Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Anruf by artifischl
27 März , 2010, 12:38 am
Filed under: schwierige Restaurantgäste | Schlagwörter:

Kunde: „Guten Tag, Mein Name ist ***** von der Kanzlei  ****** , ich habe eine Frage, liefern Sie Ihr Lunch-Menü für 17 zl auch frei Haus ?“

Koch: „Nein, wir liefern nicht, aber Sie können das abholen, als take-away sozusagen“

Kunde:“Aha, gut. Sie schreiben hier in Ihrem Menü, es gibt heute ein Ragout mit Rotwein. Wie wird denn dann der Rotwein geliefert? Und wie viel bekomme ich?“

Koch:“ Ich glaube, das haben sie missverstanden, der Wein ist IN dem Ragout! In der Sauce !“

Kunde:“Wie ? Ach so. Und den kann ich nicht separat bekommen?“

Koch: “ was ?“

Kunde:“wie, WAS ? Ist doch ganz einfach: Können Sie den Rotwein nicht einfach in meiner Portion weglassen und mir den separat geben?“

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Polen sucht den Supergast by artifischl
20 Februar , 2010, 7:34 pm
Filed under: schwierige Restaurantgäste, Uncategorized | Schlagwörter: ,

ALs Wochenend-Schmankerl hier ein (zumindest für Gastronomen) sensationeller Cartoon von unserem lieben Skizzenblog-Kollegen Claus Ast:

(Bild zum vergrößern anklicken)

Dem Cartoon vorangegangen waren ein paar Kommentare zu meinen Artikeln Die Aaante krigt er niiiischt, er krigt das ‘Ünschen ! und  Neue Geschichten von “Die Aaanté” und überhaupt alle Geschichten mit schwierigen Restaurant-Gästen. The EverlastingClub ließ sich in seinem Kommentar dazu hinreissen, solche Gäste teeren und federn zu wollen.

Ich aber finde, wir sollten als Event mal den „Kunde-ist-König“-Spiess umdrehen und ein Supergastcasting veranstalten. Erstmal nen Multiple Choice Fragebogen ausfüllen und dann sehen, ob der Bewerber in die engere Auswahl kommt 😉 Fragen für diesen Multiple-Choice Test bitte als Kommentar abgeben ;-)…



Topinambur, Silvesterdinner, Freunde und absurde Dialoge by artifischl

– 3 Tage vor Silvester haben wir das Restaurant wieder aufgemacht.  Einerseits bin ich erholt gewesen von dem Urlaub in den Mazuren, andererseits froh, wieder zurück zu sein. Und es gab ja noch einiges vorzubereiten. Die Panik stieg, das von irgendwas nicht genug da war. In der Regel wird nämlich immer genau das verlangt, was man nicht in Vorräten eingekauft hat.  Aber wir waren vorbereitet: 2 Kisten Champagner, 7 Kisten Sekt, 40 Flaschen Vodka, 2 Fässer Bier, Säfte und diverse Spirituosen.

– Bis zum 31.12. Nachmittags steht das Telefon nicht still. Alle wollen Tickets, aber wir sind ausverkauft. 85 Plätze mehr geht nicht – halt, das ginge schon –  aber dann gäbe es keine Tanzfläche. Ein weiser Entschluss, wie sich später mehr als deutlich heraus stellt. Absurde Gespräche halten meinen Chefkoch von der Arbeit ab:

Anrufer: „Für heute Abend 40 Tickets für das Silvestermenü“
Chefkoch: „Sorry, wir sind ausverkauft“
Anrufer:“Aber wir haben doch auch Tickrets fürs Theater“
Chefkoch:“Gut für Sie, aber wir sind ausverkauft“
Anrufer:“Aber wir wollen doch was essen“
Chefkoch:“Ja.“
Anrufer:“Kann ich dann vielleicht 10 Plätze haben ?“
Chefkoch:“Nein“
Anrufer:“5 ?“
Chefkoch:“Nein“
Anrufer:“2 ?“
Chefkoch:“Nein“
Anrufer:“EINEN  ?“
Chefkoch:“ Vielleicht einen halben für Ihren Sohn, aber sie können nicht mitkommen“
(nein, der letzte Satz war dazu erfunden, aber der Rest war genau so)

