Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Wie wir in der Kuchnia Chrisa unser Lamm zubereiten by artifischl
3 Juli , 2011, 3:17 pm
Filed under: In der Profiküche, Passion | Schlagwörter:

Im Restaurant haben wir im ersten Jahr unseres Schaffens nie Lamm zubereitet, einfach aus Ermangelung einer wichtigen Zutat zu einem akzeptablen Einkaufspreis in Polen: Dem Lamm selbst ! Im Großmarkt gab es nur TK-Lamm, egal ob aus Neu Seeland oder aus Polen – der Preis lag bei 80-100 zl pro Kilo, also etwas 25 Euro. Ich habe also mein liebstes Fleisch garnicht erst auf die Karte gesetzt, ich hätte es sonst für einen Preis anbieten müssen, den kein polnischer Gast zu zahlen bereit gewesen wäre.

Vor 4 Monaten gab mir dann ein befreundeter Gastronom die Info, das er mir Lamm besorgen kann. Nicht nur aus der Region, sondern auch noch Bio UND dazu zu einem Preis von 28 zl, also etwa 7 Euro je Kilo. „Ein Viertel des Preises“, dachte ich, „da bin ich auf Berliner Preisniveau und habe auch noch zusätzlich Bioqualität, Sensationell“. Machbar ist das, weil ich direkt vom Hersteller kaufe, also der ganze Zwischenhandel wegfällt und ich mindestens ein halbes Lamm am Stück kaufe(n muss).

Da ich Lammkeulen schon gefühlt über 100 mal auf verschiedenste Art zubereitet habe, war ich der Meinung, mir macht da so schnell keiner was vor. Stimmt auch, aber heute benutze ich eine Zubereitungsart, die von meinem Koch Dominik stammt und auch hochgradig lecker ist. Ich habe lediglich bei dem Gericht beigesteuert, das ich unbedingt bittere Schokolade in der Sauce haben möchte, und Dominic murrte aber parierte.

Man braucht:

– Eine Lammkeule
– 1/2 Kilo Himbeeren
– 10 Zweige Rosmarien
– 1 Flasche Rotwein – Fruchtig aber trocken (hier entscheiden ganz Eure vorlieben)
– 30 gramm dunkle Schokolade
–  Salz/Pfeffer
– Großer Topf mit Deckel

Wenn alles da ist, wird die Zubereitung zum Witz. Di Keule vom groben Fett befreien, aber immernoch genug für den Geschmack dran lassen. die Keule mit der Hälfte der Rosmarienzweige spicken, mit groben Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer einreiben. In den Topf, mit Rotwein übergießen und die Himbeeren drüber geben. Die restlichen Rosmarienzweige herum drappieren. Zum schluss die Schokolade über das ganze reiben. Deckel drauf und ab in den Ofen !


Jetzt werden meine Anweisung waage. Ich arbeite mit einem Dampfgarer, benutze feuchte und konventionelle Hitze gleichzeitig, bei 128 Grad für 4 Stunden. Ich drehe die Keule ein mal pro Stunde. Alles ist fertig, wenn das Fleisch locker vom Knochen fällt.  Einfach experimentiern ! Wer will, passiert die Sauce durch ein Sieb, reduziert die Sauce und bindet mit kalter Butter oder Mehlschwitze. Und ein bis 2 weitere Stücke Schokolade sind auch nicht Verkehrt !

Unendlich stolz hat mich das Urteil einer Gästegruppe des Slowfood Conviviums Berlin-Brandenburg gemacht, für die ich eine Genusstur Großpolen im Mai organisierte. Die einhellige Meinung war, daß es das beste Lamm war, was ihnen bisher vorgesetzt wurde 😀



Mit Superlativen zu ehrender Foodblog by artifischl
26 Januar , 2011, 6:12 pm
Filed under: Bloggerei, Passion | Schlagwörter:

Gerade durch Zufall entdeckt:

http://thepioneerwoman.com/cooking/

Ich verfolge ja nur sehr selten Rezepteblogs, da ich a: viel zu wenig Zeit habe und b: wegen „a“ dann sowieso nicht zum nachkochen komme. Viel mehr interessieren mich Blogs mit Erlebnisberichten von Köchen oder Gastrokollegen, kurzweiliges also.

Aber auf der Suche nach eben solchen Blogs habe ich soeben The Pioneer Woman entdeckt und diese hat mich dermaßen begeistert, das ich meine schier endlose Blogpause an den Nagel gehängt habe, um Euch diesen Link nicht vorzuenthalten.

