisch und Fleisch (sogar Nierchen befinden sich im Angebot) zum selber garen in geselliger Runde.

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Ein absolutes Hightlight sind im Hai Au meiner Meinung aber die Fischgerichte! Serviert werden ganze Taschenkrebse, und zwar die GROßE Sorte, die mit Chillie und Salz oder mit einer kongenialen Currysauce und frischem Sellerie zubereitet werden (Mein Leibgericht!). Dazu bekommt man einen Nussknacker mit dem man die Biester dann aufbrechen kann. Essen kann man sie nur mit den Händen und den ganzen tollen Saft bekommt man nur durch heftiges zuzzeln und saugen aus den Stücken. Definitv wieder nix für’s erste Rendezvous oder wichtige Geschäftsessen. Ist man mit den Viechern fertig hat man die Currysauce nämlich bis zu den Ellbogen! Jedenfalls habe ich noch nie zuvor in Deutschland so tolle Krebse gegessen.

Durch mein lautes Geschmatze und das Knacken der Krebsschalen wurde zwischenzeitlich dann auch der vietnamesische Chef auf mich aufmerksam und fragte tatsächlich ob er sich zu mir setzen darf. Irgendwie hat der wohl gemerkt das da ein Deutscher sitzt der schon mal in Asien war und das ganze Zeug so richtig zu schätzen weiß. Oder er hatte Angst das ich eine riesen Sauerei in seinem Lokal veranstalte. Wie auch immer, wir haben dann noch eine Weile bei asiatischem Schnaps über die Vorzüge der vietnamesischen Küche im allgemeinen und sein irres Restaurant im besonderen philosophiert und ich bekam ganz viele Empfehlungen was ich beim nächsten Mal dann bestellen soll.

Der Schnaps war nebenbei bemerkt aus Duftreis gebrannt und hatte ein irres Aroma mit Noten von besagtem Duftreis und Kokosnuss. Wieder zu Hause und immer noch von den vielen Eindrücken überwältigt hab ich mir dann zum x-ten Male „Der stille Amerikaner“ mit Michael Caine angesehen. Das ist DER Kultfilm für alle Vietnamfans und unbedingt zu empfehlen.



„Hadgudgesmeeek?“ – Neulich, 12:48 Uhr, beim Thai , Folge 2. by artifischl
13 Mai , 2009, 11:13 am
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von TheEverlastingClub

Im Jahre 1993 erkundeten meine damalige Lebensgefährtin und ich den Norden Thailands, fernab der ausgetrampelten Pfade des Pauschaltourismus. Es ist Januar, kurz nach Neujahr, und wir lassen uns eine kurvenreiche Straße entlang, nördlich von Chiangmai in das Gebirge fahren, nicht allzuweit der Grenzen zu Laos und Burma. Den staubigen Pfad säumen zahlreiche kleine Schreine, als Mahnung und Erinnerung für die hier zu Tode gekommenen Auto- und Mopedfahrer. Die Schreine folgen reichlich dicht aufeinander. Den Fahrer, der den Anblick offensichtlich gewohnt ist, ermutigt dies jedoch nicht, den Fuß vom tief durchgetretenen Gaspedal zu nehmen.

Diese abentuerliche Reise brachte uns zu einem entlegenen Bauernhof in den Bergen, nahe einem kleinen Dorf, in dem nur ein einziger Bewohner über ein Telefon verfügte, dessen  Benutzung mir von seinen Besitzern seinerzeit auch nur einmalig und unter strengem Blick gestatttet wurde! Sagen wir es ruhig : Wir waren am Arsch der Welt!

In diesem unaufgeregten Winkel unseres Planeten kam ich in den Genuss einer wirklich einmalig seltenen Speise. Aufgrund eines festlichen Anlasses wurde auf dem kleinen Bauernhof in dem wir verweilten, ein Schwein geschlachtet. Das noch warme Blut des frisch getöteten Tieres wurde in einem Bottich mit reichlich Kräutern und Gewürzen vermengt und dann, noch frisch und WARM,  als DIP (!) mit Klebreis serviert. Wir sassen alle draussen auf einem staubigen, kahlen Platz, und tunkten abwechselnd unsere zu kleinen Bällchen geformten Portionen klebrigen Reis in die tiefrote Tunke. Es wurde reichlich Aufhebens um die ganze Sache gemacht da die Menschen offensichtlich sehr arm waren und nur selten in den Genuss dieses Essens kamen. Ich erinnere mich noch, daß es mir schmeckte und sehr viel billiger Mekong-Whiskey dazu serviert wurde, dem ich reichlich zusprach. Sicherlich war auch nur der Mekong schuld daran, daß ich mich die ganze Nacht lang übergeben musste.