– Einen Tag vor Silvester fahren mein Küchenchef und ich 120 km durch deine Walachei-ähnliche Region bei wildem Schneetreiben, um einen Topinambur-Bauern zu besuchen. Wir hatten diesen vor Weihnachten im Internet ausfindig gemacht. Er verkauft das leckere Zeug in Säcken á 50 Kilo (Mindestabnahme). Da sich das Zeug angeblich so nicht verschicken lässt und der Sohn nicht wie angekündigt nach Poznan kommen konnte um uns das Zeug zu liefern, fahren wir also da hin. Denn wir wollen an Silvester unbedingt Topinambur-Suppe als Starter bieten. Den Polen ist Topinambur als Lebensmittel völlig unbekannt, es wird dort ausschließlich zur Produktion von Biodiesel angebaut ! In Deutschland kostet Topinambur im Versand ca. 2,50 Euro je Kilo. In England gibt es in der Nähe von Bristol ein Hotel, das eine Topinambur-Suppe für 10 Pfund (!) angeboten hat.  Unser Bauer möchte für das Kilo 3 Zlotti haben. Weil wir selbst abholen, gibt er es uns für 2 Zlotty, also etwa 50 Cent. Der Bauer versteht ehrlich gesagt nicht ganz,was wir damit machen wollen. Mein Chefkoch Arek erklärt es ihm. Daraufhin der nächste absurde Dialog:

Bauer: „Verstehe ich das also richtig, das da ist Dein Boss, ja ?“
Arek: „Ja“
Bauer: „Und Du bist der Chefkoch“
Arek: „Ja“
Bauer: „Und Ihr fahrt 120 Kilometer hin und 120 Kilometer zurück um Topinambur zu kaufen“
Arek: „Richtig“
Bauer: „Und dann macht ihr daraus SUPPE ???“
Arek: „Ja“
Bauer:“Ihr müsst total verrückt sein“
Arek:“Kann sein“
Bauer:“Ich sag euch was, ich lass meine Kinder zu Hause und komm mit einer Frau zu Euch zum Silvester Essen, sonst glaubt die mir kein Wort“
Arek:“Wir sind leider ausverkauft, aber wenn Du willst, dann könnt ihr in der Küche sitzen !“
Bauer:“Letzte Woche hab ich 25 Tonnen für die Biodieselproduktion verkauft, und heute 50 Kilo für Suppe“

Zurück in Posen müssen wir noch das Schweinefleisch abholen, das wir beim Prosiaczek bestellt haben (25 Kilo, das sind für mich trotz 3 1/2 Monaten Restaurant dann doch immer wieder Mengen, die ich früher so nicht mal eben eingekauft habe). Prosiaczek ist noch ein richtiger Einzelhandel-Metzger mit Delikatessen-Sevice und 3 Filialen, wie man das früher auch in Deutschland kannte, aber heute auch hier nur noch ganz vereinzelt anfindet. Denn mittlerweile (einen Tag vorher) steht auch das Menü für die Silvesterparty fest:

Topinamburcréme mit Chips von Blauen Schweden Kartoffeln

Gegrillte Jacobsmuscheln auf Süßkartoffelpürree mit Erbsenschaum

Bouquet von Blattsalaten mit Gänsestreifen und Orangendressing

Schweinebraten an Honig-Schwarzbiersauce und Kartoffelkuchen

Törtchen aus weisser und schwarzer Mousse mit gezuckertem Ingwer und Himbeersauce

– Am Nachmittag trudelten dann auch schon ein Teil meiner Freunde aus Deutschöland und Österreich ein. Das war richtig schön, hielt mich aber auch von den Vorbereitungen ab, aber meine Mitarbeiter waren 110 Prozent bei der Sache. Alles war so gut im Timing und weil am nächsten Nachmittag meine Freunde auch noch mithelfen, den gigantischen Berg von Topinambur zu schälen, fragte ich am Silvestertag nur 3 mal nach, ob noch alles im Zeitramen ist.

