Von einem der nach Polen geht und ein Restaurant eröffnet


Im Interregio nach Warschau by artifischl
11 Oktober , 2012, 8:52 am
Filed under: Polen, Reisen, Uncategorized | Schlagwörter: , ,

Hach was bin ich begeistert ! Ich sitze im Zug nach Warschau, um meinen neuen biometrischen Reisepass bei der dänischen Botschaft abzuholen. Eigentlich kein Grund zur Freude, den Bahnfahren in Polen war für mich meistens eine unbequeme, zu enge und Zeitraubende Angelegenheit. In Abteilen, die in Deutschland für 6 Personen gemacht sind, nehmen 8 Personen Platz. Eine 5-Stündige Fahrt zu Weihnachten verbrachte ich einmal auf dem kalten Fussboden eines Gepäckwagens, weil alle Abteile und Gänge bereits voll waren. Bequemer aber nicht minder seltsam war eine Fahrt in einem 70er Jahre Speisewagen von Breslau nach Posen. Und da ich kein ausgesprochener Warschau-Fan bin, alles eigentlich kein Grund zur Freude.

Aber heute stieg ich um 6:18 in den Interregio Express und war mir nicht sicher ob dies der Richtige Zug ist ! Komfortable Großraumwagen, moderne Sitze, der Zug mit freier Platzauswahl (10 % belegt) und unter jedem Doppelsitz eine Steckdose für den Laptop !!! Perfekt für meine Arbeit, denn obwohl meine Kiste noch gut läuft, hält der bereits 4 Jahre alte Akku maximal ne Stunde. Der Kaffee kommt nicht aus ner Riesen-Thermoskanne, sondern ein Steward geht herum und nimmt Bestellungen entgegen, die dann im Bordrestaurant frisch zubereitet und an den Platz gebracht werden !
Auf dem Klo war ich auch. Perfekt sauber, weiches, mehrlagiges Klopapier. Auf der Schüssel wird alle 15 Sekunden mit Druckluft alles weggeblasen, was da so sein könnte, sodaß Keime garnicht daran denken, sich hier niederzulassen. Das ist zwar in der Tat etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man auf dem Pot sitzt, aber sehr erfrischend 🙂
Die Reisedauer nach Warschau beträgt 4 Stunden anstatt 3,5 Stunden im Intercity. Das nehme ich jedoch gerne in Kauf, denn das Ticket kostet gerade mal 49 Zloty (ca. 12,50 Euro) und nicht 120 Zloty (30 Euro) wie im Intercity. Und endlich kam ich mal wieder ungestört zum Bloggen !

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Die Warschauer Unterwelt by artifischl
1 Januar , 2009, 7:03 pm
Filed under: Polen, Typisch polnisch | Schlagwörter: , , , , ,

Ich finde es ja völlig faszinierend das es in Polen überall winzige Schachtel-Läden gibt, die dem Wort „Einzelhandel“ die richtige Bedeutung geben. Ausserdem hab ich mich ja in diesem Blog bereits ausgiebig über die Werbe- und Plakatwut in Polen ausgelassen.
Beides zusammen gibt es auf superengem Raum in Warschau unterm Hauptbahnhof, wo wir gestern von Posen aus hinfuhren, um dort Silvester zu feiern.

warschau-b-ebene

Direkt vom Gleis gelangt man mit der Rolltreppe nicht etwa in eine übersichtliche große Halle, sondern in ein Labyrinth aus engen Gängen, voll mit winzigen Läden und Leuchtwerbeschildern so weit man gucken kann. Man muss sich das ein wenig wie die Frankfurter B-Ebene an der Hauptwache vorstellen, allerdings mit ein paar polnischen Eigenheiten. Wirklich wichtig ist das oft auftretende „Kasa“-Schild, denn dort kann man seine Tickets für den Zug kaufen. Diese Verkaufsschalter befinden sich einfach immer irgendwo zwischen den Läden und wann welche wo und wie lange geöffnet sind entzieht sich komplett meiner Kenntnis.

Aber hier kann man wirklich alles kaufen. Kleidung, Schmuck, Unterhaltungselektronik, Kaffee, Fast-Food, Zeitschriften und natürlich Lebensmittel. Schön ist, das hier auch noch der kleinste Kiosk mit abgepackter Lidl-Wurst mit einem „Delikatessen“-Schriftzug auf der Scheibe versucht, Seine Kunden anzulocken.

Besonders gut hat mir der Bonbon – und Lutscherladen gefallen:

kocham-cie

„Kocham Cie“ heist „Ich Liebe Dich“ und „Sto Lat“ bedeutet „100 Jahre“. Letzters ist auch ein Lied, das zum Geburtstag gesungen wird und man wünscht damit dem Geburtstagskind, das es 100 Jahre alt wird. Die Beiden Lutscherherzen hatten einen Durchmesser von nem 1/2 Meter. Vielleicht wollte der Hersteller auch ausdrücken, das man da 100 Jahre dran lutschen muss.

Ausserdem gibt es natürlich alle vorstellbaren Arten von Dienstleistungen. Frieseur, Maniküre, Banken, Geldwechsel, Schuhputzer, Schlüsselmacher und eine Vorsintflutliche Gepäckaufbewahrung. Ausgerechnet auf diese weist nur ein sehr kleines Schild an einer versteckten Holztür hin. Dahinter ein verrauchter Raum und enger tresen, wenig Licht und eine Huzzeloma, die Deine Klamotten entgegen nimmt. Dafür bekommst Du dann einen Altpapier-Bon und fragst Dich, ob Du Deine Sachen jemals wieder sehen wirst. Aber in Polen kann man noch vieles auf alte Weise machen. Wofür das Rad neu erfinden ? Das alte rollt genau so gut und es hält die Preise niedrig !

Diese Welt hier ist allerdings nix für Klaustrophobiker (oder Rollstuhlfahrer). Sehr niedrige Decken geben einem ein Gefühl als wäre man im Kanalisationssystem und da dieses Labyrinth sicher für wesentlich weniger Menschen geplant wurde, ist es ununterbrochen voll.

Das muss man unbedingt gesehen haben !