Und dann steht man irgendwann wieder in Frankfurt auf dem Markt an der Konstabler und gibt die Geschichte ein paar Guden aus Oberhessen zum besten, die gerade beherzt in ihre Roggenschnitte, belegt mit Odenwälder Blutwurst, Senf und Gürkchen beissen, und schon fallen sie über Dich her, als gehörtest Du in die Geschlossene eingewiesen, nur weil das Schweineblut das Du in Thailand genossen hast nicht wie jenes auf ihrem Backwerk bereits aus dem flüssigen in den gestockten Zustand übergegangen ist. Verrückte Welt.

Lange Zeit nach meinem Erlebnis in Thailand lernte ich dann, daß in Deutschland über Hunderte von Jahren Gerichte wie z.B. „Hasenpfeffer“ auf Basis frischen Blutes zubereitet wurden und noch heute in bestimmten Regionen, wie z.B. dem Fränkischen, nach wie vor serviert werden. In Zeiten von BoFrost und McDonalds dürften diese Gerichte wohl in wenigen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten sein.

Frisch gezapftes Schweineblut suchen wir bei den Thais in Frankfurt vergeblich, und auch Späße wie zu Ader gelassene Schlangen wie im Buch/Film „The Beach“ werden nicht geboten. Den Klebreis aber gibt es. Meistens wird er ganz traditionell in einem kleinen Körbchen zu den bereits erwähnten Ost-Thailändischen Salaten (Laab) serviert. Man greift mit den Fingern in das Körbchen, formt eine kleine Kugel, stipst damit dann einen Happen Laab auf und führt das Ganze zum Munde. Essen mit den Fingern macht Spaß!

Und natürlich hat es dann auch wieder „Gudgesmeek!“

„Man sollte alles einmal im Leben probiert haben.“
H. Lecter , „Hannibal“ , Thomas Harris, 1999



Nachrichten aus dem Pandämonium, Folge 2, „Essen in Deutschland. Ist das aber TEUER!“ by artifischl

von TheEverlastingClub

von TheEverlastingClub

In Zeiten weltweiter Rezession, Hungersnot und Kriegen grenzt es ja schon fast an Frevelei, ÜBERHAUPT über das Thema Genuss zu diskutieren. Oder ?  Oder ? Schon seltsam : Wenn meine Freunde oder Kollegen anfangen die Vorzüge des neuen Audi R6 im Vergleich zu anderen Nobelkarossen zu diskutieren käme absolut Niemandem in den Sinn, daß solche Frahrzeuge einen überflüssigen, ja dekadenten, Luxus darstellen, der einer infinitisimal kleinen Oberschicht vorbehalten ist. Wie selbstverständlich wird dann aber das gute 98er Super-Bleifrei  auf der A5 im Porsche verblasen und werden Werkzeuge zum Werterhalt des Boliden angehäuft, deren Anschaffungspreis fünfstellig beziffert werden muss. Am Motoröl kann und darf dann letztlich auch nicht mehr gespart werden.

Kommt dann aber ein kleiner Feinschmecker wie ich, der sich wagt mal so zwischendurch in die Runde einzustreuen, was für einen leckeren Bordeaux wir da am Wochenende hatten und das ein „besseres“ Olivenöl einen geschmacklichen Quantensprung beim Genuss eines grünen Blattsalates auszulösen vermag, dann glotzen einen die selben Menschen mit einem mitleidig bis verachtenden Gesichtsausdruck an und Weiterlesen



Das Osterlamm- Griechische Glückseligkeit! by artifischl
29 April , 2009, 11:26 am
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TheEverlastingClub

TheEverlastingClub

Hier sehr nachträglich ein Artikel von TheEverlastingClub zum Thema Osterlamm. Die Bilder waren etwas schwer zu besorgen…aber sind dann doch irgendwann angekommen.

Zu Ostern schieben Traditionalisten gerne einen Lammbraten in die Röhre und auch ich bin großer Freund von Lamm und Zicklein aus dem Backofen, schön lange weich geschmort mit viel Gemüse, sämiger Soße und krosser Haut. Eine besonders tiefe Tradition hat dieser Lammbraten bei unseren griechischen Freunden.

Das Lämmchen und Innereien

Das Lämmchen und Innereien

Bei Stelios im großartigen „Parthenon“ in Frankfurt gab es in diesem Jahr dann eine besonders schöne Überraschung : Auf einem großen Holzkohlegrill wurde ein GANZES (!) Lamm über viele Stunden zur Perfektion gegrillt.