The Pioneer Woman / Cooks ist eine Step-by-Step Fotoanleitung zu leckeren Gerichten, die Food-O-Grafie ist sensationell und Appetit anregend. Dazu sehr saisonal inspiriert. Alles extrem einfach ohne irgendwelche aussergewöhnliche Spezialgeräte zubereitet und so detailliert dokumentiert, das die Seite durchaus als „Cooking for Dummies“ herhalten könnte. Sogar die Bilder die zeigen, wie man Butter in der Pfanne schmilzt oder Öl erhitzt haben etwas ästhetisches !

Warscheinlich mache ich mich hier gerade voll zum Horst, weil Ihr die Seite schon lange auf Eurer Blogroll habt. Wer es so wie ich dennoch bisher verpasst haben sollte, sollte mal nen Blick drauf werfen.



Skizzen im Gästebuch by artifischl
16 August , 2010, 11:37 am
Filed under: Passion, Restaurantgeschichten | Schlagwörter:

Ich habe im Restaurant ein Gästebuch auf der Anrichte liegen, das vor allem bei speziellen Dinnerparties rumgereicht wird. Ich mag „echte“ Gästebücher sehr gerne (nicht so sehr die online-Versionen), es hat mich schon immer fasziniert, was andere Menschen über ein Restaurant, eine Ausstellung oder ein Event denken. Handschrift, kleine Zeichnungen und teilweise hochkarätischen literarische Ergüsse, aber auch verbale Entgleisungen fand ich schon immer spannend. Leider sind Gästebücher ja sehr aus der Mode gekommen.

Am Samstag hat ein Gast meiner Private-Dinnerparty-Reihe auf sehr schöne art seine Begeisterung zum Ausdruck gebracht und die verspeisten Gerichte ins Gästebuch skizziert:

Gästebuch Eintrag

Und das waren die Gänge 1-4 aus der Illustration:

– Elsässer Flammkuchen

– Glasnudelsalat mit, Orangefilets, Fenchel und fritierten Baby-Kalmar mit Chilli und Sesamöl

– Filet vom Schwein in Parmaschinken gewickelt mit gegrillter Polenta

– Zitronentarte Körbchen

Für derart begeisterte Gäste kocht man mit noch mehr Hingabe, da man versucht ist, das nächste mal das Erlebnis noch zu toppen. So gesehen eine spannende Herausforderung !



Foodblogger affine Geschenke by artifischl
26 April , 2009, 10:02 am
Filed under: Passion | Schlagwörter:

foodblogger-affine-geschenke

Damit mir liebe Freunde nix falsches schenken, erhielt ich kürzlich einen Amazon-Gutschein, um mir meinen Kram selbst auszusuchen. Wenn man da ne Weile stöbert, kann man für 80 Euro erstaunlich viel ergattern. Bei mir viel die Bestellung recht Food-Blogger affin aus. Ich habe meine Sammlung an Spielfilmen zum Thema Essen mal ein bisschen erweitert. Für alle, die gerne kochende Freunde beschenken wollen, hier ein paar Anregungen:

  • Eismaschine für 25,99
  • Babettes Fest DVD für 6,97 – Eine Französin kocht für ihre dänischen Arbeitgeber nach einem Lotteriegewinn ein Festmahl
  • Tampopo DVD für 12,95 – Rahmenstory ist das Bestreben einer Jungen Frau, die perfekte Nudelsuppe zu kochen. Dazwischen gibt es viele kleine Kurzgeschichten rund um das Thema essen.
  • Zimt & Koreander DVD für 6,95 – Hab ich noch nicht gesehen, ist mir aber immer wieder empfohlen worden.

Ausserdem auf dem Bild ein Passionsfruchtbalsam und eine sensationelle Trüffelpaste (perfekt für Pasta).

Wenn ich schon nix essen darf, kann ich mir es ja wenigstens ansehen…



Heute werde ich 3 by artifischl
2 November , 2008, 1:22 am
Filed under: Krank, Liebe, Passion | Schlagwörter: , , , , , ,