– Da einer unserer Köche ausgefallen war, musste ich selber richtig ranklotzen, aber das hat wirklich Spass gemacht. Allerdings habe ich dann natürlich in der Aufregung das Fotografieren ab und zu vergessen. Fotos gibts also nur spärlich und später. (Wer welche gemacht hat, sagt bescheid).

– Um 20:30 beginnt das Gästeeintrudeln, die Suppe schicken wir um 21:00 Uhr. In rascher Folge kommen Jacobsmuschel und Salat auf den Tisch. um 22:00 uhr bereite ich gerade das Hauptgericht zum schicken zu, als ich von meinem Barchef wegen einer schwer aufgebrachten Gruppe in den Gstraum gerufen werde. Die Gruppe brüllt auf mich ein, ich solle nun ENDLICH die Musik lauter machen, man wolle JETZT tanzen. Ich versuche freundlich zu vermitteln und werde niedergebrüllt. FInde dann doch einen in der Gruppe, der mit sich reden lässt. Ich biete als Kompromiss an, den Hauptgang zu schicken und danach den DJ anzuweisen lauter zu werden. Die Tanzfläche ist in sekunden brechend voll. Das es einen Interessenkonflikt gibt, da einige Gäste ihr Menü geniessen wollen und wir ja auch ein Retaurant und keine Disco sind interesiert die Brüllergruppe nicht. Mir wird das später so erklärt, das der Wodkakonsum an Silvester sofort zum Delirium führen würde, wenn man das nicht raustanzt zwischendurch. Ich dachte eigentlich immer, körperliche ertüchtigung fördert lediglich, das der Alkohol noch schneller im Blut und dann im Hirn landet um größtmöchlichen Schaden anzurichten, aber was weiss ich schon mit meinem nicht vorhandenen Mediziner-Weisheiten 😀 .

– Der Rest des Abends verläuft glimflich und fröhlich. Soweit ich das beurteilen kann, war das Essen zwar lecker, aber an Silvester hätte es auch ein kleines Buffet getan, das regelmäßig mit Rolmops, sauren Gurken, Brot und Schmalz aufgefüllt worden wäre. Ich bin wenigstens sehr froh, das ich so viele Freunde aus Deutschland da hatte, die es fast alle zum ersten mal nach Polen geschafft hatten. Wir haben Unmengen von Alkohol übrig, zum Glück konnte ich wenigstens den Wein auf Komission bekommen. Die Polen haben mich im Wodkaumsatz maßlos enttäuscht, ich wünschte mir manchmal an dem Abend, es wären Norweger 😉 .



Die ersten Po-Loch-Gäste by artifischl
21 September , 2009, 1:37 am
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Auch wenn die Polen ein unglaublich höfliches Volk sind und im Besonderen im meinem Restaurant bisher nur nette gäste da waren, die sich alle begeistert von meiner Einrichtung, dem Essen und dem Service zeigten, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis mal jemand „unbequemes“ vorbei schaut.

Gestern war es dann so weit. Leider weiss ich das natürlich auf Grund meiner mangelnden Sprachkenntnisse größten Teils nur aus zweiter Hand, aber die Situation war in Etwa diese. Zu einer Zeit, als der Laden gerade relativ leer war, betrat eine Frau mit Moonwashed Jeans, einem Tick zu hell blondierten Haaren und ca. 5 Ticks zu dunkler Sonnenbankhaut den Laden, lief durch alle Räume und raunzte die ihr folgende Kellnerin an, das die Räume ja VIIIIEEEL zu hell seien. Wohl gemerkt: Wir haben in allen 3 Speiseräumen nur indirektes Licht, man sieht da nicht eine Glühbirne. Sie nahm aber dann trotzdem dort Platz, entschied sich aber nach ein paar Minuten, in die Lounge umzuziehen. Nochmal wohl gemerkt: Die Lounge hat als einziges ein paar direkte Halogenlampen in der Decke.