Chefchen

Chefchen

Meine Freunde und ich durften an diesem Event teilhaben. Neben dem besagten Lamm vom Grill gab es auch dessen über der Glut gegarte Innereien, also Herz, Leber, Nieren, und viel undefinierbares.
Wir schlemmten über Stunden und genossen dazu knackige Salate und vielerlei griechischie Schmankerl. Begleitet wurde das Fest von einem griechischen Musiker der auf einem Dudelsack-ähnlichen Instrument (gefertig aus Lamm-Haut) traditionelle Hymnen anstimmte.

Griechischer Dudelsack

Griechischer Dudelsack

Dazu brannte von einem strahlend blauen Himmel die Sonne mit satten 25 Grad auf uns herunter – es war wie Urlaub vom Feinsten!
In Griechenland schieben sie dem Ehrengast ein Auge vom Lamm in den Mund. Unsere Freundin Lina, solchen Experimenten selten abgeneigt, erkundigte sich zwar nach dem Verbleib des Tierkopfes, aber offensichtlich hatten unsere griechischen Freunde das „beste“ Stück für sich reserviert…

Der griechische Chef verteilt das Lamm

Der griechische Chef verteilt das Lamm

Wie auch immer, das Fleisch des Tieres war wunderbar zart, dazu gab es Berge knuspriger Haut, was will man denn noch mehr ?

Soooo Knusprisch !

Soooo Knusprisch !

Und wann hat man schon mal Gelegenheit, so etwas Tolles zu Hause zu erleben, geschweige denn zuzubereiten ? Vielleicht eine Anregung, statt langweiliger „Lammfilets“ mal was anderes im Sommer auf den Grill zu legen.



„Nachrichten aus dem Pandämonium“, Folge 1, „Das Kulissen-Sandwich“. by artifischl
7 April , 2009, 11:30 am
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von unserem Frakfurter Korrespondent TheEverlastingClub

von unserem Frakfurter Korrespondent TheEverlastingClub

(„Pandämonium“ = Die Vorhölle. Hier als Sinnbild unsagbarer gastronomischer Entgleisungen und Warnungen an gastrophile Menschen).

Haben Sie es auch schon entdeckt ? Anfangs nur Monopol unserer Autobahn-Tankstellen, später auch an der Stamm-Tanke gesichtet, flutet es plötzlich die Theken und verbreitet sich wie ein schlimmer Virus : Das Kulissen-Sandwich. Weit gespreizt und tropfend soll es uns dazu verführen zuzugreifen, bunt leuchten Salatblatt und Tomatenscheibchen, dazwischen eine vermeintlich satte Füllung von Wurst, Braten oder Käse. Der hungrige, eilige Autofahrer denkt an nichts Böses und greift trotz des zumeist maßlos überteuerten Backwerks schnell zu. Doch Oh-Weh! Erst einmal in die Hand genommen entpuppt sich das Blendwerk als ein  altes, trockenes und viel zu stark gekühltes Stück Industriebaguette, welches nur zur Hälfte aufgeschnitten und gefüllt, uns noch durch das Thekenglas anzumachen vermochte, da die Füllung dem Glas und somit uns zugewandt war. Der aufgefächerte sehr dünne Belag steckt aber nur exakt bis zur Mitte (!) in einem viel zu dicken Brot und verabschiedet sich spätestens beim zweiten Bissen bedingt durch den harten Teig sowie die eingefüllte, aber nicht bestelle Mayonaisse, welche als Gleitmittel und Ausstoßbeschleuniger hervorragende Arbeit leistet, auf den frisch gereinigten Anzug. Um es auf den Punkt zu bringen : Die Dinger schmecken nicht nur schlecht und sind schwierig zu handhaben, sondern sind eine Mogelpackung übelster Sorte. Die Kulisse hervorquellender Salate usw. soll dem Kunden ein üppig belegtes Sandwich vorgaukeln, daß sich als ein nur halb belegtes trockenes Brötchen entpuppt. Im Vergleich zu einem zu Hause ordentlich gemachten belegten Brot, oder dem lecker belegten Baguette eines beliebigen Metzgers irgendwo in Deutschland, zahlt man gut das Dreifache und würde angesichts der Qualität des Gebotenen am liebstens Mitten auf der Autobahn umdrehen um dem Verkäufer den Schund anal zu applizieren. Da der Durchreisende sowas wegen € 4,50 aber niemals tun dürfte, mag sich das Abzocker-Konzept wohl noch eine ganze Weile halten. Unbedingt vermeiden!