Nein, nicht mein Blog, auch multipliziere ich mich nicht durch Geburten oder so, sondern nach der neuen Chris-Wiedergeburtsrechnung meiner Mutter habe ich sozusagen Geburtstag. Ich hatte vor 3 Jahren, am 1.11.2005 ein Kammerflimmern, das in meinem Fall zu einem (überlebten) plötzlichen Herztot führte. Glück im Unglück: Ich befand mich in dem Moment in Gesellschaft unter anderem eines Kollegen, der 2 Tage zuvor seinen Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt hatte und den Telefonanweisungen des gerufenen Notarztes perfekt folgen konnte. Letzterer verpasste mir mit dem DEFI mehrere Schocks, die meine Atmung immer wieder aktivierte, aber meistens nicht besonders lange anhielt. Nach knapp 2 Stunden sagte der Arzt:“Wir starten noch einen Versuch, dann brechen wir ab“. Das ist Ärztedeutsch für: „Wir geben auf.“ Zur Ehrenrettung des Arztes muss ich aber bemerken, das er mich schon wesentlich länger am Leben hielt, als das normaler Weise bei so einem Fall üblich ist.
Ich muss den letzten Wink mit dem Zaunpfahl gespürt haben, denn ich Atmte schwach und konnte stabilisert werden indem man mich für 12 Tage in ein künstliches Koma versetzte. Bestimmt habt ihr davon schon mal gehört: Fussballer kippen einfach auf dem Platz um ( http://de.wikipedia.org/wiki/Pl%C3%B6tzlicher_Herztod_bei_Sportlern ). Das war bei mir ungefähr das Selbe. Warscheinliche Ursache: Herzmuskelentzündung. Sowas kann passieren, wenn man ne Grippe verschleppt, weil man „keine Zeit hat“ um Krank zu werden. Der Körper wird dann auch nicht Krank, aber der Virus verschwindet nicht einfach. er setzt sich einfach irgendwo hin und wartet, bis er was anrichten kann. Das Immunsystem ist besonders gefärdet, wenn man total enspannt ist. Lustig oder ? Und nachdem ich damals Mister Oberstress mit 7 Jobs und wenig Schlaf und zuviel Kiff und Alkohol war, mir aber erlaubte ein Gang runterzuschalten, sagte das Immunsystem: „Super, Feierabend, ich komm morgen wieder !“ Und der Virus witterte seine Chance !

Bevor jetzt Ärzte, Hobbybiologen, Psychologen und wer immer sich dazu berufen fühlt gegen meine Aussagen Amok zu laufen sei gesagt, das ich keinen Anspruch auf medizinische Korrektheit meiner Darstellung hege, ich erkläre mir meine Geschichte so, resultierend aus vielen Aussagen meiner Ärzte, Freunde, Homöopaten, Familie und meiner eigenen Sicht, wenn ich mich selber und meine Vergangenheit betrachte.

Ich habe seit dem mein Leben geändert: Ich gehe nur noch einer Arbeit gleichzeitig nach. Ich bin besonnen. Ich habe das Rauchen aufgehört. Ich übe mich gelegentlich in Selbstlosigkeit. Ich vermeide Jähzorn. Ich rege mich kaum noch auf, das lohnt sich eigentlich nie. Ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich weiss, was Freundschaft ist. Ich weiss wer meine Freunde sind. Ich lebe in der Gegenwart.

Und heute Abend gehe ich mit meiner liebsten ganz schick aus und wir werden ein bisschen feiern, das ich noch da bin und uns den ganzen Abend romantische Dinge zuflüstern. Ihr solltet sie sehen, wie sie sich zurecht gemacht hat, was sie an hat und wie unglaublich  sexy sie aussieht ( Waa-Waa-Wee-Waa) . Ich bin echt ein Glückspilz !

Danke:

– Alle bei Vektor, ohne die ich heute nicht mehr da wäre.
– Meinem Notarzt und meinen Pflegeern auf der Intesivstation.
– Sarah für Deine Wochenlagen fast täglichen Trips nach Köpenick, ohne Deine Besuche wäre ich warscheinlich nach meinem Koma an Langeweile verreckt.
– Ro, Tage, Nati, Steve, das Ihr alle sofort da gewesen seid.
– Tina für professionellen Beistand, Dich hab ich in der Komazeit glaube ich als einziges wahrgenommen.
– Robby;Maria und Tamo fürs reinschmuggeln bester Italienischer Salami.
– Alle Spender aus der Bar 11, sodaß ich meine Miete weiter Zahlen konnte.
– Meine Krankenhausbesucher: Ricarda, Birgit & Janchris, Jan, Myrta,Indigo, Esther, Michou,  und alle die für mich da waren und die ich hier nun vergessen habe !



Nalewka by artifischl
2 September , 2008, 2:11 pm
Filed under: Food-Talk, Passion, Polen, polnische Küche, Typisch polnisch, Zu Hause gekocht | Schlagwörter: , , , ,

Ich bezeichne es auch gerne als polnichen Zaubertrank !

Ist auf jeden Fall was ganz feines, besonders wenn es von Schwiegermutter hausgemacht ist ! Wir waren schon wieder in den Mazuren, diesmal, um den 60. Geburtstag meiner Schwiegermutter zu feiern. Das Wetter machte am Nachmittag mit dem Regen schluss und so konnten alle Gäste im großen Garten sitzen und lecker mariniertes Grillfleisch, Salate und eben großzügige Mengen des leckeren Fruchtwodkas genießen. Immer in vermeintlich unbeobachtetem Moment schenkte Theresa die Gläser wieder voll und so sorgte der Alkoholpegel fix für ausgelassene Heiterkeit.