Sie bestellte einen Longdrink, den sie wörtlich nahm, es war ihr einziger Drink in den kommenden 3 Stunden. Nicht das ich das schlimm fand, wir haben genug Platz, sogar oft für Leute, die garnichts konsumieren, aber das kommt eigentlich nicht vor. Es ist nur für den Verlauf der Geschichte interessant. Ausserdem ist zu erwähnen, das unsere Getränkekarte noch nicht in gedruckter Form vorliegt, da wir daran noch ein wenig arbeiten. Aber unser Sortiment ist umfangreich und wir können zu allem Auskunft geben.

Die Dame telefonierte irgendwann, lief dabei die ganze Zeit durchs gesammte Restaurant und nach einer Stunde gesellte sich die (vermutlich) angerufene Person zu ihr. Auch er bestellte ein Getränk. Nach einer weiteren Stunde kam meine Kellnerin zu mir und sagte sie sei etwas ratlos, da die Gäste sich extrem schwierig verhalten. Ich muss erwähnen das genau diese Kellnerin von allen Gästen sehr geliebt wird, denn obwohl sie noch sehr jung ist macht sie ihren Job hervorragend und verhält sich gegenüber unseren Gästen ganz sicher immer tadellos. Auf jeden Fall löcherten die beiden Gäste meine Kellnerin nach Preisen diverser Getränke und meine Kellnerin beantwortete höflich jede Frage. Auf einmal verlangten die Gäste von ihr einen Rabat auf alle konsumierten Getränke (es waren immer noch insgesamt 2) und begründeten es damit, das wir noch keine geruckte Getränkekarte besitzen.

Es wurde Zeit, das ich mit meinem Barmann einschritt. Wir gingen also an den Tisch und fragten höflich, ob es irgend ein Problem gäbe, das es zu lösen gibt. Mein Barmann erklärte mit freundlichen Worten, daß das Menü gerade in Arbeit sei, wir ihnen aber über alles Auskunft geben könnten (ich fand ja eigentlich, das wir garnicht in Erklärungsbringschuld sind, aber egal). Der männliche Gast fing wieder an von Rabatt zu faseln. Ich war kurz davor, meinen Barchef übersetzten zu lassen das Rabat eine Stadt in Marocco sei. Mein Barchef antwortete aber, das wir ihm gerne bei für seinen nächsten Besuch (wie allen Gästen in der Eröffnungswoche) einen Gutschein für 10% Preisnachlass aushändigen könnten. Seine antwort darauf: “ DAS IST NICHT GENUG !!!“ .

Das schlimme ist, das meine Angestellten so höflich sind wie die meisten Polen und einen Gast nur unter ganz schlimmen Bedingungen behandeln, wie es sich für so ein Po-Loch gehört. Wir kehrten zur Bar zurück und mein Barchef kramte eine Preisliste heraus, die wir für interne Zwecke getippt hatten. Da wurde ich zum ersten mal in meinem Laden sehr ernst und sagte: „Roland, dies ist UNSER Laden. Wenn dem Typ irgendwelche Anteile gehören, dann habe ich das wohl nicht mitbekommen. Ich lasse mir von Gästen sicher nicht vorschreiben, wie meine Beleuchtung zu sein hat,  ich werde denen jetzt ganz sicher nicht eine interne Preisliste in die Hand drücken und wer hier wie viel (oder übehaupt) Rabatt bekommt, bestimme immernoch ICH“.

Ich schickte Roland dann mit der Rechnung und einem lieben Gruß zu den Gästen, das ich keinen Grund sehe ihnen heute irgend einen Preisnachlass zu geben, wenn ihnen der Laden nicht gefällt, würde sie keiner hier festhalten. Sie zahlen wortlos einen Rechnnungsbetrag von insgesammt 8 Euro (für 2 Longdrinks) ohne einen Groschen Trinkgeld, blieben aber trotzdem noch eine Stunde sitzen, bevor sie wortlos den Laden verließen.

Und soll ich Euch was sagen ? Meine Erfahrung sagt mir, das genau diese 2 zu 99% wieder kommen wenn sie bock haben rumzumosern und „Kunde König“ zu spielen. Ist nur ne Frage der Zeit …