Da ich ein paar Flaschen für den „Export“ abgefüllt habe, dachte ich mir, ein richtiges Flaschenlabel wäre noch schön und entwarf folgendes:

Hier kommt Theresas Hund „Timmek“ zum Einsatz, der die Produktion mit wachsamen Auge beobachtet und die sehr rare Produktionsmenge vor Gaunern schützt. Ich bin nun stolzer Besitzer von 13 0,5-Liter-Flaschen mit den Geschmacksrichtungen Sauerkirsche, Erdbeer-Orange und Cranberry. Wer mich in den kommenden Wochen besucht, bekommt vielleicht was leckers ab !



Bei Fressack by artifischl

Vorabbemerkung: wegen exessivem Äppler-Konsum während der nun folgenden Ereignisse kann es sein, das die zeitlichen Abläufe stimmen oder aber völlig falsch eingeschätzt wurden. Nein, es gibt keine Bilder, hab meine Kamera vergessen.

Letzten Freitag das erste mal bei Fressack im Goldenen Engel gewesen. Ich fuhr nach Frankfurt, um meinen lieben (Genuss-) Freund Alex zu besuchen, und da stand natürlich auf dem Programm, mal in dem Restaurant vorbei zu schauen, dessen Besitzer mit seiner Food-Bloggerei bei mir regelmäßig für ausgelassene Heiterkeit sorgt.

Zu allererst lud uns Fressack an seinen Tisch ein und präsentierte uns stolz den Release 3.0 Seiner Getränkekarte mit gefühlten 150 Positionen an Schnäpsen und Bränden. Natürlich konnte ich mich nicht zurückhalten und zog darauf hin eine Flasche des leckeren Kirsch-Nalewkas meiner Schwiegermutter aus Polen aus der Tasche. Ich sollte damit aber nicht der Einzige an dem Abend bleiben, der seinen eigenen Alk ins Restaurant schleppte aber mehr dazu später.

Da wir bei unserer Ankunft die ersten Gäste waren, haten wir ausreichend Gelegenheit uns angeregt über das Essen, Flüssignahrung, die Bloggerei und weiteres zu unterhalten. Das Ambiente des Engels ist urig hessisch, die Karte lässt einen den Mund wässrig werden (Sabber) und die Auswahl macht einem die Entscheidung auch nicht gerade leicht.

Wir wollten gerne von allem etwas probieren und begannen mit „Hessischen Tapas“, runden Broteckelchen mit typischen hessischen leckereien bestückt und im Durchmesser gerade so groß, das sie zur Not als Deckel für das Gerippte (Apfelweinglas) herhalten konnten um Wespen oder anderes Fliegenviech abzuwehren. Dazu ein unglaublich guter Apfelwein, nicht zu Sauer, nur ganz leicht mussierend und von herrlischer Frische. Da wir Lust auf ein Zwischengericht hatten, aber schon mit Schrecken daran dachten, das wir bald voll sein werden, bevor wir zum Nachtisch kommen, baten wir darum, eine kleine Portion der grandiosesten Stampfkartoffeln mit gebratener Leber und Röstzwiebeln teilen zu könnten. Unsere Bitte wurde nicht gehört, es gab richtige Portionen, von denen wir jedoch auch keinen Krümel liegen lassen konnten.

Zu diesem Zeitpunkt muss es gewesen sein, das 2 pärchen den Laden betraten, die völlig fassungslos vor unserem Tisch standen und schockiert darüber waren, das wir dort saßen, dann rannten die vier aufgeregt durch den ganzen Laden (die meisten Tische waren frei), schafften es aber erst, offensichtlich immernoch schockiert, sich zu setzen, als Fressack ihnen einen anderen Tisch Anbot, da der gewünschte nunmal von uns besetzt sei.

Während unseres Hauptgangs betrat ein Italienisches Paar das Lokal, welches wohl frisch nach Bergen-Enkheim gezogen war und nun die Strasse hinunter jeden Abend ein anders Lokal ausprobierte. Sie boten Fressack einen schluck ihres mitgebrchten grandiosen Masalas an. Nun hatte Fressack einen weiteren Tisch mit Gästen und mitgebrachtem Alkohol. Natürlich wurde fröhlich getauscht, damit die soeben verspeiste grobe Bratwurst mit den weltbesten Bratkartoffeln auch gut rutscht. Und das kurzzeitige sacken lassen machte noch ein klein bisschen Platz für ein Apfelwein-Pudding-Dessert, welches man sich ebenfalls nicht engehen lassen sollte.

Fazit: Wohl der lustigste und schönste Restaurantbesuch in 2008, tolle Geschichten vom Fressack und das alles zu Preisen, bei denen man sich im Vergleich zu Frankfurter-Innenstadt-Lokalen dann auch noch das Taxi leisten könnte.

Vielen Dank lieber Fressack – we’ll be back !